Extremismus
Sven Lau räumt Fehler ein: «War verblendet»

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der einstige Salafistenführer Sven Lau hat nach seiner Haftentlassung Fehler eingeräumt und sich vom radikalen Islamismus distanziert. Das NRW-Innenministerium bestätigte am Donnerstag, dass Lau seit zwei Jahren am Islamismus-Aussteigerprogramm des Ministeriums teilnimmt. Lau habe dem Filmproduzenten Sascha Bisley ein längeres Interview gegeben. Der «Kölner Stadt-Anzeiger» hatte zuerst darüber berichtet.

Donnerstag, 05.12.2019, 16:03 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 16:12 Uhr
Der angeklagte Islamistenführer Sven Lau steht 2017 in einem Gerichtssaal. Foto: Rolf Vennenbernd

Das Oberlandesgericht hatte bereits seine Freilassung auf Bewährung damit begründet, dass er sich von seiner ursprünglichen radikal-islamischen Haltung deutlich distanziert habe.

«Es gibt viele Sachen, wo ich heute denke: «Krass, wo war dein Verstand?»», sagte Lau in dem Interview. «Ich kann mir gar nicht erklären, wie verblendet ich war und wie lange», sagte der fünffache Vater und frühere Feuerwehrmann aus Mönchengladbach. Er habe «sehr viel Härte und Hass im Gefängnis zu spüren bekommen», sagte Lau. Währenddessen habe seine Familie draußen viele Probleme gehabt, seine Kinder seien verprügelt worden. «Mich hat das zerschmettert.»

Er habe sich sein eigenes Verhalten lange schön geredet, sagte Lau, der lange Zeit Galionsfigur der Islamistenszene war, und zu fünfeinhalb Jahren Haft verurteilt worden war. Inzwischen gehe er wieder arbeiten.

Sven Lau - damals «Abu Adam» genannt - galt als Initiator der «Scharia-Polizei» in Wuppertal. Anfangs sei er noch gegen diesen Namen gewesen. Ihm sei klar gewesen, dass dies sehr provokant sei. Schließlich habe er sich aber - in der englischen Variante «Shariah Police» darauf eingelassen. Danach habe er von allen Seiten «einen drüber bekommen». Auch viele Muslime hätten ihn angerufen und sich beschwert.

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