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Wälder kommen glimpflich durch Sturm: Eventuell Folgeschäden

Bange hatten die gebeutelten Förster und Waldbesitzer auf den Orkan «Sabine» geblickt. Am Tag danach ist klar: Die Schäden sind weniger dramatisch als befürchtet. Doch für den kranken Wald in Nordrhein-Westfalen war die Nacht ein weiterer herber Rückschlag.

Montag, 10.02.2020, 15:59 Uhr aktualisiert: 10.02.2020, 16:12 Uhr

Münster (dpa/lnw) - Die Schäden in Nordrhein-Westfalens Wäldern durch den Sturm «Sabine» sind nach ersten Einschätzungen weniger dramatisch als befürchtet. Zwar seien in den Waldgebieten nach Rückmeldungen der ersten Forstämter Tausende Bäume umgestürzt und Wege versperrt. «An Dimensionen von Stürmen wie «Kyrill» oder «Friederike» reicht das aber nicht heran», sagte Michael Blaschke, Sprecher von Wald und Holz am Montag. 2007 und 2018 wurden jeweils mehrere Millionen Bäume entwurzelt.

Dennoch sei der Sturm «ein weiteres Päckchen, dass unser Wald jetzt tragen muss», sagte Blaschke. Erst in den nächsten Wochen und Monaten werde sich zeigen, was der Sturm angerichtet habe. So habe der Orkan so sehr an den Bäumen gerüttelt, dass viele Feinwurzeln gerissen seien. «Ein gesunder Baum kann es verkraften. Für einen kranken Baum, ist das ein Todesurteil. Und wir haben einfach irre viele kranke Bäume», erklärte Blaschke.

Der Zustand der Wälder im Land ist nach Stürmen und Dürre der vergangenen Jahre sehr schlecht. Riesige Waldflächen in Nordrhein-Westfalen sind dem Borkenkäfer zum Opfer gefallen. Nur etwa jeder fünfte Baum hat dem Umweltministerium zufolge keine Schäden.

Von schwer absehbaren Folgen der Sturmnacht spricht daher auch Ute Kreienmeier, Vize-Geschäftsführerin vom Gemeindewaldbesitzerverband NRW. Zwar gaben ihren Angaben zufolge die Förster in den kommunalen Wäldern von Sauerland, Eifel, Lippe und Ostwestfalen an, mit einem «leicht blauen Auge» davon gekommen zu sein. «So ein Sturm ist aber ein weiterer enormer Stressfaktor für unsere Bäume und wir wissen nicht, wie sich das entwickelt», sagte Kreienmeier. «Wir haben ja beispielsweise in Ostwestfalen kaum noch Fichten, die hätten umfallen können», sagte sie. Wenn nun der Sturm eine ganze Nacht an den noch stehenden Bäumen nage, schwäche es sie weiter. «Entweder die angeschobenen Bäume fallen beim nächsten kleineren Sturm um oder sie sind gefundenes Fressen für die Borkenkäfer», sagte sie.

Auch Wald und Holz spricht davon, dass die größten erkennbaren Schäden an den neu entstandenen Waldrändern zu finden seien. Eine genaue Erhebung könne jedoch erst in den nächsten Tagen erfolgen. Erst müssten Wege geräumt werden, um den Wald überhaupt betreten und Schäden genauer sichten zu können. In einigen Höhenlagen fegten zudem auch am Montag noch Orkanböen durch die Wälder, so dass sich auch die Forstleute zunächst fernhielten.

Der Landesbetrieb warnte gleichzeitig Spaziergänger, Freizeitsportler oder Neugierige davor, Wälder in den nächsten Tagen zu betreten. Jederzeit könnten angeschlagene Bäume umkippen oder abgeknickte Äste herabfallen. Viele Wege seien durch Stämme und Äste versperrt. Wo Fällarbeiten laufen, herrsche ohnehin Lebensgefahr für Passanten. Rangerwanderungen im Nationalpark Eifel und Südwestfalen seien deswegen für die nächsten Tage ebenfalls abgesagt worden.

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