Archäologie
Niedergermanischer Limes Weg zum Welterbe: Unesco am Zug

Ein Schritt auf dem Weg zum Weltkulturerbe ist gemacht: Die Unesco in Paris hat jetzt den Antrag für den Niedergermanischen Limes. Für Kultur und Tourismus wäre die Aufnahme eine große Sache.

Donnerstag, 09.01.2020, 15:53 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 16:02 Uhr
Niedergermanischer Limes der Römer. Foto: Marcel Kusch

Paris/Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Niedergermanische Limes ist unterwegs zum Weltkulturerbe. Der Antrag auf Aufnahme der antiken römischen Grenze im Rheinland in das Welterbe sei am Donnerstag bei der Unesco in Paris eingereicht worden, teilte das NRW-Bauministerium in Düsseldorf mit. Die Kulturorganisation der Vereinten Nationen könnte im Juli 2021 entscheiden. Offiziell wurde der Antrag von den Niederlanden übergeben. Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz sind angeschlossen.

Bauministerin Ina Scharrenbach (CDU) sagte, ein neuer Meilenstein auf dem Weg zum Welterbe sei erreicht. «Die Aufnahme des Niedergermanischen Limes in die Liste des Unesco-Welterbes wäre in kultureller und touristischer Hinsicht sehr bedeutend für Nordrhein-Westfalen», betonte die Ministerin. Im Sommer 2020 sollen die Limes-Stationen von Experten im Auftrag der Unesco bereist werden.

Der rund 400 Kilometer lange Abschnitt zwischen Bad Breisig südlich von Bonn und der Nordsee bei Katwijk in den Niederlanden entspricht dem antiken Verlauf des Rheines und wird deshalb auch «nasser Limes» genannt. Vor rund 2000 Jahren war der Fluss Teil der Grenze des Römischen Reichs. Es gab zahlreiche Wachtürme sowie Militärlager für Soldaten und Reiter. Überreste und Fundamente sind als Bodendenkmäler registriert.

Der NRW-Abschnitt ist 220 Kilometer lang, 19 Kommunen sind beteiligt. Wie an einer Perlenkette reihten sich an der Flussgrenze Militärlager, Wachtürme und Übungslager auf. Bis zu 30 000 Soldaten waren zeitweise stationiert. Große Standorte waren Köln und Xanten. In Neuss und Bonn sind die Straßen der Legionslager im Stadtbild noch erkennbar.

Die niederländische Kulturministerin Ingrid van Engelshoven sagte: «Die vielen Überreste von diversen römischen Befestigungsanlagen in unserem Boden machen das alte Grenzgebiet zu einem wichtigen archäologischen Denkmal.» Ihr rheinland-pfälzischer Kollege Konrad Wolf (SPD) erwähnte, es sei geplant, dass alle Grenzen des Römischen Reiches von Schottland bis Marokko einmal Welterbe werden. «So wird Zug um Zug aus einem ehemals trennenden Element eine länderübergreifende, völkerverbindende Linie werden», sagte er.

Bundesweit gibt es 46 Welterbestätten, davon fünf in NRW. Der Niedergermanische Limes würde eine Lücke schließen zwischen bereits unter Schutz stehen Grenzanlagen. Es sind der Obergermanisch-Raetische Limes südlich von Bonn sowie der Hadrianswall und ein weiterer in Großbritannien.

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