Vortragsreihe zum Thema Kirche und Staat
Reformatoren setzen auf fruchtbares Miteinander

Tecklenburger Land -

„Die Kirche ist nicht Politik, aber sie wirkt sich positiv aus auf die Politik“, sagt Hans Werner Schneider beim Auftakt zur Vortragsreihe des Evangelischen Kirchenkreises Tecklenburg. Unter dem Titel „Luther, Calvin und die Politik – politische Grundentscheidungen seit der Reformation“ referierte der Altsuperintendent über das Verhältnis von Staat und Kirche in der Theologie der Reformatoren Martin Luther und Johannes Calvin.

Dienstag, 18.03.2014, 20:21 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.03.2014, 20:21 Uhr

Er definierte dieses Verhältnis grundsätzlich als „Beziehungsmodell“. Somit hätten die Reformatoren keine strikte Trennung von Staat und Kirche vor Augen gehabt und ebenfalls keine Übereinstimmung beider Pole, sondern ein fruchtbares Miteinander. Für Martin Luther und Johannes Calvin seien die Aufgaben von Staat und Kirche verschieden gefüllt: Luther habe zwischen einem „geistlichen Regiment“ und einem „weltlichen Regiments“ Gottes unterschieden. Mit dieser Lehre habe der Wittenberger Reformator der Kirche und dem Staat jeweils eigene Wirkungsbereiche und damit zugleich auch Grenzen zugewiesen.

In der Praxis habe Martin Luther, so Hans Werner Schneider, Missbrauch durch die staatliche Obrigkeit für möglich gehalten und davor gewarnt: „Herren dürfen nicht zu Mastsäuen werden, die sich selber mästen“. Dass es im Verlauf der Reformation zu einem „Landesherrlichen Kirchenregiment“ gekommen ist, dürfe nicht dem Reformator angelastet werden, der die Landesherren als „Notbischöfe“ verstanden habe, die in der reformatorischen Kirche für stabile Strukturen zu sorgen hatten.

Johannes Calvin habe als Reformator der zweiten Generation und zudem in der Situation einer städtischen Gesellschaft in Genf sehr viel konkreter über eine protestantische Haltung zur Politik nachdenken müssen. Grundsätzlich habe aber auch er an einer Trennung der Zuständigkeitsbereiche von „Bürgergemeinde“ und „Christengemeinde“ festgehalten. Wichtig war für Calvin die Betonung der gemeinsamen Verantwortung aller Bürger für Kirche und Gesellschaft. Zudem habe Calvin wichtige Impulse zu den Themen Gerechtigkeit, Zinsen und Armenfürsorge gegeben, erläuterte Schneider.

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