Prozesse
Bei Fuchsjagd den Treiber getroffen: Wer war der Schütze?

Auf den Fuchs gezielt, den Treiber einer Jagdgesellschaft mit der Schrotladung getroffen. Das Opfer fordert Schadenersatz. Keine einfache Sache fürs Gericht.

Donnerstag, 06.02.2020, 14:43 Uhr aktualisiert: 06.02.2020, 14:52 Uhr
Das Landgericht in Mönchengladbach. Foto: Marius Becker

Mönchengladbach (dpa/lnw) - Fuchsjagd auf einem Feld an einer abgedeckten Strohmiete in Mönchengladbach. Sechs Jäger haben sich um das Strohlager positioniert. Ein erfahrener Treiber schreckt den Fuchs mit seinem Hund auf. Der Fuchs läuft raus. Zwei Jäger richten ihre Schrotflinten auf das Tier und schießen. Hinter der Plane bricht der Treiber von einer Schrotladung getroffen schwer verletzt zusammen. Diese Szene erschließt sich aus der Schilderung der beiden Jäger am Donnerstag vor der Zivilkammer des Landgerichts Mönchengladbach.

Das 77-jährige Opfer hat einen 22-Jährigen, den er für den Unglücks-Schützen hält, auf 20 000 Euro Schmerzensgeld verklagt und auf eine monatliche Schmerzensgeldrente von 200 Euro. Der Beklagte will es nicht gewesen sein. Der Treiber sei von einem anderen Jäger neben ihm getroffen worden.

Vier Jahre ist der Unfall jetzt her. Aber noch immer steckten eine Reihe von Bleikugeln in seinen Beinen, berichtete der damals getroffene, heute 77-jährige Mann auf dem Gerichtsflur: «Kann man nicht rausoperieren.» Als Treiber habe er Erfahrung seit dem 16. Lebensjahr - mit Unterbrechung, sagte der bodenständig wirkende Mann in der Sprachfärbung der Region.

Für ihn ist klar, dass ihn der 22-Jährige getroffen haben muss. Er selbst war mit seinem Hund Berry in der Strohmiete, wie er dem Gericht schilderte - einer Mischung aus Jack Russel und Dackel: Als der Hund anschlug, machte er auch Lärm. «Ich hatte grüne Stiefel an. Die konnte man vor dem hellen Stroh gut sehen.»

Dann hörte er einen Schuss: «Ich bin umgefallen und habe geschrien.» Der 22-Jährige habe sich später bei ihm entschuldigt und auch dessen Vater für den Sohn. Er habe nur gesagt, dass es ihm leid tue, bestritt das der junge Mann.

Er ist Sohn eines Jagdpächters: Vor Gericht erschien er sehr gut gekleidet, mit dunklem Anzug, weißem Hemd und Krawatte. Die Sprache geschliffen. Den Jagdschein habe er mit 16 bekommen, sagte er vor Gericht. Nein, er sei am Unfalltag nicht Gast der Gesellschaft gewesen, sondern «Begehungsscheininhaber», antwortete er der Richterin. Die Flinte sei vom Vater gewesen, der an dem Tag dabei gewesen sei.

Er habe die Miete nicht unter «Direktbeschuss» genommen, sondern Richtung Boden auf den laufenden Fuchs gezielt. Nach dem Unfall habe er mit einem anderen Jäger dem Verletzten mit Gürteln die Beine abgebunden. Er habe zuerst gedacht, nur er habe geschossen - bis klar wurde, dass auch der 84-Jährige einen Schuss abgegeben hatte.

Der wippte bei seiner Aussage unruhig mit den Füßen unter dem Stuhl. Er jage seit 50 Jahren, sagte er aus. Nach dem Unfall sei er traumatisiert gewesen. Deshalb habe er der Polizei damals nicht sofort erzählt, dass auch er einen Schuss abgegeben hatte.

Die Staatsanwaltschaft hatte damals die Ermittlungen gegen den 22-Jährigen nach Gerichtsangaben eingestellt: Neben dem jungen Mann komme auch der heute 84-jährige als Unfall-Schütze in Betracht. Er habe in etwa gleichzeitig geschossen. Wer den Treiber traf, habe nicht geklärt werden können. Die Chancen einer Zuordnung seien ausgesprochen schwierig, sagte die Vorsitzende Richterin zum Beginn der Verhandlung.

Für den Fuchs endete die Jagd übrigens tödlich. Er lief einem Jäger auf der anderen Seite der Strohmiete vor die Flinte.

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