Prozesse
24-Jähriger angeklagt: Tödlicher Unfall bei Tempo 286

Ein junger Mann soll im März mit seinem Sportwagen mindestens 286 Stundenkilometer schnell gefahren sein, als es zu einem Unfall kam. Dabei starb seine Freundin. Sie saß angeschnallt neben ihm. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm fahrlässige Tötung vor.

Freitag, 10.01.2020, 17:44 Uhr aktualisiert: 10.01.2020, 17:52 Uhr
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener

Essen (dpa/lnw) - Die Staatsanwaltschaft Essen hat einen 24-jährigen Autofahrer angeklagt, der mit einem Sportwagen bei mindestens Tempo 286 auf der Autobahn 52 einen tödlichen Unfall verursacht haben soll. Dabei starb im März die 18-jährige Beifahrerin, der Fahrer wurde leicht verletzt und erlitt einen Schock. Tatvorwurf sei fahrlässige Tötung, berichtete die Staatsanwaltschaft Essen am Freitag auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Der Essener war in einem 570 PS starken Sportwagen unterwegs. Der Unfall geschah in einem Autobahnabschnitt im Essener Süden, in dem es keine Geschwindigkeitsbegrenzung gibt.

Der Wagen sei laut einem Sachverständigen-Gutachten zwischen 286 und 314 Stundenkilometern schnell gewesen, als er über eine kleine Bodenwelle fuhr, sagte Oberstaatsanwältin Birgit Jürgens. Dadurch könne es zu einer unbeabsichtigten Lenkbewegung gekommen sein. «Laut Gutachten hätte er noch Zeit gehabt, das Fahrzeug in die Mitte des Fahrstreifens zurückzubewegen.» Dies habe er aber nicht geschafft. «Er war offenbar durch die hohe Geschwindigkeit überfordert», sagte Jürgens. Die Anklage sei erfolgt, weil der Fahrer nicht in einer Art und Weise gefahren sei, dass er das Auto beherrschen könne.

Laut Staatsanwaltschaft kann der Fahrer bei Sportwagen dieses Typs die Fahrwerkseinstellung verändern und zwischen normal, sportlich und Rennen wählen. Im vorliegenden Fall sei das Fahrzeug mit der Einstellung «Sport» unterwegs gewesen. Fahrbahnunebenheiten würden dabei an die Karosserie und den Fahrer weitergegeben.

Die angeschnallte Beifahrerin war bei dem Unfall am Abend des 20. März aus dem Auto geschleudert und tödlich verletzt worden. Es habe sich bei ihr um die Freundin des Mannes gehandelt, sagte Jürgens.

Der Wagen sei ein Leasingfahrzeug gewesen, das auf den damals 23-Jährigen zugelassen war. Er habe das Auto zum Zeitpunkt des Unfalls noch nicht lange besessen. Seinen Führerschein musste er damals nicht abgeben.

Das Landgericht Essen prüft nun, ob es die Anklage zur Hauptverhandlung zulässt. Das Strafgesetzbuch sieht für fahrlässige Tötung bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder eine Geldstrafe vor.

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