Transport
Duisburger Hafen: Neue Seidenstraße statt Kohle und Stahl

Die neue Seidenstraße führt bereits nach Duisburg. Rund 35 Züge verkehren pro Woche zwischen dem Hafen am Rhein und chinesischen Industriegebieten. Der Hafengesellschaft reicht das nicht.

Mittwoch, 03.04.2019, 15:07 Uhr aktualisiert: 03.04.2019, 15:22 Uhr
Container werden im Containerterminal von Logport im Duisburger Hafen auf die richtigen Positionen gebracht. Foto: Roland Weihrauch

Duisburg (dpa/lnw) - Der Duisburger Hafen wird immer mehr zur Drehscheibe für einen Teil des Handels zwischen China und der Europäischen Union. Derzeit verkehren pro Woche etwa 35 Güterzüge zwischen der Stadt am Rhein und verschiedenen Zielen in China, wie der Vorstandsvorsitzende der Duisburger Hafen AG, Erich Staake, am Mittwoch bei der Bilanzpressekonferenz berichtete. Rund 30 Prozent des gesamten Handels per Güterzug zwischen China und Europa würden bereits über den Duisburger Hafen abgewickelt. Das China-Geschäft sei «das wichtigste Wachstumssegment für Duisburg», sagte Staake. «Das wollen wir natürlich ausbauen.»

Der nach eigenen Angaben größte Binnenhafen der Welt setzt auch deshalb auf China, weil sein klassisches Geschäft schrumpft. Im vergangenen Jahr ging der Güterumschlag, auch wegen des monatelangen Niedrigwassers im Rhein, um rund 3 Millionen Tonnen auf 68,3 Millionen Tonnen zurück. Die Kohlelieferungen würden als Folge der Energiewende weiter sinken, beim Stahl würden schon jetzt nur noch rund 50 Prozent der früheren Mengen umgeschlagen, sagte Staake. Der Containerumschlag sei dagegen auf Rekordniveau geblieben.

Der Umsatz der Duisport-Gruppe stieg dennoch um 11,6 Prozent auf knapp 279 Millionen Euro, der Jahresüberschuss erhöhte sich um 4,3 Prozent auf 12,2 Millionen Euro. Der Umsatzzuwachs resultierte vor allem aus dem Zukauf eines Logistik-Dienstleisters. Das laufende Jahr werde dagegen schwierig, sagte Staake. «Uns stehen raue Zeiten bevor.» Als Gründe nannte er die Eintrübung der Weltkonjunktur und die Unsicherheiten durch den Brexit.

Schon seit 2011 fahren regelmäßig Güterzüge zwischen der chinesischen Industriemetropole Chongqing und Duisburg. Es ist die älteste Zugverbindung im Rahmen der Seidenstraßeninitiative «Belt & Road». 2014 stattete sogar der chinesische Staatspräsident Xi Jinping dem Duisburger Hafen einen Besuch ab. Vom China-Geschäft profitiert aber nicht nur der Hafen. Nach Angaben der Duisburger Wirtschaftsförderung sind inzwischen über 100 chinesische Unternehmen in Duisburg vertreten, vor allem aus der Logistik, dem Export-Import-Geschäft sowie dem E-Commerce.

Noch verläuft der Warenaustausch über die Schiene vor allem in Ost-West-Richtung. Rund zwei Drittel der mit dem Zug transportierten Waren kämen von China nach Europa, heißt es bei DHL Freight. Aus Chongqing werden nach Angaben der Duisburger Hafengesellschaft vor allem Elektrogeräte und Bauteile von dort ansässigen Elektronikkonzernen importiert.

Neben den erheblichen Subventionen der chinesischen Regierung für die Züge ist nach Einschätzung von Staake noch der instabile Zugverkehr ein Grund dafür, dass nicht mehr europäische Firmen Waren mit dem Zug nach China schicken. Es gehe auf Dauer nicht, dass die Fahrzeit «mal 15 Tage und mal 20 Tage» betrage. Wenn es gelinge, die Fahrzeit eines Zuges auf 10 Tage zu senken, «dann wird es plötzlich interessant, die teure Luftfahrt durch Züge zu substituieren», sagte Staake. Der Duisburger Hafen beteilige sich deshalb mit Partnern am Aufbau eines Logistikparks in Weißrussland, der für eine schnellere Abwicklung sorgen solle.

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