Kirche
Missbrauch: Ruhrbistum lässt Skandal aufarbeiten

Der Missbrauchsskandal hat die katholische Kirche tief erschüttert. Die Aufarbeitung dauert an. Im Ruhrbistum soll dies jetzt ein unabhängiges Forschungsinstitut übernehmen. Die Ergebnisse der Studie sollen helfen, Missbrauch Minderjähriger künftig zu verhindern.

Freitag, 06.03.2020, 12:38 Uhr aktualisiert: 06.03.2020, 12:52 Uhr
Das Foto zeigt das Bistum Essen (Nordrhein-Westfalen). Foto: Roland Weihrauch

Essen (dpa/lnw) - Als Folge des Missbrauchsskandals in der katholischen Kirche lässt das Bistum Essen jetzt erforschen, welche Strukturen in der Vergangenheit sexuellen Missbrauch begünstigt haben. Ziel sei es, Missbrauch in Zukunft zu verhindern, sagte Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck am Freitag. Das Forschungsprojekt ist auf zwei Jahre angelegt. Beauftragt wurde das Münchener Institut für Praxisforschung und Projektberatung (IPP). Das Institut hat nach eigenen Angaben bereits Aufarbeitungsstudien unter anderem zu den Vorkommnissen an der Odenwaldschule sowie im Internat des Klosters Ettal durchgeführt.

Ihm sei wichtig, «die strukturellen Hintergründe in unserer Kirche aufzudecken, die Missbrauchstaten unterstützt und ihre spätere Vertuschung ermöglicht haben», sagte Overbeck. Mit den Ergebnissen der Studie will die Diözese anschließend die Präventionsarbeit, aber auch die kirchlichen Strukturen überprüfen und verbessern. Auch andere Bistümer haben ähnliche Studien in Auftrag gegeben. So will etwa das Erzbistum Köln in der kommenden Woche die Ergebnisse vorlegen. Auch im Bistum Münster läuft eine Studie.

Im Ruhrbistum ist unter anderem eine genaue Untersuchung von ausgewählten Fällen sexualisierter Gewalt und Grenzverletzungen durch Kleriker oder andere kirchliche Mitarbeiter gegenüber Minderjährigen geplant. Bei solchen Tiefenanalysen solle festgestellt werden, «wie die Bistumsverantwortlichen mit Hinweisen auf sexualisierte Gewalt verfahren sind, wie mit Betroffenen umgegangen wurde und welche Auswirkungen die Taten für die Betroffenen hatten», sagte Helga Dill vom IPP. Sie rief am Freitag Betroffene dazu auf, sich zu melden. Die Forscher planen Interviews - auch mit Tätern.

Bislang wurden dem 1958 gegründeten Bistum 99 Menschen bekannt, die Opfer von sexuellem Missbrauch wurden. 63 Diözesanpriester seien beschuldigt, 19 von ihnen juristisch verurteilt worden. Von den 63 lebten noch 13. In einem erst 2019 bekanntgewordenen Fall laufe noch ein straf- sowie ein kirchenrechtliches Verfahren.

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