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«Persönlichkeit mit Herz»: Guntram Schneider gestorben

Er galt als SPD-Urgestein, Kämpfernatur und Mann mit Humor - der frühere NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider. Jetzt ist er mit 68 Jahren gestorben. Auch Vertreter anderer Parteien würdigen ihn als aufrechten Menschen.

Sonntag, 05.01.2020, 10:55 Uhr aktualisiert: 05.01.2020, 11:02 Uhr
Ehemaliger NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD). Foto: Henning Kaiser

Dortmund (dpa/lnw) - Der frühere NRW-Arbeitsminister Guntram Schneider (SPD) ist im Alter von 68 Jahren in Dortmund gestorben. Das bestätigte ein Sprecher der SPD-Landtagsfraktion. Zum genauen Todestag konnte er nichts sagen. Von 2010 bis 2015 war Schneider im Kabinett der damaligen SPD-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft Minister für Arbeit, Integration und Soziales. Der gelernte Werkzeugmacher galt als SPD-Urgestein und Freund klarer Worte. «Das Schlimmste, was einem in der Politik passieren kann, ist, dass man von Ja-Sagern und Speichelleckern umgeben ist», sagte er einmal.

Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) würdigte Schneider am Samstag als «eine Persönlichkeit mit Herz für das Land und Herzblut für die Sache». Schneider werde «als Mann des klaren Wortes und der Gradlinigkeit» in Erinnerung bleiben.

Laschets Vorgängerin Hannelore Kraft beschrieb Schneider als einen «Mann mit klaren Überzeugungen, Durchsetzungskraft und voller Aufrichtigkeit». Sie werde seine Menschlichkeit und seinen Humor vermissen. Als «Kämpfer und Original» charakterisierte ihn der Vorsitzende der NRW-SPD, Sebastian Hartmann. Der SPD-Fraktionschef im Düsseldorfer Landtag, Thomas Kutschaty, nannte Schneider einen «kernigen und aufrichtigen Mann, der sein Herz stets am rechten Fleck getragen hat». Sein Tod komme viel zu früh: «Er ist nun bei seiner Frau, die schon vor einigen Jahren von uns gegangen ist und die er sehr geliebt hat.» Schneider war mit der Künstlerin Alma Stefanescu verheiratet.

Der gebürtige Gütersloher, bekennende Westfale und glühende BVB-Fan war vor allem Gewerkschaftsmann. In die IG Metall war er bereits 1965 eingetreten, in die SPD sechs Jahre später. Landeschef des Deutschen Gewerkschaftsbunds wurde er 2006, bis Kraft ihn 2010 zum Arbeitsminister machte. Er sollte das durch die Agenda 2010 strapazierte Verhältnis zwischen der SPD und ihrer einstigen Stammwählerschaft kitten.

Als Minister setzte sich Schneider vor allem für einen Ausbildungskonsens zwischen Arbeitnehmer- und Arbeitgebervertretern ein, für die duale Berufsausbildung sowie einen möglichst lückenlosen Übergang von der Schule in den Beruf. Auch das Thema Mindestlohn lag ihm am Herzen. Kutschaty wies darauf hin, dass Schneider auch in seiner Funktion als Integrationsminister Maßstäbe gesetzt habe: «Mit dem ersten Teilhabe- und Integrationsgesetz eines Flächenlandes hat er NRW bundesweit zum Vorreiter gemacht.» Landtagspräsident André Kuper betonte Schneiders Engagement in und für Israel.

Anerkennung kam am Samstag auch aus anderen Parteien. So twitterte Sven Lehmann von den Grünen, Schneider sei «ein aufrichtiger, starker Streiter für soziale Gerechtigkeit» gewesen. Der amtierende NRW-Arbeitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) teilte mit: «Ich trauere um einen langjährigen Weggefährten, dem ich vertraute und der für mich mehr war als nur ein Kollege». Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) twitterte, bei ihm habe noch eine Verabredung mit Schneider ausgestanden: «Wir wollten uns in seiner Stammkneipe treffen.» Jetzt bleibe ihm nur ein letzter Gruß.

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