Prozesse
Leichenteile im Müll: Fristlose Kündigung nicht rechtens

Düsseldorf (dpa/lnw) - Ein Mitarbeiter sollte ein Grab ausheben, grub an der falschen Stelle, stieß auf Leichenteile und entsorgte diese kurzerhand im Müll - nun beschäftigt der Fehler erneut die Justiz. Der Chef des Mitarbeiters - ein Friedhofsgärtner aus dem Bergischen Land - wehrte sich vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf gegen seinen Rausschmiss. Mit Erfolg, wie das Gericht am Dienstag mitteilte.

Dienstag, 04.02.2020, 16:15 Uhr aktualisiert: 04.02.2020, 16:22 Uhr
Auf einer Richterbank im Landgericht liegt ein Richterhammer aus Holz. Foto: Uli Deck

Der bei einer Kirchengemeinde beschäftigte Friedhofsgärtner war 2016 mit der Vorbereitung einer Beerdigung in dem mittleren Grab einer Familiengrabstätte beauftragt. Doch ein Mitarbeiter des Gärtners hob aus Versehen das linke statt dem mittleren Grab aus. Darin war 2010 ein Familienmitglied beerdigt worden. «Als er hierbei auf nicht verrottete Sargteile wie auch Leichenteile stieß, entsorgte er diese in einem Müllcontainer», teilte das Gericht mit. Als sie dort wenige Tage später entdeckt wurden, kündigte die Kirchengemeinde seinem Chef fristlos.

Zu Unrecht: Nur weil sich sein Mitarbeiter im Umgang mit der Leiche strafbar gemacht habe, hätte die Kirchengemeinde dem Friedhofsgärtner nach 25 Jahren nicht fristlos kündigen dürfen, entschieden die Richter laut der Mitteilung vom Dienstag. Sie bestätigten damit das Urteil des Landgerichts Wuppertal.

Zwar sei es für die Kirchengemeinde nicht mehr zumutbar gewesen, dass der Mitarbeiter des Friedhofsgärtners weiterhin auf dem Friedhof beschäftigt würde. Der Rausschmiss des Friedhofsgärtners selbst, der über 25 Jahre beanstandungsfrei gearbeitet habe, sei aber nicht gerechtfertigt gewesen. Der Friedhofsgärtner könne die Vergütung für das halbe Jahr von der fristlosen Kündigung bis zur fristgerechten Beendigung des Vertrages verlangen, urteilten die Richter.

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