Erster Corona-Fall in Münster
Mann wird nach Iran-Reise im UKM behandelt / Kein Bezug zu Heinsberg

Münster/Heinsberg -

Es war nur eine Frage der Zeit. Am Samstag wurde das Corona-Virus bei einem Mann aus Münster nachgewiesen. Er wird im UKM behandelt. Einen Bezug zu der Karnevalsfeier in Heinsberg gibt es nicht.

Sonntag, 01.03.2020, 17:26 Uhr aktualisiert: 01.03.2020, 18:30 Uhr
Im Universitätsklinikum Münster (UKM) wird ein mit dem Corona-Virus infizierter Mann behandelt. Foto: Oliver Werner

Das erstmals in China identifizierte Choronavirus hat das Münsterland erreicht: Ein 51-jähriger Mann aus Münster hat sich mit dem Virus infiziert, wie am Samstagabend festgestellt wurde. Der Mann befindet sich zur stationärem Behandlung im Universitätsklinikum (UKM). Der Patient hat leichte Symptome und ist in einem guten Zustand. Wie bei dieser Erkrankung festgelegt, ist der Patient isoliert und ohne anderen Patientenkontakt auf einer Station außerhalb des Zentralklinikums untergebracht. Die sonstige Patientenversorgung sei nicht betroffen und laufe normal weiter.

Urlaubsaufenthalt im Iran

Der Mann zeigte nach einem zweiwöchigen Urlaubsaufenthalt im Iran auf der Rückreise Symptome. Er war von Teheran nach Frankfurt geflogen und von dort mit Bahn und Auto über Köln nach Münster gereist. Mit seinem Privatauto fuhr er zunächst zu seiner Wohnung. Nach der Ankunft in Münster suchte er umgehend die Ambulanz des UKM auf und ließ einen Test durchführen. Das positive Testergebnis vom Institut für klinische Virologie  lag dann am Samstagabend vor, in Abstimmung mit dem Gesundheitsamt der Stadt folgte die stationäre Behandlung in der Uniklinik. Die Ehefrau hat sich freiwillig in häusliche Quarantäne begeben. „Das Ehepaar hat sich sehr umsichtig verhalten“, erklärte Münsters Ordnungsdezernent Wolfgang Heuer. „Nach Lage der Dinge handelt es sich um eine gut händelbare Situation. Der Fall in Münster ist landesweit der bisher einzige ohne einen Bezug zu einer Feier in Heinsberg.

Zahl der am Coronainfizierten in NRW angestiegen

Unterdessen steigt die Zahl der am Coronainfizierten in NRW stark weiter. Bis Sonntag gab es im besonders betroffenen Kreis Heinsberg 68 bestätigte Fälle. Im Kreis Heinsberg wurden auch vier Kinder einer Kita positiv getestet. Es gehe ihnen gut, sie zeigten „allenfalls leichte Erkältungssymptome“. Für 1000 Personen endete dort die häusliche Quarantäne.

Weltweit sind etwa 60 Länder betroffen. Das waren zehn mehr als am Vortag. Während sich in China eine Entspannung abzeichnete, ist im Iran und in Südkorea die Lage kritisch.

Die wichtigsten Infos zum Coronavirus

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  • Corona

    Immer mehr neue Fälle und Nachrichten rund um das neue Coronavirus Sars-CoV-2 - auch in Deutschland. Doch woran erkenne ich eine Infektion? Und was mache ich dann?

    Foto: dpa (Symbolbild)
  • Woran erkenne ich eine Infektion?

    Die Symptome der von dem Virus verursachten Erkrankung Covid-19 (für Corona virus disease 2019) sind laut Robert-Koch-Institut (RKI) Fieber, trockener Husten, Schnupfen und Abgeschlagenheit. Auch über Atemprobleme, Halskratzen, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schüttelfrost wurde berichtet. Einige Betroffene leiden zudem an Übelkeit und Durchfall. Damit ist es für Laien unmöglich, die Krankheit von der regulären Grippe oder einem grippalen Infekt zu unterscheiden, erklärt Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen. Bei einem schwereren Verlauf sind Atemprobleme oder eine Lungenentzündung möglich.

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  • Wie gefährlich ist Covid-19?

    Die Krankheitsverläufe variieren laut Robert-Koch-Institut stark, von symptomlosen Verläufen bis hin zu schweren Pneumonien mit Lungenversagen und Tod. Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO verläuft die Krankheit gerade bei Kindern und jungen Erwachsenen mild. Insgesamt erkrankt nach WHO-Angaben etwa jeder fünfte Infizierte so schwer, dass er im Krankhaus behandelt werden müsse.

    Die Gefahr für die Gesundheit der Bevölkerung wird in Deutschland vom RKI aktuell (Stand 3.3. - zur Risikobewertung ) als mäßig eingeschätzt. Eine weltweite Ausbreitung des Erregers sei zu erwarten. Diese Einschätzung könne sich kurzfristig durch neue Erkenntnisse ändern.

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  • Wie wird das Virus übertragen?

