Jahresgespräch mit CDU-Bundestagsabgeordneten Marc Henrichmann
„Ich kandidiere gerne wieder“

Kreis Coesfeld. Wenn es nach ihm geht – gerne: Der hiesige Bundestagsabgeordnete Marc Henrichmann aus Havixbeck möchte bei den Bundestagswahlen in diesem Jahr gerne erneut als Kandidat antreten. „Die Arbeit in Berlin ist fordernd, aber macht mordsmäßig Spaß“, sagt er gestern im Jahrespressegespräch. „Außerdem gibt es noch ganz viel zu tun.“ In einem Schreiben an die rund 3000 Mitglieder der Kreis-CDU hat er seinen Wunsch bereits formuliert. Die Kandidatenaufstellung soll voraussichtlich im Februar oder März stattfinden. „Coronabedingt ist da ja sehr viel zu beachten“, sagt Henrichmann, der auch Vorsitzender der Kreis-CDU ist. Weitere Kandidaten für die CDU im hiesigen Wahlkreis 127 – zu dem neben dem Kreis Coesfeld auch einige Orte aus dem Kreis Steinfurt zählen – sind bislang nicht bekannt.

Donnerstag, 07.01.2021, 08:00 Uhr
Abstand ist inzwischen Corona-Alltag im Bundestag: Marc Henrichmann äußert sich in einer Fragestunde zum Thema Westfleisch. Foto: az

Zum Impfen sagte Henrichmann, dass er den europäischen Weg für richtig halte. Für einen bestimmten Impfstoff entscheiden können sich Bürger nicht. „Ausgeliefert wird das, was da ist.“ Die Impfstoffe funktionierten aber alle relativ ähnlich. Weniger die Verfügbarkeit hält er für das Problem als vielmehr die Impfskepsis in Teilen der Bevölkerung.

0 4200 Kilometer: Rund 4200 Kilometer war Henrichmann 2020 in seinem Wahlkreis zwischen Olfen und Nordwalde unterwegs. Das ist ein gutes Drittel weniger als 2019 – coronabedingt. „Natürlich lässt sich im Video-Chat vieles bereden. Ich vermisse aber sehr den persönlichen Austausch“, so Henrichmann.

0 Corona: Corona war auch für Henrichmann das bestimmende Thema in 2020. Viele Gespräche drehten sich darum für den CDU-Innenpolitikers sowohl im Wahlkreis als auch in Berlin. Pflegekräfte schilderten ihren Alltag. Unternehmer stellten Geräte zur Luftreinhaltung oder ihre Maskenproduktion vor. Berufstätige Eltern beschrieben Probleme bei der Kinderbetreuung. „Einige drängten darauf, Kindertagesstätten zu öffnen. Andere warnten aus Angst vor Infektionen vor diesem Schritt“, beschreibt Henrichmann die sehr unterschiedlichen Erwartungen an Politik. Mehr als 70 Debatten führte das Parlament zu Corona, 30 Beschlüsse wurden gefasst.

0 Landwirte: Intensiv sei der Austausch mit der Landwirtschaft gewesen, so Henrichmann, ob es nun um die Einreise von Saisonkräften im Frühjahr, die Bekämpfung der Schweinepest oder den „Schweinestau“ in den Ställen ging.

0 Westfleisch im Bundestag: Der Infektionsausbruch in der Großschlachterei Westfleisch in Coesfeld brachte dem Kreis Coesfeld im Mai eine Verlängerung des Lockdowns ein. „Die Branche hat immer wieder versprochen, für bessere Arbeitsbedingungen zu sorgen. Doch Selbstverpflichtungen haben nicht gereicht. Deshalb musste die Politik mit dem Verbot von Werkverträgen reagieren“, sagt Henrichmann. In einer Befragung der Bundesregierung im Mai wandte sich Henrichmann direkt an Bundeskanzlerin Merkel. „Es ist kaum vermittelbar, dass bei einem klar eingrenzbaren Infektionsgeschehen eine ganze Region unter Restriktionen leiden muss“, warb er für eine differenzierte Sichtweise.

0 Geld: „Ohne hartnäckiges Trommeln geht es nicht“, wirbt Henrichmann in Berlin für Projekte aus dem Wahlkreis. Die Mühe lohne sich. Henrichmann verweist auf Millionensummen, die der Bund überwiesen habe, so für die Sanierung der Schwimm- und Sporthalle in Olfen, für den Breitbandausbau in Havixbeck oder den Aufbau des Center for Literature auf Burg Hülshoff, für das Schloss Senden und die Coesfelder Tafel.

0 Klare AfD-Absage: „Zur Hälfte Extremisten und zur anderen Hälfte Extremistenfreundlich“, so Henrichmann über die AfD. „Null, gar nicht“, sagt er auf die Frage, ob mit ihm eine Annäherung zu machen sei. „Die AfD hat kein einziges Problem gelöst, auch nicht in der Pandemie.“ Er verurteile aber auch linke Gewalt wie in Hamburg, Leipzig-Connewitz oder im Dannenröder Forst. Es gebe keine „gute Gewalt“, sie sei immer abzulehnen.

0 Politische Bildung: „Da müssen wir noch besser werden“, meint Henrichmann, der auch als stellvertretendes Mitglied im Kuratorium der Bundeszentrale für politische Bildung mitarbeitet. Sein Ziel: mehr auf die Menschen zugehen, die politische Veranstaltungen nicht besuchen würden und nicht auf fundierte Informationen setzen. Besondere Defizite sieht auf rechter Seite.

Schwerpunkte:

0 Digitaler Ausbau: Gesetze für eine moderne, bürgernahe Verwaltung. „Wir müssen endlich den digitalen Turbo zünden“, forderte er im Oktober im Plenum. Mehr Tempo soll das „Registermodernisierungsgesetz“ bringen, über das im November erstmals beraten wurde und das einen Schwerpunkt seiner Arbeit 2021 bildet. Dabei geht es darum, dass Behörden leichter Daten untereinander austauschen können. Das soll für Bürger Behördengänge vereinfachen oder sogar überflüssig machen. Zum Beispiel, indem sie sich bei einem Umzug von zu Hause aus ummelden oder Anträge online stellen können. Datenschutzrechtlich allerdings nicht einfach machbar. Die Lösung sieht Henrichmann in einer eindeutigen Identifikationsnummer für jeden Bürger. „Um Verwechselungen auszuschließen.“

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