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Prozess um Mord an Unternehmerpaar wird neu aufgerollt

Karlsruhe/Wuppertal (dpa/lnw) - Nach dem gewaltsamen Tod des Wuppertaler Unternehmerpaars Springmann hat der Bundesgerichtshof (BGH) den Freispruch gegen einen Geschäftspartner des wegen Totschlags und Mordes verurteilten Enkels aufgehoben. Der Fall muss vor dem Düsseldorfer Landgericht neu verhandelt werden, entschied der 3. Strafsenat am Donnerstag in Karlsruhe. Das Urteil zu lebenslanger Haft gegen den zum Tatzeitpunkt 25 Jahre alten Enkel ist dagegen rechtskräftig. Der Strafsenat verwarf die Revision des Angeklagten (Az. 3 StR 288/19).

Donnerstag, 09.01.2020, 17:24 Uhr aktualisiert: 09.01.2020, 17:32 Uhr
Ein Hinweisschild mit Bundesadler und Schriftzug «Bundesgerichtshof». Foto: Uli Deck

Das Landgericht Wuppertal hatte den Enkel der Opfer im November 2018 zu lebenslanger Haft verurteilt und die besondere Schwere der Schuld festgestellt. Die Richter waren überzeugt, dass der junge Mann - anstatt zu studieren - die großzügigen Zuwendungen seiner betuchten Großeltern verprasst hatte. Zu der Tat im März 2017 sei es gekommen, weil sein Großvater ihm auf die Schliche gekommen war. Die angesehenen Kunstmäzene Enno (91) und Christa (88) Springmann waren niedergeschlagen und erdrosselt in ihrer Villa gefunden worden. Der Enkel hatte dem Gericht zufolge die Villa verwüstet, um einen Raubmord vorzutäuschen.

Im Fall des zweiten wegen Mordes angeklagten Mannes sei die Beweiswürdigung des Landgerichts Wuppertal rechtsfehlerhaft, sagte der Vorsitzende BGH-Richter Jürgen Schäfer. Die Strafkammer sei zu Gunsten des Angeklagten von Annahmen ausgegangen, für die es keine Anhaltspunkte gebe. Das gelte für die Annahme, der Enkel habe seinen Geschäftspartner am Haus seiner Großeltern treffen wollen, um gemeinsam am Abend etwas zu unternehmen oder um ihn seinen Großeltern vorzustellen. Am Tatort gab es Spuren des zweiten Mannes. «Der Prozess geht noch einmal von vorne los», sagte Schäfer.

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