Globus-Abzeichen für Hermann Kuhrmann
In 50 Jahren um die Welt

Telgte -

Im Jahr 1961 lernte Hermann Kuhrmann seine spätere Frau Heide kennen. „Beim Anpaddeln auf der Ems“, erinnert sich die Gattin mit einem Schmunzeln. Es waren die Anfänge für zwei große Leidenschaften – die zwischenmenschliche und die fürs Kanufahren. Heute, 53 Jahre nach den ersten gemeinsamen Paddelschlägen, hat Hermann Kuhrmann als erster Telgter das Globus-Abzeichen des Deutschen Kanu-Verbandes für 40 000 Kilometer Wegstrecke verliehen bekommen.

Dienstag, 18.03.2014, 06:40 Uhr
Veröffentlicht: Dienstag, 18.03.2014, 06:40 Uhr

1962 lieh sich Kuhrmann mit seiner Heide das erste Mal gemeinsam ein Boot aus. Aus diesem Jahr stammen auch die ersten Aufzeichnungen seiner Kilometeraufstellung. 115 Kilometer stehen für das damals frisch verliebte Paar zu Buche.

„1963 war ich dann bei der Bundeswehr , da habe ich Heide gefragt, ob wir uns ein Boot kaufen oder uns verloben sollen“, erzählt Kuhrmann lachend. Es wurde zunächst das Boot.

Schließlich aber gelangen Verlobung und Hochzeit doch noch. Aus der Ehe gingen zwei Töchter hervor. „Mit denen sind wir immer paddeln gefahren“, sagt Kuhrmann und kramt zugleich in seinen Erinnerungen. 18 Jahre war er Wanderwart des Paddelclubs Telgte : „Mitte der Siebziger muss das angefangen haben.“ Damals seien noch kaum Flüsse in Deutschland gesperrt gewesen, wie es heute der Fall ist. Die ersten Kunststoffboote ersetzten die bis dahin üblichen Faltboote: „Eine tolle Zeit“, schwärmt Kuhrmann beim Blick auf seine zwölf Fahrtenbücher, ihn die er seit über 50 Jahren akribisch jede Fahrt notiert.

Die Anekdoten, die er von seinen Ausflügen erzählen kann, sind beinahe ebenso endlos wie die Flüsse, die Hermann Kuhrmann mit seinem Kanu befahren hat. Wie er einst eine Tour mit Ordensschwestern machte, berichtet der ehemals am Rochus-Hospital Angestellte. Oder wie er lange Jahre mit einem blinden Freund auf Tour ging. Nicht im Tandemboot, sondern in zwei Einer-Kanus. Dabei steuerte Kuhrmann seinen Begleiter nur über Kommandos. „Eine tolle Zeit war das“, wiederholt er.

Aber auch von seinen Touren in Frankreich, Österreich, Tschechien, der Schweiz, Italien und Luxemburg erzählt er. So viele schöne Ziele, aus denen vielleicht eins heraussticht. Es muss um 1990 gewesen sein, als Kuhrmann mit einigen Begleitern mit dem Boot durch Straßburg paddelte. „Das war das Tollste überhaupt“, steht ihm die Freude daran noch heute ins Gesicht geschrieben. An die fabelhafte Altstadt und wie man schließlich am Europaparlament eine Brotzeit einlegte.

Doch so weit muss es für Hermann Kuhrmann gar nicht gehen. Seitdem er in Rente ist und noch mehr Zeit für sein Hobby hat, steigt er fast täglich ins Kanu. „Den Sport kann man sehr lange machen“, sagt er und präzisiert schmunzelnd: „Ins Boot rein kommt man immer, nur raus wird irgendwann problematisch.“ Hermann Kuhrmann aber denkt trotz seiner bald 72 Jahre nicht ans Aufhören. Paddeln hält ihn, in Kombination mit der morgendlichen Gymnastik, fit.

Rund 14 Millionen Paddelschläge, so hat Kuhrmann grob errechnet, muss er für seine 40 000 Kilometer Wegstrecke ins Wasser gepflügt haben. Doch wofür all die Mühen? Abermals bekommt der Telgter einen beseelten Gesichtsausdruck, als er sagt: „Wenn man Auto oder Fahrrad fährt, dann muss man immer auf den Verkehr achten. Im Kanu ist das nicht so. Da kann man mitten in der Natur dahingleiten, ohne sich um irgendwas Gedanken machen zu müssen.“ Paddelschlag um Paddelschlag – einmal um die Welt.

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