Touristenwohnungen statt Hotels
Urlaub unter dem Radar

Düsseldorf/Münster -

Lieber eine Wohnung als ein Hotelzimmer. Dass Urlauber immer öfter ihre Bleibe über Internetportale wie Airbnb buchen, sehen sowohl Mieterbund als auch Hoteliers mit wachsender Sorge. Zwischen 3000 und 3900 Wohnungen werden laut NRW-Mieterbund allein in Düsseldorf so angeboten. Eine Abfrage für Münster wirft rund 875 Angebote vom WG-Zimmer bis zur Wohnung aus, in Bielefeld sind es mehr als 1000. 

Montag, 22.07.2019, 13:16 Uhr aktualisiert: 22.07.2019, 20:52 Uhr
Blick in eine zweckentfremdete Ferienwohnung. Foto: Britta Pedersen

Im Gastgewerbe sieht man sich neuen Konkurrenten in einem unfairen Wettbewerb gegenüber, wie Giuseppe Saitta vom Hotel- und Gaststättenverband NRW (Dehoga) am Montag in Düsseldorf beklagte. Denn während Hotels mit viel Personal die geforderten Standards bei der Anmeldung der Gäste, bei Hygiene, Brandschutz oder der Bettensteuer einhalten, liefen die Vermietungen über Portale der Share Economy „unter dem Radar“. Bei mehr als 3000 Wohnungen und etwa 290 000 Übernachtungen im Jahr würden über Airbnb in Düsseldorf pro Jahr rund 18 Millionen Euro umgesetzt.

Auch aus Sicht des Mieterbundes Nordrhein-Westfalen zeigt der neue Wirtschaftszweig problematische Folgen für den Wohnungsmarkt – insbesondere in Städten mit akutem Wohnungsmangel. „Es geht darum, dass inzwischen sogar ganze Häuser dem Wohnungsmarkt entzogen werden“, sagte der Vorsitzende Hans-Jochem Witzke. Beide Verbände fordern in einem öffentlichen Brief an CDU-Ministerpräsident Armin Laschet, dass Vermieter sich mit Steuernummer registrieren müssen, wenn sie Wohnungen über Airbnb anbieten.

Zudem sollen sie ihre Gäste regulär anmelden, also deren Personalausweise kontrollieren. Das Vermittlungsportal soll Auskunft über Vermietungen geben müssen. Verstöße sollen im Wohnungsaufsichtsgesetz mit bis zu 500 000 Euro Geldbuße geahndet werden. Bayern, Berlin und Hamburg hätten dies bereits umgesetzt. Es sind harte Bandagen, mit denen die Verbände gegen eine neue und bei Kunden beliebte Branche vorgehen wollen. Witzke betonte, es gehe nicht um die kurzzeitige Zwischenvermietung oder die kleine Einliegerwohnung, sondern um gewerbliche Anbieter unter privatem Deckmantel.

Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) sieht aber kein flächendeckendes Pro­blem: „Massive Zweckentfremdung, die in Nordrhein-Westfalen dazu führt, dass dauerhaft Mietwohnraum entzogen wird, ist nicht feststellbar.“ Nur die Städte Aachen, Bonn, Köln und Münster haben bisher eine Wohnraumschutzsatzung erlassen, die die Grenzen für eine Zeitvermietung regeln. Saitta monierte, meist fehle aber das Personal für Kon­trollen. 

Kommentar: Ehrlicher Preis

Aus Sicht der Millionen von Nutzern gehören ­Angebote wie Airbnb zu den unbestrittenen Errungenschaften der Share Economy. Es ist eben praktisch, ungenutzte Privatwohnungen für einen Kurztrip preiswert mieten zu können. Man könnte also glauben, dass Mieterbund sowie Hotel- und Gaststätten­verband mit Kanonen auf Spatzen schießen, wenn sie gleiche Regeln wie im Hotelgewerbe verlangen. Aber genau das tun sie nicht. Besonders in Städten haben sich die auf Portalen angebotenen Tarife längst dem Hotelniveau angenähert, was auf marktbewusste Vermieter schließen lässt. Die Onlinevermittlung dieser Angebote hat sich zum boomenden Wirtschaftszweig entwickelt. Logische Folge ist, dass der Staat irgendwann rechtliche Leitplanken einzieht – aus eigenem Interesse: Er kann nicht zulassen, dass Millionen-Umsätze unreguliert an seiner Kontrolle vorbei generiert werden. Deshalb machen die geforderten Vorgaben durchaus Sinn. Kann sein, dass sie das Angebot für die Share Economy wieder verknappen oder verteuern. Immerhin sorgen sie für einen ehrlichen Preis. Gegen den Wohnungsmangel in vielen Städten braucht es allerdings wirksamere Maßnahmen. Hilmar Riemenschneider 

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