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Deutsche Extremsportlerin auf Skiern meldet sich vom Südpol

1400 Kilometer allein über Schnee und Eis bis zum Südpol. Die Extremsportlerin Anja Blacha hat nach knapp 58 Tagen auf Skiern ihr Ziel erreicht, wie Login-Daten ihres Satellitentelefons zeigen. Mit dem besonderen Roadtrip wollte sie nicht nur sich etwas beweisen.

Samstag, 11.01.2020, 18:23 Uhr aktualisiert: 11.01.2020, 18:32 Uhr
Die 29-jährige deutsche Extremsportlerin Anja Blacha. Foto: dpa

Hamburg (dpa) - Erfolgsmeldung aus dem ewigen Eis: Auf Skiern und nur mit einem Zugschlitten für ihr Gepäck hat die 29 Jahre alte deutsche Extremsportlerin Anja Blacha nach 1400 Kilometern den Südpol erreicht. «Made it. At the South Pole now (Habe es geschafft. Nun am Südpol)», verkündete die Bielefelderin am Freitag auf Instagram. Sie war am 12. November auf der Berkner-Insel im Süden von Feuerland zu ihrem Roadtrip über Schnee und Eis zum Südpol gestartet.

Auch andere Abenteurer hätten sich schon zu Fuß oder auf Skiern allein und ohne Unterstützung zum Südpol aufgemacht, doch niemand bisher auf eine solch große Distanz von 1400 Kilometern, hieß es von der Hamburger Agentur Jung von Matt, die das Unterfangen unter dem Motto «Not bad for a girl» (nicht schlecht für ein Mädchen) begleitete. Das sei einmalig. Aus den Login-Daten von Blachas Satellitentelefon gehe eindeutig hervor, dass sie den Südpol tatsächlich erreicht habe.

Das Sportunternehmen Intersport, das die Expedition unterstützt hatte, sieht in dem Trip auch einen Erfolg für Frauen. Jegliche stereotypische Sichtweise auf Frauen im Extremsport sei damit auf beeindruckende Weise widerlegt. Anja Blacha habe der Welt gezeigt, dass Rekorde unabhängig der geschlechtertypischen Voraussetzungen möglich seien.

Am Donnerstag um 14.50 Uhr Ortszeit beziehungsweise 18.50 Uhr mitteleuropäischer Zeit erreichte Blacha am 58. Tag der Expedition den geografischen Südpol. Etwa 20 Kilometer vor ihrem Ziel konnte sie zum ersten Mal die Südpolstation am Horizont erkennen, wie es in ihrem Expeditions-Logbuch heißt, das von ihrer in Hamburg lebenden Schwester Kirsten Blacha gepflegt wird.

Über Instagram und in einem Videoblog hatte die Bielefelderin, die in der Schweiz lebt, von ihrem Abenteuer berichtet. Ihre Schwester hatte sie über tägliche Textnachrichten auf dem Laufenden gehalten. «Und an Weihnachten gab es einen Überraschungsanruf von ihr über Satellitentelefon», sagte die Schwester der Deutschen Presse-Agentur.

Auf ihrem ohnehin schwierigen Trip musste Anja Blacha auch immer wieder mit noch widrigeren Umständen kämpfen. So erschwerten starke Windböen, Temperaturen von minus 35 Grad und sogenannte Whiteouts, bei denen sie kaum den Boden vor den Füßen sehen konnte, oder Gletscherspalten Blachas Fortschritt. An einem Berg auf der Strecke musste sie ihr Gepäck laut Tagebuch nach und nach hochschleppen, teils auf Skiern und später dann mit Steigeisen.

Einmal musste sie fast einen kompletten Tag in ihrem kleinen roten Zelt verharren, wie eine Sprecherin sagte. In ihrem Schlitten, den sie die ganze Strecke hinter sich herzog, hatte Anja Blacha - wie sie auf Instagram zeigte - nicht nur Zelt und Schlafsack, sondern auch ihre Navigations- und Funkausrüstung, über 60 Kilogramm Essen, schön säuberlich in Rationen verpackt, Brennstoff und Kleidung sowie andere Ausrüstung.

Im letzten Abschnitt der Expedition ging es nach Angaben ihrer Sprecher stetig bergauf, da der Südpol etwa 2800 Meter über dem Meeresspiegel auf dem Eispanzer des Kontinents liegt. Am Donnerstag war es dann so weit: «Zuallererst bin ich glücklich, gesund und wohlauf am Südpol angekommen zu sein», erklärte Blacha laut einer Mitteilung.

Anja Blacha hält laut Intersport bereits mehrere Bergsteigerrekorde. Zuletzt hatte sie im August ohne Flaschensauerstoff den Gipfel des K2 in Nordpakistan bezwungen.

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