Verkehr
Immer mehr Autos in NRW: Eigener Wagen «kein Auslaufmodell»

Auf den Straßen in Nordrhein-Westfalen fahren immer mehr Autos - oder sie parken am Straßenrand. Inzwischen sind es weit mehr als 10 Millionen Pkw. Eine Trendwende sei nicht in Sicht, sagt ein Experte.

Mittwoch, 01.01.2020, 13:23 Uhr aktualisiert: 01.01.2020, 13:32 Uhr
Der Autoexperte Prof. Ferdinand Dudenhöffer. Foto: Karlheinz Schindler

Düsseldorf (dpa/lnw) - In Nordrhein-Westfalen steigt die Zahl der Autos. Nach Angaben des Kraftfahrtbundesamtes waren am 1. Oktober 2019 landesweit gut 10,2 Millionen Pkw angemeldet, etwa 131 000 mehr als zu Jahresbeginn. Und auch im Oktober und November setzte sich der Trend fort: In beiden Monaten lag die Zahl der Pkw-Neuanmeldungen um gut 10 Prozent beziehungsweise 11 Prozent über den Vorjahreswerten.

Und eine Wende ist nach Einschätzung des Autoexperten Prof. Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen nicht in Sicht. «Der Trend zum persönlichen Auto ist sehr stabil», schließt Dudenhöffer aus den Zahlen. Der eigene Wagen sei «kein Auslaufmodell». In Großstädten werde wegen des Angebots an Bussen und Bahnen zwar weniger Auto gefahren, aber auch dort steige der Trend zum eigenen Wagen. «Die Leute haben das Auto vor der Tür stehen und nutzen es, wenn sie es brauchen», sagte Dudenhöffer der Deutschen Presse-Agentur.

Der Verkehrsexperte der Grünen im Landtag, Arndt Klocke, vermutet, dass die steigende Zahl von Berufspendlern ein Grund für den Auto-Zuwachs ist. «Angesichts der Bevorzugung des Autoverkehrs durch Bund und Land, die immer noch einen Großteil der öffentlichen Mittel in den Straßenverkehr statt in den dringend benötigten Ausbau des Schienen- und Radverkehrs investieren, ist es auch kein Wunder, dass die Menschen weiterhin das Auto bevorzugen», kritisierte Klocke. Nach Berechnungen des Statischen Landesamtes ist die Pkw-Dichte in NRW seit Jahren kontinuierlich angestiegen - von 498 Autos je 1000 Einwohner im Jahr 2010 auf 563 Fahrzeuge je 1000 Einwohner am 1. Januar 2019.

Dudenhöffer sieht vor allem wirtschaftliche Gründe für die unterschiedlich starke Zunahme von Pkws in den NRW-Großstädten. So sei der Pkw-Bestand in Düsseldorf zwischen 2009 und 2019 um 15,5 Prozent gestiegen, in Köln im gleichen Zeitraum um 13,9 Prozent. «Wo die wirtschaftliche Entwicklung gut ist, geht die Pkw-Dichte nach oben», betonte Dudenhöffer.

In den Ruhrgebietsstädten sei der Pkw-Zuwachs zum Teil deutlich geringer ausgefallen. In Duisburg und Gelsenkirchen habe es nur ein Plus von 9,5 beziehungsweise 9,3 Prozent gegeben, in Bochum sei der Pkw-Bestand sogar nur um 1,8 Prozent gewachsen. «Nicht das geringe Interesse am persönlichen Auto, sondern die ökonomische Lage scheint hier die Wachstumsbremse zu sein», schreibt Dudenhöffer in einer Analyse zu Car-Sharing-Angeboten.

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