Demonstranten feiern friedliches „Fest der Demokratie“ vor der Alten Amtmannei in Nottuln
650 Protest-Stimmen gegen die AfD

Kreis Coesfeld/Nottuln. Die Botschaften sind unmissverständlich. „Keine Stimme den Rechten“, prangt auf einem Banner, „EkelhAfD“ auf einem anderen. „Wenn AfD die Antwort ist, wie dumm war dann die Frage?“, gibt ein junger Mann mit seinem Plakat einen Denkanstoß und auf einem anderen heißt es ganz romantisch „Hass ist krass, Liebe ist krasser“. Rund 650 Demonstranten haben am Freitagabend auf dem Kastanienplatz in Nottuln friedlich gegen den AfD-Kreisparteitag nebenan in der Alten Amtmannei demonstriert und mit Musik, Lichtern und Reden ein „Fest der Demokratie“ gefeiert.

Samstag, 05.12.2020, 07:06 Uhr
Rund 650 Bürger haben unter Coronabedingungen gegen den Kreisparteitag der AfD in Nottuln demonstriert. Foto: Johannes Oetz

Weiße Punkte auf dem Boden des Kastanienplatzes und die Stiftstraße hoch deuten die einzuhaltenden Abstände an. Allmählich werden die Punkte von Demonstranten besetzt, während an der St.-Martinus-Kirche bereits eine ganze Flotte Traktoren parkt. 17 Uhr und von der AfD noch keine Spur. „Ich gehe fast nicht davon aus, dass die noch kommt“, meint ein junger Teilnehmer. Zwar soll sich seine Vermutung nicht bestätigen, denn nach und nach trudeln die Rechtspopulisten ein. Doch um halb sechs beläuft sich ihre Zahl auf rund zehn Personen aus dem Kreisverband „plus einige Gäste aus anderen Kreis- und Bezirksverbänden“, sagt der Notvorsitzende Martin Schiller vor Ort auf Nachfrage. Die Presse ist jedoch nicht zugelassen.

Draußen übt Moderatorin Anke Zandman mit den Teilnehmern unter Sambarhythmen spielerisch mit ausgestreckten Armen das Abstandhalten ein. Sie verweist auf die „Vielfalt der Vereine“, die sich beteiligt haben und damit dem Motto der Aktion „Nottuln schillert bunt“ gerecht werden.

Nottulns Bürgermeister Dr. Dietmar Thönnes fordert in seiner leidenschaftlichen Rede die Menge mit Willy Brandts Worten auf, „mehr Demokratie zu wagen“. Thönnes lehnt es ab, der AfD erneut die Opferrolle zuzugestehen, hätte man ihr die Alte Amtmannei als Versammlungsort verweigert. In seinem Plädoyer für die Demokratie betont Pfarrdechant Norbert Caßens, dass diese Staatsform „Zeit, Interesse, Energie, Tapferkeit, Unerschrockenheit, Demut des Zuhörens und einen langen Atem“, koste. Daher ruft er dazu auf, ein solches Fest der Demokratie künftig öfter zu feiern: „Wie wäre es am 9. Mai, dem Europatag?“

Immer wieder brandet Applaus aus der Menge auf – auch für die musikalischen Einlagen der Sambagruppe Nottuln, des Dudelsackspielers Ulf Georgiew sowie für die Auftritte von „Blues in Nottuln“ und „Blues Against Fascism“, die nach den Reden den Abend im wahrsten Wortsinn ausklingen lassen.

Die Polizei lobt indes das disziplinierte Verhalten der Demonstrationsteilnehmer im Hinblick auf Maskenpflicht und Abstandsgebot. „Und es ist alles friedlich geblieben“, freut sich Polizeisprecherin Britta Venker. Auch das befürchtete Verkehrschaos bleibt aus, wie Stefan Kohaus vom Nottulner Ordnungsamt feststellt, als die Landwirte mit ihren Traktoren gemächlich abreisen.

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