Sollte Kontaktmann zu Anis Amri abgeschaltet werden?
„Anweisung von oberster Stelle“

Düsseldorf -

Der Vorwurf löste ein politisches Beben aus: Sollte eine wichtige Vertrauensperson des Landeskriminalamtes NRW in der islamistischen Szene abgeschaltet werden, obwohl sie der direkte Draht zum späteren Berliner Attentäter Anis Amri war?

Montag, 02.12.2019, 21:36 Uhr
2016 verübte Anis Amri einen Anschlag auf einen Berliner Weihnachtsmarkt Foto: dpa

Der Vorwurf löste ein politisches Beben aus: Sollte eine wichtige Vertrauensperson des Landeskriminalamtes NRW in der islamistischen Szene abgeschaltet werden, obwohl sie der direkte Draht zum späteren Berliner Attentäter Anis Amri war? Anweisung dafür sei von „oberster Stelle“ gekommen, bekräftigte ein LKA-Beamter am Montag in Untersuchungsausschuss des Landtags zum Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt seinen vor drei Wochen erstmals öffentlich erhobenen Vorwurf. Die Information habe er in einem persönlichen Gespräch am Rande einer Fallbesprechung mit einem Kollegen des Bundeskriminalamtes (BKA) erhalten. Der als „VP01“ geführte Informant habe dem LKA indes wichtige Informationen über terroristische Bestrebungen von Islamisten – nicht nur über Amri – gebracht, erklärte der Beamte als Zeuge. Überraschend habe es dann seitens des BKA Bestrebungen gegeben, die Glaubwürdigkeit der Vertrauensperson „kaputt zu schreiben“, weil der „zu viel Arbeit mache“. Er selbst sei „geschockt“ gewesen, als er davon erfahren habe. Denn wenn die Glaubwürdigkeit einer Vertrauensperson so angezweifelt werde, könne das in Gerichtsverfahren katastrophale Folgen haben. Damit meinte er den in Celle laufenden Terrorprozess gegen den islamistischen Hassprediger Abu Walaa: „VP01“ gilt hier zentraler Zeuge.

Die Darstellung des LKA-Beamten wies allerdings ein Abteilungsleiter des BKA energisch zurück. Es habe keine solche Weisung „von oben“ gegeben. Die beiden Mitarbeiter, die an der fraglichen Fallbesprechung teilgenommen hätten, widersprächen der Darstellung. Er selbst habe als Vorgesetzter keine Anweisung gegeben, das Innenministerium habe den Fall nicht gekannt.

Vertrauenspersonen einfach „abzuschalten“, sei kein sinnvolles Verfahren. Allerdings habe es Zweifel an der Zuverlässigkeit der von „VP01“ kommenden Informationen gegeben, weil sich drei Hinweise auf mögliche Anschläge nicht bestätigt, aber viel Ermittlungsarbeit ausgelöst hätten. Bisher habe noch keine Vertrauensperson zutreffende Hinweise auf einen Anschlag in Deutschland geliefert.

Nikolaus als „Glück zum Anfassen“
„Na, mein Junge, bist du es auch wirklich?“ Erna Firch (92) zupft mal eben am Bart ihres Sohnes Dieter, der sie wie immer zum Auftakt seiner „Nikolauszeit“ im Caritas-Altenheim an der Clevornstraße besucht. Die gelernte Schneiderin hat früher die Kostüme gemacht.
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