Brände
Trauer im Südwesten nach Feuerkatastrophe im Krefelder Zoo

Der Feuertod mehrerer Menschenaffen in Krefeld hat auch die Zoos im Südwesten schockiert. In Karlsruhe ruft der Brand ungute Erinnerungen wach.

Donnerstag, 02.01.2020, 17:11 Uhr aktualisiert: 02.01.2020, 17:22 Uhr
Zahlreiche Bilder, Plüschtiere und Kerzen liegen vor dem Haupteingang des Krefelder Zoos. Foto: Marcel Kusch

Karlsruhe/Heidelberg (dpa/lsw) - Nach dem verheerenden Brand im Krefelder Zoo mit mehreren toten Menschenaffen sind Trauer und Mitgefühl im Südwesten groß. «Unsere Gedanken sind bei den Mitarbeitern des Zoos», teilte der Heidelberger Zoo am Donnerstag mit. «Es ist für uns kaum vorstellbar, was der Tod der Tiere für die Kollegen bedeutet.» Auch in der Stuttgarter Wilhelma zeigte man sich betroffen. «Es ist ein Tiefschlag für alle Zoos», sagte der Sprecher des zoologisch-botanischen Gartens, Harald Knitter. In der Wilhelma kam es demnach bislang zu keinen Bränden in Gehegen. Das dort 2013 neu eröffnete Gehege für Menschenaffen sei zudem mit möglichst wenig brennbarem Material gebaut worden: «Wir verwendeten dafür hauptsächlich Beton und Stahl.»

In Karlsruhe erinnerte der Fall an einen Brand vor fast zehn Jahren im Streichelgehege. Alle Tiere dort seien damals ums Leben gekommen, sagte der Sprecher des Zoologischen Stadtgartens Karlsruhe, Timo Deible. Die Elefanten im angrenzenden Gehege seien gerade noch rechtzeitig gerettet worden. «Deswegen kann man das nun sehr gut nachvollziehen», sagte Deible mit Blick auf die Tragödie in Nordrhein-Westfalen.

In Heidelberg hält man es noch für zu früh, um Konsequenzen aus dem Vorfall zu ziehen. «Generell arbeiten die Zoos sehr offen miteinander und tauschen sich regelmäßig zu unterschiedlichen Themen aus - das werden wir zu gegebener Zeit auch mit den Kollegen aus Krefeld tun.» Erst dann könne überlegt werden, welche Schlüsse zu ziehen sein. In Heidelberg leben jeweils eine Gruppe Gorillas und Schimpansen in getrennten Gehegen, aber unter einem Dach.

Generell bestehe ein sehr guter Kontakt zwischen dem Tiergarten Heidelberg und der Feuerwehr vor Ort. Im Brandfall gebe es einen Einsatzplan, der mit der Feuerwehr abgestimmt sei. Diese habe Zugang zu allen relevanten Schlüsseln zum Zoo und könne somit ohne Zeitverzögerung auf das Zoogelände gelangen - und ohne, dass Zugänge erst gewaltsam geöffnet werden müssen. Im internen Alarmierungskonzept sei festgelegt, welche Mitarbeiter im Notfall alarmiert werden. Bei dem Feuer waren in der Silvesternacht mehrere Menschenaffen gestorben, darunter Orang-Utans, Gorillas und ein Schimpanse. Nach Erkenntnissen der Polizei sollen eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter mit einer Himmelslaterne den Brand ausgelöst haben.

Der stellvertretende Direktor des Karlsruher Zoos, Clemens Becker, hat alle Orang-Utans aus Krefeld gekannt. Becker ist Koordinator des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms für Orang-Utans und leitet den Austausch der Affen unter den Zoos.

Nachrichten-Ticker