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Piratenprozess in Dortmund: «Ich war nur der Koch»

Ein 41-jähriger Somalier soll an einem Piratenüberfall auf einen griechischen Öltanker beteiligt gewesen sein. Zu Prozessbeginn in Dortmund gibt er zu, dass er auf dem Schiff war. Aber nur, um zu kochen.

Mittwoch, 05.06.2019, 16:16 Uhr aktualisiert: 05.06.2019, 16:22 Uhr
Der Eingangsbereich des Landgerichts in Dortmund. Foto: Bernd Thissen

Dortmund (dpa/lnw) - Das Geiseldrama dauerte zehn Monate. Erst nach Zahlung eines Lösegeldes von 13 Millionen Dollar wurde die Besatzung der «Smyrni» im März 2013 von ihren Entführern freigelassen. Seit Mittwoch beschäftigt die Geschichte des griechischen Rohöltankers, der im Mai 2012 am Horn von Afrika in die Fänge somalischer Piraten geraten war, das Dortmunder Landgericht. Auf der Anklagebank soll einer der Entführer sitzen.

Der 41-Jährige ist klein, schmächtig und fingert fast ununterbrochen an seiner Gebetskette herum. 2014 war er nach Deutschland gekommen, um hier einen Asylantrag zu stellen. Zweimal wurde dieser bisher abgelehnt, doch die Klage dagegen läuft immer noch. Zuletzt hatte sich der Somalier in Hamm aufgehalten. Ende 2018 wurde er jedoch von einem mutmaßlichen Piraten-Komplizen verraten und geriet ins Visier der Ermittler. Seitdem sitzt der Mann in Untersuchungshaft - und landete jetzt ausgerechnet in Dortmund vor Gericht.

Zu Prozessbeginn lässt der Somalier seinen Verteidiger Martin Mauntel eine Erklärung verlesen. «Ein Teilgeständnis» solle das sein, sagt der Anwalt vorweg. Der Somalier behauptet, er habe 2013 in Somalia als Koch in einem Restaurant gearbeitet, als irgendwann drei Männer einer Miliz gekommen seien. Diese hätten ihm 400 Dollar monatlich angeboten. «Zu der Zeit habe ich in dem Restaurant gerade mal einen Dollar pro Tag verdient», heißt es in der Erklärung. Der Angeklagte habe das Angebot angenommen und sei zu dem bereits entführten Tanker gebracht worden. Dort habe er drei Monate lang für die Geiseln und die Besatzung gekocht. «Ein Sturmgewehr hatte ich nie», erklärte Verteidiger Mauntel für seinen Mandanten weiter. Und: «Ich war auch nie für die Bewachung der Geiseln zuständig.»

Zwei weitere Piraten sind in Deutschland bereits für den Fall «Smyrni» verurteilt worden. Einer zu zweieinhalb Jahren Jugendstrafe, der andere zu sieben Jahren Haft. «Je nach Art, Dauer und Umfang der Beteiligung dürften wir hier irgendwo dazwischen landen», kündigte Richter Thomas Kelm am Mittwoch nach einem Rechtsgespräch an. Es geht um eine Strafe zwischen vier und fünf Jahren.

Das Schicksal der 26-köpfigen Besatzung hatte nach der Entführung des Tankers für große Anteilnahme gesorgt. Eine Gruppe Piraten hatte das mit 135 000 Tonnen Rohöl beladene Schiff vor der Südostküste des Oman mit Sturmgewehren beschossen und schließlich die Schutzmaßnahmen aus Stacheldraht und Schläuchen überwunden. Danach war der Tanker an die somalische Küste gebracht worden. Der Piratenführer «Star» soll später regelmäßig mit der Exekution von Crewmitgliedern gedroht haben. Zwei Personen mussten schon ihre Familien anrufen und sich verabschieden.

Der Prozess am Dortmunder Landgericht könnte nach dem Teilgeständnis schneller zu Ende gehen als ursprünglich gedacht. Die Richter gehen von einem Urteil im Juli aus.

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