Breite Rückendeckung für Ascheberger
Waldmann soll nach Berlin

Kreis Coesfeld. Johannes Waldmann soll es machen: Die Wahlkreisdelegierten der SPD kürten den 32-jährigen Hauptschullehrer aus Ascheberg-Davensberg und Fraktionsvorsitzenden der Kreis-SPD am Sonntag in Appelhülsen zum Bundestagskandidaten für den hiesigen Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II. Mit 31 Jastimmen, drei Neinstimmen und zwei Enthaltungen. Stehender Beifall, ein strahlender Bundestagskandidat, der zuvor mit einer schnittigen Rede überzeugte. „Das ist ein gutes Ergebnis“, freut sich Waldmann.

Montag, 18.01.2021, 07:00 Uhr
Johannes Waldmann überzeugt mit einer schnittigen Rede, in der er den sozialen Fortschritt in den Mittelpunkt stellt. Foto: az

SPD-Unterbezirksvorsitzender und Landtagsabgeordneter André Stinka, der die Versammlung leitete, gratuliert: „Mit Johannes Waldmann können wir ein klares Signal für die Zukunft der SPD geben.“ Ein weiterer Kandidat meldete sich nicht. Somit tritt bei den Bundestagswahlen im September Johannes Waldmann für die SPD im hiesigen Wahlkreis Coesfeld-Steinfurt II an, zu dem der gesamte Kreis Coesfeld und die Gemeinden Altenberge, Laer und Nordwalde vom Kreis Steinfurt gehören.

„Die Zukunftschancen aller Jugendlichen endlich verbessern“, lautet Waldmanns Motto, der in seiner Rede das Thema sozialer Fortschritt hervorhob. Er wolle die „Spirale der Perspektivlosigkeit durchbrechen“, erklärt er. „Es treibt mich jeden Tag aufs Neue an, wenn ich erlebe, dass Kinder und Jugendliche aufgrund ihrer Herkunft schlechtere Chancen haben.“ Das erfahre er als Hauptschullehrer täglich. „Aus diesem Antrieb heraus mache ich Politik.“ Engagement spiele in seinem Leben eine große Rolle, erklärt Waldmann, der seit vielen Jahren in der Politik tätig ist und sich in mehreren Vereinen und Organisationen einbringt.

Auch die Corona-Krise treffe gerade die Schwächsten besonders hart. Deswegen werde die SPD dringend in der Regierung gebraucht, denn sie mache eine soziale Politik. Waldmann rief zum Zusammenhalt für die Demokratie, gegen Rechtsextremismus und AfD auf.

Die Corona-Impfung sieht der 32-Jährige als eine „zutiefst soziale Angelegenheit, weil wir so die Schwächsten in der Gesellschaft schützen“. Die SPD müsse in der emotionalen Impf-Frage „klar sein“.

Als Schlüsselstellen, wie es nach Corona weitergehen soll, sieht Waldmann Investitionen insbesondere in Bildung und digitaler Ausstattung. Der ÖPNV müsse weiter ausgebaut werden, so die Strecke Münster-Lünen, und alte Strecken reaktiviert werden, wie Bocholt-Borken-Coesfeld und Coesfeld-Burgsteinfurt-Rheine. Der Mindestlohn muss nach Waldmanns Ansicht auf 12 Euro rauf und investiert werden soll weiter in Windenergie und in Wassertoff, den Waldmann als Zukunftstechnologie betrachtet. Und „Schüler, die sich für eine berufliche Ausbildung entscheiden, haben den gleichen Respekt verdient wie alle anderen auch.“

Nach rund 45 Minuten war die Versammlung Geschichte – es galten strenge behördliche Coronaauflagen, auch, was die Zeit angeht. Damit dürfte wohl eine der kürzesten Wahlversammlungen der SPD im Kreis Coesfeld stattgefunden haben. Weitere Reden wurden nicht geschwungen. „Anders als einen Parteitag müssen wir wegen des Wahlrechts allerdings die Veranstaltung vor Ort durchführen“, erklärt Stinka. 36 der 55 Delegierten waren nach Nottuln-Appelhülsen gekommen. Dass es nicht mehr waren, hatte wohl auch mit der Coronasituation zu tun. Sie konnten die Veranstaltung zu Hause über einen Livestream verfolgen, durften aber nicht wählen.

Stinka rief die Genossen dazu auf, sich vor dem Hintergrund der Coronasituation für ein gesellschaftliches Zusammenhalten stark zu machen. Solidarität sei gefragt.

Zeitgleich hielt die Bundes-CDU ihren Parteitag mit den Vorsitzendenwahlen ab. „Laschet ist für höhere Aufgaben nicht zu gebrauchen“, stichelt Stinka gegen den NRW-Ministerpräsidenten. Das erlebe er im Landtag immer wieder. Egal, wen die CDU als Kanzlerkandidat ins Rennen schicke, „mit Olaf Scholz fahren wir gut“, meint der Dülmener.

Johannes Waldmann

Johannes Waldmann ist 32 Jahre alt, lebt in Ascheberg-Davensberg. Seit 2015 ist er Lehrer einer Hauptschule. Seit 2005 Mitglied der SPD. Acht Jahre bis 2020 Vorsitzender der SPD Ascheberg und im Rat aktiv. Seit 2014 ist er als Kreistagsabgeordneter tätig; seit November 2020 Fraktionsvorsitzender der Kreis-SPD. Waldmann spielt Trompete und ist bei den Davensberger Turmbläsern aktiv.

Der Weg in den Bundestag

Welche Chancen Johannes Waldmann bei den Bundestagswahlen im September hat, hängt maßgeblich von seinem Reservelistenplatz ab. Neben direkt gewählten Kandidaten ziehen über die Liste weitere Kandidaten ein. Je weiter vorne ein Kandidat steht, je größer seine Chancen für Berlin. Die Landesliste legt die NRW-SPD am 24. April fest. Der letzte SPD-Bundestagsabgeordnete des hiesigen Wahlkreises Coesfeld – Steinfurt II war Ulrich Hampel (2013 bis 2017). Bei der Bundestagswahl 2017 trat er erneut an und scheiterte knapp. Er stand auf einem recht guten 19. Platz der Landesliste, der aber wegen des schlechten Ergebnisses der SPD in NRW nicht mehr zog. Das hatte zur Folge, dass es aus dem Kreis Coesfeld aktuell keinen SPD-Bundestagsabgeordneten mehr gibt. Vor Ulrich Hampel war Dr. Angelica Schwall-Düren seit 1994 die SPD-Bundestagsabgeordnete des hiesigen Wahlkreises.

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