    Das neue Coronavirus ist von Mensch zu Mensch übertragbar. Der Hauptübertragungsweg ist die Tröpfcheninfektion. Dies kann direkt von Mensch-zu-Mensch über die Schleimhäute geschehen oder auch indirekt über Hände, die dann mit Mund- oder Nasenschleimhaut sowie die Augenbindehaut in Kontakt gebracht werden.

    Es wurden auch Fälle bekannt, in denen sich Personen bei Betroffenen angesteckt haben, die nur leichte oder unspezifische Krankheitszeichen gezeigt hatten. Diese Fälle spielen bei der Verbreitung laut RKI jedoch „offenbar keine größere Rolle”.

    Die Viren wurden auch in Stuhlproben einiger Betroffener gefunden. Ob SARS-CoV-2 auch fäkal-oral verbreitet werden kann, ist noch nicht abschließend geklärt. Nach Angaben der Welgesundheitsorganisation WHO scheint dieser Übertragungsweg in China keine Rolle zu spielen.

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  • Wie hoch ist die Ansteckungsgefahr?

    Von den Menschen, die mit einem Kranken in Kontakt kommen, infizieren sich nach Einschätzung von Christian Drosten, Direktor des Instituts für Virologie der Charité in Berlin, derzeit „5 bis 10 Prozent".

    Die Gefahr, sich in Deutschland mit Grippe- und Erkältungsviren anzustecken, ist nach wie vor ungleich höher als eine Infektion mit dem neuartigen Coronavirus. Einige Zahlen dazu: Seit Oktober 2019 wurden in Deutschland insgesamt etwa 120.000 labordiagnostisch bestätigte Influ­enzafälle an das RKI übermittelt. Rund ein Sechstel (17 Prozent) dieser Erkrankungen verlief so schwer, dass Patienten ins Krankenhaus kamen. Nachweislich sind in dieser Grippesaison bereits rund 200 Menschen daran gestorben. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Deutschland liegt bei rund 500 (Stand 6.3., 7 Uhr, zu den aktuellen Fallzahlen ), einen Todesfall gab es bislang nicht.

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  • Wie lange dauert die Inkubationszeit?

    Die Inkubationszeit, also die Zeit von der Ansteckung mit den Viren bis zum Ausbruch der Krankheit, kann nach Einschätzung des Robert-Koch-Instituts bis zu 14 Tage betragen. Im Durchschnitt beträgt sie der WHO zufolge 5 bis 6 Tage.

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  • Welche Verhaltensregeln gibt es?

    Personen, die (unabhängig von einer Reise) einen persönlichen Kontakt zu einer Person hatten, bei der das SARS-CoV-2-Virus im Labor nachgewiesen wurde, sollten sich unverzüglich und unabhängig von Symptomen an ihr zuständiges   Gesundheitsamt  wenden. 

    Personen, die sich in einem  vom RKI ausgewiesenen Risikogebiet  aufgehalten haben, sollten – unabhängig von Symptomen – unnötige Kontakte vermeiden und nach Möglichkeit zu Hause bleiben.

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  • Wenn Sie Symptome feststellen... 

    Betroffene sollten vor dem Gang zur Haus- oder Kinderarztpraxis unbedingt dort anrufen. Am Telefon wird das weitere Vorgehen und tatsächliche Risiko beraten. Möglich ist ein Selbsttest (Abstrich) daheim, wenn der Mediziner eine entsprechende Veranlassung sieht.

    Wer einen begründeten Verdacht hat, mit Sars-CoV-2 infiziert zu sein, sollte unnötige Kontakte meiden (möglichst zwei Meter Abstand zu anderen Menschen) und zu Hause bleiben - wie auch bei der Grippe.

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  • Welche Vorsichtsmaßnahmen sollte man ergreifen?

    Wichtig außerdem, und zwar für alle: Gute Handhygiene, also regelmäßiges Waschen mit Seife. Zudem sollten die Hände vom eigenen Gesicht ferngehalten und aufs Händeschütteln verzichtet werden. Wichtig auch: Richtiges Husten und Niesen - in ein Einmaltaschentuch oder die Armbeuge also. Geschlossene Räume sollte man regelmäßig lüften.

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  • Brauche ich Atemmasken und Desinfektionsmittel?

    Atemmasken sind für gesunde Menschen nicht nötig. Und auch ständiges Desinfizieren der Hände ist laut Oliver Witzke, Direktor der Klinik für Infektiologie der Universitätsmedizin Essen, überflüssig.

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  • Noch Fragen?

    Das Robert-Koch-Institut hat eine Liste mit Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus zusammengestellt.

    Weitere Informationen gibt es hier:

    Hotline der Stadt Münster: 0251/4921077 (Mo-Mi 8-17, Do 8-18, Fr 8-12)

    Patientenhotline der Kassenärztlichen Vereinigung: 116117

    Hotline der Bezirksregierung für Schulfragen: 0251/4114198 (Mo-Fr 8-16)

    Bürgertelefon des NRW-Gesundheitsministeriums 0211/8554774 (Mo-Fr 8-18 Uhr)

    Hotline des Bundesministerium für Gesundheit: 0800/0117722 (Mo-Do 8-18, Fr 8-12; unabhängige Patientenberatung)

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