Besuch bei der Tagespflege
Ein Gefühl der Sicherheit

Warendorf -

Seit einigen Wochen betreibt das Malteser-Marienheim im Franziskaner-Kloster eine Tagespflege. Wie funktioniert so etwas? Wie ist der Tagesablauf? Die Westfälischen Nachrichten durften einen Blick hinter die Kulissen werfen.

Montag, 10.03.2014, 10:00 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 10.03.2014, 10:00 Uhr

Der Tag in der Tagespflege im Franziskanerkloster beginnt zwischen 8 und 8.30 Uhr. Manche Gäste werden von Angehörigen gebracht, andere vom Fahrdienst abgeholt. Ist die Gruppe vollzählig, wird gemeinsam der Frühstückstisch gedeckt. Ein gründlicher Blick in die Tageszeitung darf dabei nicht fehlen. Man möchte ja auf dem Laufenden bleiben.

Typischerweise steht nun eine Gruppenstunde mit Gesprächen und Gedächtnistraining in Form von Rätseln und Frage-Antwort-Spielen an. Die Betreuer achten darauf, Themen zu wählen, mit denen die Gäste in ihrer Vergangenheit in Berührung gekommen sind. Das schafft ein Gefühl von Sicherheit und gibt ihnen die Möglichkeit, selbst etwas zur Unterhaltung beizusteuern.

Mittlerweile meldet sich der Magen: Es wird Zeit fürs Mittagessen! Manchmal kochen Betreuer und Gäste gemeinsam. Jeder kann sich so einbringen, wie er möchte, zum Beispiel Kartoffeln schälen.

Je nach Gewohnheit können sich die Gäste während der Mittagsruhe zurückziehen. Später trifft man sich wieder im Gemeinschaftsraum zum Kaffee. Manchmal wird dafür der Kuchen gemeinsam gebacken. Nach einer kurzen Leserunde geht es zwischen 16 und 16.30 Uhr wieder nach Hause.

Solch ein geregelter Tagesablauf ist äußerst wichtig. Feste Essenszeiten sorgen für Struktur und Sicherheit, gerade bei Menschen mit Demenz unerlässlich. Auch ansonsten tut das Team aus Betreuern rund um Hausleiterin Gabriele Reiß alles, um den Gästen ein Gefühl von Sicherheit und Vertrautheit zu geben. „Biografieorientiertheit“ heißt das Stichwort. Die eigene Vergangenheit spielt bei der Pflege eine zentrale Rolle. „Oft sind die Menschen stark in der Vergangenheit verankert. Dort fühlen sie sich sicher und können mitreden“, erklärt Reiß. Aus diesem Grund sind Spiele und Rätsel sind auf die einstige Lebenswirklichkeit abgestimmt. So gibt es ein Memoryspiel mit typischen Berufen. Bei der Gesprächsrunde über „Mode“ schmücken eine antike Nähmaschine und Kleidungsstücke den Tisch und liefern einen Ansatz für die Konversation. Auch die gemütlichen Räumlichkeiten im alten Franziskanerkloster, mit dem viele ältere Warendorfer stark verbunden sind, haben etwas Besonderes. Die kleine Gruppe mit höchstens zehn Gästen trägt zur familiären Atmosphäre bei. Nicht nur, weil die Betreuer Zeit haben, auf den Einzelnen einzugehen, sondern auch, weil sich die Gäste untereinander besser kennen. „Mittlerweile haben sich richtige Freundschaften entwickelt. Da wird gemeinsam überlegt, ob man zur Messe geht oder nicht. Solche Unterhaltungen zu hören, ist schön“, freut sich Betreuerin Hedwig Giesecke-Wallukat .

Tatsächlich fühlen sich in der Gruppe alle so wohl, dass auch die, die eher skeptisch mit einem Tag in der Woche in die Tagespflege einsteigen, das Angebot der Malteser bald gerne öfter in Anspruch nehmen. Künftig wird es durch den Garten eine direkte Anbindung zum Marienheim geben, an dessen Veranstaltungen die Tagesgästeteilnehmen können.

Tagespflege wird im Rahmen der Vorstationären Pflege momentan stark ausgebaut. Sie ist eine Lösung für Familien, die ihre Angehörigen gerne zuhause versorgen möchten, dies aber nicht ständig leisten können.

Für viele Menschen sei der Einstieg in die Pflege mit Ängsten und Unsicherheit verbunden, weiß Gabriele Reiß. Das möchte man den Betroffenen, Pflegebedürftigen wie Angehörigen, nehmen. Auch finanziell seien Sorgen meist unnötig: Bis auf eine moderate Zuzahlung übernehme die Pflegekasse die Leistungen. „Am besten einfach zu einem Beratungstermin vorbeikommen. Wir freuen uns!“, macht Gabriele Reiß Mut.

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