Internetkonsum bei Kindern und Jugendlichen nimmt in der Pandemie stark zu
Wenn Zocken süchtig macht

Kreis Coesfeld (vth). Zocken, chatten, am Smartphone oder an der Spielkonsole abhängen: Besonders in der Corona-Pandemie sind soziale Medien und das Internet ein Thema. Eins, das aber auch zunehmend süchtig macht, wie Bettina Bayer und Petra Nachbar von der Fachstelle für Suchtprävention des Caritasverbands festgestellt haben.

Donnerstag, 29.10.2020, 07:00 Uhr
In der Corona-Pandemie hat der Internetkonsum bei Kindern und Jugendlichen zugenommen. Nicht immer ist das unproblematisch. Foto: Pixabay

Laut einer DAK-Studie stieg in der ersten Welle der Corona-Pandemie bei Kindern und Jugendlichen die Nutzungsdauer von sozialen Medien und Gaming um 75 Prozent. Dies war nachvollziehbar, da alle anderen Freizeitalternativen durch die Shutdown-Maßnahmen wegfielen. „Unabhängig von diesen besonderen Zeiten ist bei sechs Prozent der Jugendlichen von einer internetbezogenen Störung und bei 22 Prozent von einer problematischen Nutzung auszugehen“, so Bayer. Da kommen bei Eltern oft Fragen auf, wie sie auf einen vermehrten Internetkonsum ihrer Kinder reagieren können. Dazu hat die Fachstelle Suchtprävention des Caritasverbandes für den Kreis Coesfeld drei Fragen zusammengestellt.

Was kann ich als Elternteil tun, damit die Internetnutzung meines Kindes unproblematisch bleibt? 0 Treffen Sie Vereinbarungen über Mediennutzungszeiten sowie analoge Zeiten. Zum Beispiel: Am Essenstisch oder beim Besuch der Oma wird nicht am Handy gespielt. Unterstützen Sie Ihr Kind bei vorhandenen Hobbys und Stärken. Auf diese Weise werden Alternativen ermöglicht. So findet Ihr Kind mehrere Strategien zur Stressbewältigung vor. Sie können Ihrem Kind auch anbieten, es bei neuen Hobbys zu unterstützen. Wie kann ich mit meinem Kind über die Internetnutzung ins Gespräch kommen?

0 Fragen Sie einmal nach, was Ihr Kind zockt, wie das Spiel funktioniert oder setzen Sie sich einmal dazu. Bewerten Sie nicht, sondern hören einfach nur zu. Das schafft eine positive Grundlage und Ihr Kind ist eher geneigt, darüber zu erzählen. Bleiben Sie im Kontakt: Gerade in der Pubertät ist das für Eltern eine große Herausforderung. Verbringen Sie regelmäßig Zeit zusammen. Zum Beispiel jeden Tag bei einer gemeinsamen Mahlzeit oder in einer Wochenendaktivität. Schaffen Sie Transparenz: Geben Sie offen zu, wenn Sie sich mit einem Thema nicht so gut auskennen. Gleichzeitig benennen Sie klar, an welchen Stellen Sie sich Sorgen machen und wann genau Ihre Grenze überschritten ist.

Wie erkenne ich, ob mein Kind internetabhängig ist? 0 Eine klare Diagnose kann nur von Ärzten gestellt werden. Von einer Abhängigkeit bei Jugendlichen zu sprechen ist oft schwierig. Dennoch gibt es Anhaltspunkte. Für ein problematisches Nutzungsverhalten müssen hierbei nicht alle Punkte zutreffen bzw. sind diese unterschiedlich zu gewichten. Einige Anzeichen können auch einen anderen Hintergrund haben. Außerdem muss das Verhalten über einen längeren Zeitraum (12 Monate) gezeigt werden, sodass man eine kritische oder exzessive Nutzung von einer Phase des Kindes (Sommerferien, Hype eines Spiels) unterscheiden kann. Anhaltspunkte können sein: Beschäftigt es sich oft, auch gedanklich, mit dem Spielen? Auch, wenn Ihr Kind gerade andere Dinge macht? Wirkt Ihr Kind nervös, gereizt oder depressiv, wenn es keinen Zugang zu den Spielen hat? Zieht sich Ihr Kind bewusst aus der Familie zurück und möchte es lieber Zeit alleine oder mit Freunden verbringen, um zu spielen? Vernachlässigt Ihr Kind andere Interessen oder Hobbys? Verzichtet Ihr Kind auf Mahlzeiten, um spielen zu können? Ist Ihr Kind aufgrund der Mediennutzung schlechter in der Schule geworden? Hat Ihr Kind stark zu- oder abgenommen? Ist Ihr Kind häufig übermüdet? Verbringt Ihr Kind trotz erkennbarer negativer Folgen immer mehr Zeit vor dem Bildschirm? Folgen können z.B. Sanktionen, Distanzierung der Freunde usw. sein. Nutzt Ihr Kind Smartphone, Computer, Konsole oder Internet vermehrt dazu, Gefühle wie Ärger oder Wut abzubauen oder Probleme zu verdrängen?

0 Informationen: Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und Eltern: 02541/ 7205-4200; Beratungsstelle für Menschen mit Suchtproblemen und Fachstelle für Suchtprävention: 02541/7205-4100; www.caritas-coesfeld.de

0 Informationen über Medienkonsum: www.schau-hin.info www.ins-netz-gehen.de www.klicksafe.de

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