Steigende Corona-Infektionen im Kreis Coesfeld
„Ernster Zustand“ in Krankenhäusern

Kreis Coesfeld. Die Coronainfektionen steigen im Kreis Coesfeld – und auch die Anzahl der Patienten, die ins Krankenhaus müssen.

Donnerstag, 15.04.2021, 07:01 Uhr aktualisiert: 15.04.2021, 07:10 Uhr
Die steigenden Infektionszahlen im Kreis Coesfeld sorgen auch für mehr Krankenhauseinlieferungen von Covid-19-Patienten. Sie sind deutlich länger in Behandlung als noch vor einem Jahr. Foto: Archiv

„In den letzten Tagen werden unsere bislang freien Kapazitäten zunehmend in Anspruch genommen“, sagt Dr. Jan Deitmer, Geschäftsführer der Christophorus Kliniken mit Standorten in Coesfeld, Dülmen und Nottuln. „Diese Entwicklung betrachten wir mit großer Sorge, da wir davon ausgehen müssen, dass sich dieser Trend fortsetzen wird.“ Deitmer spricht von einem „ernsten Zustand“.

In den Christophorus Kliniken werden aktuell 17 Covid-Erkrankte behandelt, davon sechs intensivmedizinisch. Zurzeit werden 23 Betten auf den Intensivstationen vorgehalten.

Nicht nur die Zahlen steigen: „Gleichzeitig stellen wir fest, dass die Patienten aktuell deutlich länger in Behandlung sind als noch vor einem Jahr“, erläutert Deitmer. In weiten Teilen Deutschlands gibt es bereits eine schwierige Versorgungslage. „Das haben bisher die niedrigeren Inzidenzen im Kreis Coesfeld verhindert. Nun hat sich die Situation auch bei uns verändert und verschärft“, so Deitmer.

Auf die schwieriger werdende Versorgungssituation sei von Fachgesellschaften und Intensivmedizinern deutlich hingewiesen worden. „Hilfreich ist, alles zu tun, was weitere Ansteckungen verhindert“, sagt Deitmer. Selbst wenn sich ab heute niemand mehr ansteckte, würde die Belegung in den Krankenhäusern und auch die Belegung auf den Intensivstationen noch wenigstens zwei bis drei Wochen weiter ansteigen.

Im St. Marien-Hospital Lüdinghausen sind nach Auskunft des Ärztlichen Direktors, Dr. Jörg Siebert, noch ausreichend Kapazitäten sowohl auf der Infektionsstation als auch auf der Intensivstation vorhanden. „Die Intensivstation ist wechselnd stark belegt, mit Auslastungsraten zwischen 50 und 75 Prozent. Allerdings handelt es sich um Nicht-Covid-19-Fälle. Intensivpflichtig behandeln wir zur Zeit keinen Covid-19-Patienten“, so Siebert. Sorgen bereitet ihn die Personalsituation. „Es besteht bei den Fachkräften, die die Covid-19-Patienten auf Intensiv- und Infektionsabteilungen versorgen, ein Engpass. Bei steigenden Zahlen von an Covid-19-Erkrankten wird es deshalb erforderlich werden, diese aus anderen Versorgungsbereichen abzuziehen.“ Dies sei für die Versorgung der dort untergebrachten Patienten schmerzhaft. Ein absehbarer Mangel zeige sich vielleicht auch bei speziellen Geräten, die für die Versorgung schwerstkranker Menschen benötigt werden, bei denen die künstliche Beatmung allein für eine sichere Sauerstoffversorgung nicht mehr ausreicht. Eine solche Situation betreffe aber nicht das St. Marien-Hospital Lüdinghausen, da derartige Geräte nur in Kliniken der höchsten Versorgungsstufe zum Einsatz kommen.

Die Patienten beider Krankenhäuser kommen überwiegend aus dem Kreis Coesfeld und zum Teil aus angrenzenden Kreisen.

Bei den Christophorus Kliniken wurden in der ersten Welle der Pandemie schwer erkrankte Covid-19-Patienten vor allem am Standort Dülmen versorgt. Seit Sommer 2020 werden Patienten an allen drei Standorten – Coesfeld, Dülmen und Nottuln – behandelt. Entscheidend für den geeigneten Standort seien die Beschwerden und Begleiterscheinungen, so Deitmar. Alle drei Standorte hätten dafür separate Bereiche eingerichtet.

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