Brände
Feuerkatastrophe in Zoo: Sachverständige ermitteln Hergang

Das neue Jahr hat im Krefelder Zoo mit einer Tragödie begonnen: Das Affenhaus brannte komplett aus. Über 30 Tiere starben, darunter viele Menschenaffen. Ein Millionenschaden entstand. Eine zu Neujahr gezündete Himmelslaterne könnte das Feuer ausgelöst haben.

Donnerstag, 02.01.2020, 05:50 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 07:02 Uhr
Das abgebrannte Affenhaus ist nach dem Brand in der Silvesternacht im Krefelder Zoo zu sehen. Foto: Christoph Reichwein

Krefeld (dpa) - Nach dem verheerenden Brand im Affenhaus bleibt der Krefelder Zoo am Donnerstag weiter geschlossen. Bei dem Feuer waren in der Nacht zu Neujahr mehrere Menschenaffen gestorben, darunter Orang-Utans, Gorillas und ein Schimpanse. Am Neujahrstag untersuchten Kriminalpolizei und Sachverständige den Brandort. Das Ergebnis wird für Donnerstag erwartet. Die Polizei ermittelt wegen fahrlässiger Brandstiftung. Es entstand ein Millionenschaden.

Die Tiere, die ums Leben gekommen sind, seien ein unersetzlicher Verlust, auch für die Erhaltungsprogramme, sagte der Direktor des Kölner Zoos, Theo Pagel, wie der «Kölner Stadt-Anzeiger» online berichtete.

Wenige Stunden nach der Feuerkatastrophe hatten sich am Mittwoch mögliche Verursacher des Brandes bei der Polizei gemeldet. Die Ermittler meinen, dass eine in der Nacht zu Neujahr gezündete Himmelslaterne den Brand ausgelöst haben könnte. Diese in Deutschland verbotenen Leuchtkörper waren im nordrhein-westfälischen Krefeld gesichtet worden. «Die Polizei hat die Personen vernommen und wird ihre Angaben überprüfen», erklärte die Polizei. Die Überprüfung der Angaben werde aber einige Zeit dauern.

Verheerender Brand im Krefelder Zoo

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    In der Silvesternacht hat es im Krefelder Zoo einen verheerenden Brand gegeben.

    Foto: Marcel Kusch
  • Das Affenhaus geriet in Flammen. Mehr als 30 Tiere verendeten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Beim Eintreffen der Feuerwehrkräfte in der Silvesternacht stand das Affenhaus bereits in Flammen.

    Foto: Alexander Forstreuter
  • Ein Feuerwehrsprecher sagte, man sei überrascht gewesen, wie schnell das Dach des Affenhauses gebrannt habe.

    Foto: David Young
  • Eine Sprinkler- oder Brandmeldeanlage habe es nicht gegeben, dies sei zum Zeitpunkt des Baus 1975 aber auch nicht vorgeschrieben gewesen.

    Foto: Marcel Kusch
  • Mehrere Menschenaffen wurden bei dem Brand getötet, so etwa der Senior-Silberrücken Gorilla «Massa».

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Auch der Orang-Utan «Suria» und seine Mutter «Lea» (hier ein Archivbild von 2016) starben.

    Foto: Roland Weihrauch/dpa-Archiv
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine sogenannte chinesische Himmelslaterne den Brand des Affenhauses verursacht hat.

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Gerd Hoppmann, Leiter der Ermittlungskommission der Polizei Krefeld, präsentiert eine Himmelslaterne. 

    Foto: Fabian Strauch
  • „Es ist der schwerste Tag in der Geschichte des Krefelder Zoos“, sagte Direktor Wolfgang Dreßen.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Brand im Krefelder Zoo ist nach Einschätzung der Polizei „weitgehend aufgeklärt“.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter meldeten sich und gaben an, Himmelslaternen im Internet bestellt und fünf in der Silvesternacht steigen gelassen zu haben.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Ermittler gehen davon aus, dass eine dieser Himmelsleuchten den Brand des Affenhauses verursacht habe. Dies werde aber derzeit noch genau geprüft, um andere Ursachen auszuschließen. Die anderen vier Leuchten habe man sichergestellt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Die Frauen dachten nach eigenen Angaben, dass es an Silvester erlaubt sei, sie steigen zu lassen. Tatsächlich sind sie aber in ganz Deutschland verboten.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Gegen die drei Frauen wird nun wegen fahrlässiger Brandstiftung ermittelt. Darauf steht ein Haft- oder Geldstrafe.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos wurden Kerzen, Bilder, Plüschtiere und Schilder abgelegt.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Am Mittwochvormittag wurde nach dem Brand eine Pressekonferenz abgehalten. Am Neujahrstag und auch am Donnerstag blieb der Tierpark wegen des Unglücks geschlossen: „Unsere Mitarbeiter stehen unter Schock“, erklärte der Zoo und warb um Verständnis.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Den Fragen der Journalisten stellten sich (v.l.): Kai Günther (Feuerwehr), Gerd Hoppmann (Kriminalhauptkommissar Polizei Krefeld), Frank Meyer (Oberbürgermeister von Krefeld) und Zoosprecherin Petra Schwinn.

    Foto: Christoph Reichwein
  • Der Zoo wird voraussichtlich am Freitag wieder öffnen. Der Brandort wird mit Absperrungen versehen, um einen „Katastrophentourismus“ so weit wie möglich zu verhindern.

    Foto: David Young
  • Die durch den Brand im Krefelder Zoo umgekommenen Menschenaffen können nicht beerdigt werden. 

    Foto: David Young
  • Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei eine Beerdigung nicht erlaubt, sagte Zoosprecherin Petra Schwinn am Donnerstag. Zoointern werde es eine Trauerfeier geben.

    Foto: David Young

Das Drama im Zoo schockierte die Tierfreunde: Vor den Toren des traditionsreichen Tierparks legten viele Menschen, oft unter Tränen, Kerzen, Blumen, Briefe und Stofftiere ab. «Gestorben für euer Silvestervergnügen», stand auf einem Karton. Die Fahnen des Zoos hingen auf halbmast.

Der Brand im Krefelder Zoo ist eines der schwersten Zoo-Unglücke der vergangenen Jahrzehnte: Mehr als 30 Tiere, darunter viele Menschenaffen, starben. Die Tierpfleger hätten eine enge Bindung an diese Affen, ähnlich wie Besitzer zu ihren Haustieren, berichtete Zoo-Direktor Wolfgang Dreßen. Einer der toten Affen ist der Gorilla Massa. «Ich habe ihn altern sehen», sagte der Direktor über den seit langem in Krefeld lebenden Senior-Affen.

Eine Brandmeldeanlage hatte das Affenhaus nicht. Das sei nicht vorgeschrieben, erklärte der Zoo. Der Brand habe sich so schnell entwickelt, dass eine solche Anlage auch nicht geholfen hätte, hieß es. Eine Brandschutzversicherung bestehe aber.

Unter den umgekommenen Tieren waren auch kleinere Affenarten sowie Flughunde und Vögel. Zwei Schimpansen überlebten das Feuer mit leichten Verletzungen. In einem angrenzenden Gehege blieb eine junge siebenköpfige Gorillafamilie unversehrt. Die Gorillas hätten danach normal gefressen, berichtete eine Sprecherin des Zoos.

 

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