Blindgänger
Fast täglich wird eine größere Weltkriegsbombe gefunden

Münster/Düsseldorf -

Düsseldorf, Köln, Essen, Gelsenkirchen, Münster: In etlichen Großstädten mussten jüngst für Bombenentschärfungen Bereiche gesperrt und Gebäude geräumt werden. Es werden mehr größere Weltkriegsbomben entdeckt.

Sonntag, 08.12.2019, 09:17 Uhr aktualisiert: 08.12.2019, 14:30 Uhr
Ein 500-Kilo-Bombe liegt in einer Baustelle. Foto: Fredrik von Erichsen

Nahezu jeden Tag wird statistisch gesehen in Nordrhein-Westfalen eine größere Weltkriegsbombe gefunden. Das geht aus Zahlen des Innenministeriums für die ersten neun Monate 2019 hervor, die der Deutschen Presse-Agentur vorliegen. Demnach wurden in dem 273 Tage zählenden Zeitraum 263 Sprengbomben mit einem Gewicht von mindestens 50 Kilogramm entdeckt. Das ist rund ein Fünftel mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres, als es 214 Bombenfunde in dieser Kategorie gab. Damit tauchen 74 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges vielerorts immer noch gefährliche Sprengmittel auf.

Nach Ministeriumseinschätzung bewegen sich die Kampfmittelfunde, zu denen auch kleinere Bomben, Granaten, Minen, Handgranaten sowie Munition gehören, wie in den Vorjahren auf einem hohen Niveau. Die Mitarbeiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hatten es 2019 bis Ende September mit insgesamt gut 13 600 Fundstücken von der Patrone bis zur schweren Fliegerbombe zu tun. Weil es vor allem deutlich mehr Granaten- und Handgranatenfunde gab, sind das fast 44 Prozent mehr als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. Die Gesamtmasse der in den Funden enthaltenen Explosivstoffe stieg um 8,5 Prozent auf 36 Tonnen.

So arbeiten die Kampfmittelräumer

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    NRW-weit einmalig ist ein Wasserstrahlschneidegerät, mit dem sich Zünder aus Bomben heraustrennen lassen. Klappt das, strahlen Volker Lenz und seine Kollegen vom Kampfmittelräumdienst Westfalen-Lippe in Hagen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • So sieht ein Zünder aus. Ihn auszubauen, bevor die Bombe detoniert, ist das große Ziel

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Um zu wissen, wo Bomben liegen könnten, werten Falk Lemanscheck und seine Kollegen Luftbilder der Alliierten aus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Volker Milk ist Vizepräsident des Regierungsbezirks Arnsberg. Er sieht in der Kampfmittelbeseitigung auch einen Friedensdienst: "Wenn man die Folgen des Kriegs sieht, gibt es keinen Zweifel merh an der Sinnhaftigkeit eines vereinten Europas", formulierte er am Donnerstag vor Mediensvertretern.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Manchmal sind es die einfachen Dinge, die helfen: Hier zeigen Marvin Schröder (rechts) und Karl-Friedrich Schröder, wie sie mit hilfe eines Seilrads und eines Seils mechanisch einen Zünder herausschrauben.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Noch sicherer: Entschärfung aus 500 Metern Entfernung. Eine Video-Fernsteuerung macht's möglich.

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  • Um zu wissen, wo Bomben liegen könnten, werten Falk Lemanscheck und seine Kollegen Luftbilder der Alliierten aus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Ubbo Mansholt, Dienststellenleiter des Kampfmittelbeseitigungsdienstes Westfalen-Lippe in Hagen

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Um zu wissen, wo Bomben liegen könnten, werten Falk Lemanscheck und seine Kollegen Luftbilder der Alliierten aus.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • NRW-weit einmalig ist ein Wasserstrahlschneidegerät, mit dem sich Zünder aus Bomben heraustrennen lassen. Klappt das, strahlen Volker Lenz und seine Kollegen vom Kampfmittelräumdienst Westfalen-Lippe in Hagen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier
  • Manchmal sind es die einfachen Dinge, die helfen: Hier zeigen Marvin Schröder (rechts) und Karl-Friedrich Schröder, wie sie mit hilfe eines Seilrads und eines Seils mechanisch einen Zünder herausschrauben.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Manchmal sind es ganz einfache Hilfsmittel, mit denen Karl-Friedrich Schröder und seine Kollegen Bomben wie diese 250-Kilogramm-Modelle entschärfen.

    Foto: Gunnar A. Pier
  • Foto: Gunnar A. Pier

Jede zweite größere Bombe wird nach den Daten des Jahres 2018 durch das Auswerten von Luftbildern entdeckt. Zudem spielt die gestiegene Bautätigkeit auch eine Rolle. Im vergangenen Jahr gab es rund 34 000 Anfragen an den Kampfmittelbeseitigungsdienst, ob Gefahr bei einer geplanten Baustelle im Boden schlummert.

Die Zahl der Zufallsfunde an Flüssen bei Niedrigwasser ist relativ gering, wie die Landesregierung bereits vor einem Jahr auf eine Kleine Anfrage der SPD mitgeteilt hatte. An den Ufern des Rheins sei allerdings durch die starke Fließgeschwindigkeit grundsätzlich immer damit zu rechnen, dass neben Schrott gelegentlich auch Kampfmittel angeschwemmt werden können.

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