Verkehr
Lokführer-Mangel: Unternehmen planen gemeinsame Ausbildung

Lokführer fehlen. Die vielen Eisenbahnunternehmen in NRW suchen händeringend Bewerber. Seit einiger Zeit kämpfen sie weniger gegen- und mehr miteinander. Das zeigt erste Wirkung.

Sonntag, 02.06.2019, 10:20 Uhr aktualisiert: 02.06.2019, 10:32 Uhr
Ein Lokführer steuert einen InterCityExpress (ICE). Foto: Jan Woitas

Unna/Düsseldorf (dpa/lnw) - Fast 200 Tage dauert es im Schnitt, um eine freie Lokführerstelle zu besetzen: Bei der mühsamen Suche nach Lokführern wollen die Eisenbahnunternehmen in NRW daher enger zusammenrücken. Unter Federführung des Verkehrsministeriums in Düsseldorf haben zehn Unternehmen weitere Schritte vereinbart, Lösungen über Unternehmensgrenzen hinweg zu finden. Das sagte Barbara Tünnemann, Sprecherin der gemeinsamen Initiative Fokus Bahn NRW, der Deutschen Presse-Agentur.

Geplant seien Testläufe für betriebsübergreifende Ausbildungskurse sowie gemeinsame Konzepte für Paten-Programme, um die hohen Abbrecherquoten bei den Azubis zu senken. Geprüft werde derzeit auch, ob eine stabile, landesweite Arbeitsplatzgarantie ein möglicher Ansatz sein könne, den perspektivisch stets steigenden Personalbedarf zu decken. Vereinbart ist bereits, dass abwerbende Unternehmen künftig die Ausbildungskosten erstatten.

Die Zeit drängt: Laut Initiative werden in den kommenden zwei Jahren rund 500 Lokführer fehlen. Bei den Kundenbetreuern und Zugbegleitern sei die Lage ähnlich. Bis 2027 werden 40 Prozent der heute bei den Verkehrsunternehmen Beschäftigten in Rente gehen, heißt es in einem Konzeptpapier. Hinzu komme, dass der hohe Wettbewerbsdruck und die anstehenden Betreiberwechsel den ohnehin engen Arbeitsmarkt zusätzlich unter Druck setzten. Schon jetzt brauche es 197 Tage, um eine Stelle neu zu besetzen.

Im Januar hatte Fokus Bahn NRW eine gemeinsame Werbe-Kampagne für die Bahnjobs gestartet. «Das zeigt bereits Wirkung. Die Bewerberzahlen bei einigen Unternehmen gehen rauf», sagte Tünnemann. Schon lange aktive Eisenbahnunternehmen hätten es dabei tendenziell leichter als neue Wettbewerber. Auch die Internetseite der Kampagne stoße auf reges Interesse: In den ersten 100 Tagen seien die Stellenanzeigen dort 30 000 Mal geklickt worden.

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