Lebensmittel
«Auslastung an der Schmerzgrenze»: Immer weniger Metzgereien

Steigender Umsatz, stabiler Fleischverzehr und Trend zu regionalen Produkten. Den Metzgereien in NRW könnte es nicht besser gehen. Doch ihre Zahl sinkt.

Montag, 01.07.2019, 06:51 Uhr aktualisiert: 01.07.2019, 07:02 Uhr
Würstchen hängen in der Colligs Metzgerei. Foto: Rolf Vennenbernd

Essen (dpa/lnw) - Am 13. Juli geht bei Mark Schoppe die letzte Wurst über die Theke. Dann wird der Metzger aus Essen seinen Traditionsbetrieb - die Metzgerei Colligs - nach 86 Jahren dicht machen. So wie ihm geht es immer mehr Fleischern in Nordrhein-Westfalen. Während 2008 noch 2317 Betriebe Fleisch verkauften, waren es im vergangenen Jahr laut Deutschem Fleischer-Verband nur noch 1644 - knapp ein Drittel weniger.

Grund ist der Mangel an Nachwuchskräften und die wachsende Bürokratie. «Die Auslastung liegt an der Schmerzgrenze», sagt der Sprecher des Deutschen Fleischer-Verbands, Gero Jentzsch. Beispiel Verpackungen: Metzger müssen demnach Plastikfolien, die sie um Präsentkörbe wickeln, bei einer zentralen Stelle registrieren. Regelungen wie diese zielten zwar auf die großen Unternehmen ab, belasten aber vor allem die kleinen Metzger, berichtet Jentzsch.

Auch die Konkurrenz durch die Supermärkte setzt dem Metzgerhandwerk zu. In Familien sind immer öfter Mann und Frau berufstätig. Deshalb können viele erst nach Feierabend einkaufen. Dann haben die meisten Metzger allerdings schon zu. «Mit diesen Öffnungszeiten können die Metzger nicht mithalten», betont Jentzsch. Um länger öffnen zu können, müssten die Metzger mehr Personal einstellen. Ein Problem laut dem Verband dabei: Die Frauen, die überwiegend hinter der Theke stehen, arbeiten oft in Teilzeit, um die andere Hälfte des Tages die eigene Familie versorgen zu können. Viele wollten in den Randzeiten deshalb nicht arbeiten.

Dabei geht es der Branche eigentlich nicht schlecht. Im Schnitt essen die Deutschen laut Fleischer-Verband, wie in den Jahren zuvor, pro Jahr und pro Person rund 60 Kilo Fleisch. Die Umsätze in der Branche steigen sogar. Viele Verbraucher setzen auf regionale Produkte und bezahlen mehr dafür - eigentlich ein Vorteil für die Metzgereien.

Trotzdem wird Mitte Juli bei Schoppe Schluss sein. Zuvor hatte die «Neue Ruhr Zeitung» («NRZ», Donnerstag) darüber berichtet. Der Geschäftsführer findet keinen Nachfolger für seine Metzgerei. Außerdem ärgert den 49-Jährigen die «Kontrollsucht des Staates», wie er es sagt. Immer wieder gebe es neue Richtlinien, wie die Datenschutzgrundverordnung, doch niemand erkläre den kleinen Betrieben, wie sie damit umgehen müssten.

Eigentlich bräuchte die Essener Metzgerei Colligs eine Sanierung. Dazu müsste Schoppe aber laut seinen Angaben rund 350 000 Euro in den Betrieb mit acht Beschäftigten investieren. Doch das lohne sich angesichts seiner restlichen Berufsjahre nicht. Schoppe wird ab Mitte Juli dann lediglich seinen Partyservice weiter betreiben.

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