Prozesse
Tödliches Feuer im FKK-Club: «Kann mich an nichts erinnern»

In einem FKK-Saunaclub bricht nach einem Junggesellenabschied ein Feuer aus. Ein Mann stirbt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Die Anklage lautet auf Mord.

Mittwoch, 05.02.2020, 15:08 Uhr aktualisiert: 05.02.2020, 15:22 Uhr
Feuerwehrleute löschen die Reste eines abgebrannten Saunaclubs. Foto: Roland Weihrauch

Duisburg (dpa/lnw) - Es war ein völlig außer Kontrolle geratener Junggesellenabschied: Vor rund sechs Monaten soll ein 43-jähriger Familienvater aus Voerde in einem FKK-Saunaclub Feuer gelegt haben - mit tödlichen Folgen. Seit Mittwoch beschäftigt der Fall das Duisburger Schwurgericht. Die Anklage lautet auf Mord.

Es war die Nacht auf den 14. Juli 2019, als der Angeklagte mit Freunden und Familienangehörigen im niederrheinischen Hamminkeln aufgetauchte. Ziel war ein Rotlicht-Etablissement. Der künftige Schwager wollte heiraten, das sollte gefeiert werden.

Was genau passiert ist, ist noch unklar. Zum Prozessauftakt hat sich der 43-jährige Deutsche auf einen alkoholbedingten Filmriss berufen. «Ich kann mich an nichts mehr erinnern», sagte er den Richtern. Er wisse nicht einmal mehr, dass er überhaupt vor Ort war.

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass der Angeklagte das Feuer aus «Unzufriedenheit über die Leistung der Bediensteten» legte. So steht es in der Anklage. Dabei habe er den Tod zahlreicher Menschen in Kauf genommen.

Ein 64-jähriger Niederländer hatte es nicht mehr geschafft, Rauch und Flammen zu entkommen. Der Mann war von zwei Feuerwehrleuten auf dem Boden neben einem Bett gefunden worden - völlig entkleidet. Die Rettungskräfte begannen mit einer Reanimation begonnen, doch die Hilfe kam zu spät. «Das ganze Gebäude war völlig verqualmt, man konnte nur wenige Zentimeter weit sehen», sagte einer der Feuerwehrleute als Zeuge vor Gericht.

Der Angeklagte war vier Tage später festgenommen worden. Es gibt offenbar Hinweise darauf, dass er nach Verlassen des FKK-Saunaclubs noch einmal durch ein Fenster in das Gebäude zurückgekehrt ist. Genau in diesem Zimmer soll kurz darauf der Brand ausgebrochen sein.

Vom Besuch des Clubs und von dem Feuer will der 42-Jährige erst am nächsten Tag erfahren haben. Nach eigenen Angaben hat er in der Tatnacht Unmengen an Bier und Schnaps getrunken. Wie viel genau wisse er nicht mehr. Das sei keine Seltenheit gewesen. Seine Familie soll ihn schon mehrfach vor die Wahl gestellt haben: «Entweder der Alkohol oder wir.» Das hatte der 43-jährige Spediteur und Lkw-Fahrer im Gefängnis einem Psychiater erzählt.

Im Prozess sollen nun sowohl die Teilnehmer des Junggesellenabschieds als auch die damaligen Bediensteten des FKK-Saunaclubs als Zeugen gehört werden. Das Duisburger Schwurgericht hat für den Prozess zunächst noch acht Verhandlungstage bis zum 30. April vorgesehen.

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