Prozesse
Doppelmord-Prozess: Hinterhalt im Bahnhofs-Parkhaus

Weil er seine Ehefrau laut Anklage als sein Eigentum betrachtet hat, soll ein Mann zum Doppelmörder geworden sein. Seit Dienstag steht er vor Gericht – und schweigt. Die Zeugenaussagen sind erschütternd.

Dienstag, 11.02.2020, 16:41 Uhr aktualisiert: 11.02.2020, 16:52 Uhr
Eine Bronzestatue der Justitia steht unter freiem Himmel. Foto: Arne Dedert

Hagen (dpa/lnw) – Polizeibeamte im Saal, doppelte Kontrollen, jede Menge Justizwachtmeister: Unter verschärften Sicherheitsvorkehrungen hat am Dienstag in Hagen der Doppelmord-Prozess gegen einen 44-jährigen Kosovaren begonnen. Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im vergangenen August am Bahnhof von Iserlohn zunächst seine getrennt von ihm lebende Ehefrau und anschließend deren Lebenspartner erstochen zu haben. Zum Prozessauftakt äußerte sich der Angeklagte nicht zu den Vorwürfen.

Die erhöhte Sicherheitsstufe war angeordnet worden, weil es nach Angaben von Gerichtssprecher Bernhard Kuchler im Vorfeld des Verfahrens einen «Blutracheschwur» von der albanischen Familie des getöteten Mannes gegeben haben soll.

Es war der 17. August 2019, als sich am Bahnhof von Iserlohn grausame Szenen abgespielt haben. Der Angeklagte soll seiner Ehefrau in einem Parkhaus aufgelauert und immer wieder zugestochen haben. Die Frau verblutete auf dem Betonboden des Parkhauses, zwischen zwei Autos.

Dem neuen Lebenspartner der 32-Jährigen war es trotz schwerster Verletzungen noch gelungen, bis zu den Gleisen am Bahnhof zu fliehen. Dann soll ihn der Angeklagte jedoch eingeholt und erneut auf ihn eingestochen haben. Die Ärzte zählten später über 70 Stich- und Schnittverletzungen.

Der Angeklagte habe den Mann regelrecht gequält, sagte Staatsanwalt Michael Burggräf am Rande des Prozesses. Außerdem habe er mit seinem Mobiltelefon sogar noch zwei Fotos von dem Sterbenden gemacht und die Bilder an Bekannte verschickt. «Dadurch können wir allerdings nachweisen, dass das Opfer bis zum Schluss gelebt hat und dann erst gestorben ist», so Burggräf.

Laut Staatsanwaltschaft hatte die 32-jährige Ehefrau ihren Mann bereits 2018 verlassen und war von Bergisch-Gladbach ins Frauenhaus von Iserlohn geflüchtet. Ihr geheimer Aufenthaltsort war aber offenbar schnell enttarnt worden. Die Ermittler gehen davon aus, dass dem Angeklagten anhand von Kontoauszügen aufgefallen war, dass seine Frau immer mal wieder Geld an einem Automaten am Bahnhof von Iserlohn abhob. Er soll bereits seit Ende 2018 versucht haben, ihr dort aufzulauern.

«Er hat seine Frau als seinen Besitz und sein Eigentum angesehen», so die Anklage. Deshalb hätten aus Sicht des Angeklagten beide sterben müssen. Sie, weil sie ihn verlassen habe. Der neue Partner, weil er dem Angeklagten die Frau weggenommen habe.

Die Bluttat fand vor mehreren Augenzeugen statt, einige davon waren auf dem Weg zu einer Hochzeit. «Der Täter war voller Wut und Hass und stach die ganze Zeit zu», sagte eine der Zeuginnen den Richtern.

Das gemeinsame, damals erst zwei Monate alte Baby des Paares saß während der Bluttat im Auto. Ein Augenzeuge hatte es schließlich auf den Arm genommen, weil es geweint hatte.

Das Hagener Schwurgericht hat für den Prozess zunächst noch sieben Verhandlungstage bis zum 24. März vorgesehen.

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