Prozesse
Tanztheater Wuppertal: Kündigung von Intendantin unwirksam

Das Tanztheater Wuppertal kommt wegen eines Streits nicht aus den Schlagzeilen. Die fristlose Kündigung der Intendantin Binder ist nicht wirksam, entschied das Gericht. Aber: Es gibt längst wieder eine Intendantin. Der Richter mahnt zur Einigung.

Dienstag, 20.08.2019, 17:06 Uhr aktualisiert: 20.08.2019, 17:22 Uhr
Adolphe Binder, ehemalige Intendantin des Wuppertaler Pina Bausch-Tanztheaters, sitzt im Verhandlungsraum. Foto: Jana Bauch

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Vorsitzende Richter Alexander Schneider ermahnte alle Seiten eindringlich, nach einer Lösung zu suchen. «Es tut mir in der Seele weh, dass das Aushängeschild Wuppertals dermaßen leidet», sagte der Richter am Landesarbeitsgericht am Dienstag in Düsseldorf. Dort ging es um die im Juli 2018 gekündigte Intendantin des weltberühmten Tanztheaters Wuppertal Pina Bausch. Das Landesarbeitsgericht entschied wie die Vorinstanz: Die fristlose Kündigung von Adolphe Binder ist nicht wirksam. Die Gründe für die Trennung wie das Fehlen eines umsetzbaren Spielplans oder Beschwerden von Mitarbeitern reichten nicht aus. Binder war nur gut ein Jahr im Amt. Der Trennung waren Mediation und Abmahnungen vorausgegangen.

Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Aber auf dem Papier hat das weltberühmte Tanztheater Wuppertal zwei Intendantinnen. Neu auf dem Posten ist seit Jahresbeginn Bettina Wagner-Bergelt, sie ist gleichberechtigt mit dem gleichfalls neuen Geschäftsführer Roger Christmann. «Wir müssen gucken, wie wir mit der Situation umgehen», sagte Wagner-Bergelt nach dem Teilurteil.

Immer wieder wurden in der Verhandlung konfliktträchtige Besonderheiten von Binders Fünfjahresvertrag deutlich: Eine ordentliche Kündigung war darin nicht vorgesehen, die Intendantin hatte zwar das künstlerische Sagen, war aber zugleich dem - inzwischen ausgeschiedenen - Geschäftsführer unterstellt, was immer wieder zu Streit führte.

Die öffentlich gewordenen Querelen hatten das ansonsten ziemlich öffentlichkeitsscheue Tanztheater immer wieder in die Schlagzeilen gezogen. Einige Tänzer waren am Dienstag im Gericht und verfolgten die mit Unterbrechungen fast drei Stunden lange Verhandlung.

Am Ende sprach das Gericht ein fast salomonisches Teilurteil und vertagte sich in einem anderen Punkt. Denn Binder verlangt auch eine Weiterbeschäftigung bis zum Abschluss des Prozesses auf ihrem ursprünglichen Posten, der inzwischen ja wieder besetzt ist. «Es kann nur eine Eins geben», meinte Richter Schneider dazu. In dieser Sache will das Gericht Ende des Jahres entscheiden.

«Recht kriegen und ein schönes Arbeitsverhältnis sind zwei verschiedene Paar Schuhe», sagte der Richter in Richtung Adolphe Binder. Deren Anwalt betonte, es sei «total wichtig», dass seine Mandantin rehabilitiert werde. Nach der Verhandlung standen immerhin alle Streitparteien - die alte und die neue Intendantin, Tänzer und Geschäftsführung - in ein Gespräch vertieft zusammen.

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