Energie
Umwelt-Staatssekretär: Betreiben von Datteln 4 «vertretbar»

Madrid/Datteln (dpa/lnw) - Das Steinkohlekraftwerk Datteln 4 wird nach Einschätzung des Staatssekretärs im Bundesumweltministerium, Jochen Flasbarth, trotz des deutschen Kohleausstiegs ans Netz gehen. Das sei zwar schwer zu erklären in einer Welt, in der vom UN-Generalsekretär bis zur Bewegung Fridays for Future alle ein Ende der Stromgewinnung aus Kohle forderten, sagte Flasbarth am Montag in Madrid am Rande der UN-Klimakonferenz. Er halte es aber trotzdem für «vertretbar», weil man sich im Kohlekompromiss auf Abschaltmengen geeinigt habe. Wenn Datteln ans Netz gehe, müssten andere Kraftwerke dafür aus dem Stromnetz.

Montag, 09.12.2019, 17:27 Uhr aktualisiert: 09.12.2019, 17:32 Uhr
Jochen Flasbarth, Staatssekretär im Bundesumweltministerium, spricht auf einer Pressekonferenz. Foto: Christian Charisius

Der Kraftwerksblock mit einer Leistung von 1100 Megawatt sollte bereits 2011 ans Netz gehen. Doch eine Serie von Versäumnissen und Pannen im Genehmigungsverfahren sowie langwierige Reparaturarbeit haben dafür gesorgt, dass auf der Baustelle immer noch gearbeitet wird. Der Stromkonzern Uniper will das Kraftwerk im Sommer kommenden Jahres in Betrieb nehmen und bereitet diesen Schritt derzeit vor. Datteln 4, wie der Kraftwerksblock in Anlehnung an seine kleineren Vorgänger genannt wird, ist das letzte in Deutschland gebaute Kohlekraftwerk.

Umweltverbände reagierten verärgert: «Das wäre ein Armutszeugnis und untergräbt einmal mehr die Glaubwürdigkeit dieser Bundesregierung in Sachen Klimaschutz», sagte BUND-Chef Olaf Bandt. «Mit Datteln IV würde die Bundesregierung den Kohlekompromiss begraben.» Greenpeace-Geschäftsführer Martin Kaiser sagte, das sei ein «Schlag ins Gesicht» der Staaten auf der UN-Klimakonferenz, die schon jetzt bedroht seien von den Folgen der Erderwärmung.

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