Gesundheit
Hebammenverband: Versorgung von Schwangeren leidet in Krise

Eine Hebamme zu finden, war auch vor der Coronakrise eine Herausforderung. Weil ihnen Schutzausrüstung fehlt, ziehen sich zusätzlich Hebammen aus der Betreuung zurück, warnt der Berufsverband.

Sonntag, 03.05.2020, 08:48 Uhr aktualisiert: 03.05.2020, 09:02 Uhr
Eine Hebamme trägt eine Schutzausrüstung und untersucht eine Patientin. Foto: Caroline Seidel

Köln (dpa/lnw) - Die Versorgung von Schwangeren und frisch gebackenen Müttern kommt in der Corona-Krise aus Sicht des Hebammenverbandes NRW vielfach zu kurz. Wegen weiterhin fehlender Schutzausrüstung für freiberufliche Hebammen sei die Betreuung «zum Teil massiv heruntergefahren» worden, sagte die Landesvorsitzende Barbara Blomeier der Deutschen Presse-Agentur.

Bei Infizierten mit Covid-19 oder entsprechenden Verdachtsfällen könnten Hausbesuche nur mit entsprechender Schutzkleidung erfolgen. «Doch weil kaum eine Hebamme mit Kitteln, Masken und Schutzbrillen ausgestattet ist, bleiben diese Frauen häufig unversorgt», sagte Blomeier. Hebammen, die selbst zur Risikogruppe gehörten, zögen sich ebenfalls mangels Möglichkeit, sich selbst zu schützen, aus der Versorgung zurück. «Das ist angesichts des sowieso herrschenden Mangels an Hebammen ein Riesenproblem», sagte Blomeier.

«Die Corona-Krise zeigt: Die Hebammen werden im System einfach nicht mitbedacht», sagte Blomeier. Weder zum ärztlichen noch pflegerischen Personal, noch zu den Heilmittelerbringern gehörend, fielen sie durch alle Raster. Das gelte für die Ausstattung mit Schutzkleidung über kommunale Stellen genau wie für wirtschaftliche Hilfen.

«Dabei sind die Verdienstausfälle massiv», sagte Blomeier. Eine aktuelle Abfrage der Berufsverbandsmitglieder habe ergeben, dass ein Großteil der Hebammen Einbußen von 50 Prozent oder mehr zu verzeichnen habe. Hausbesuche fallen flach, aber auch Kursangebote wie Geburtsvorbereitung oder Babyschwimmen sind gestrichen. «Vieles lässt sich nicht oder nicht zum selben Preis ins Internet verlagern», sagte Blomeier.

Auf anhaltende Kurskorrektur hofft der Hebammenverband bei der Haltung mehrerer nordrhein-westfälischer Geburtskliniken zur Frage, ob Väter und andere Begleitpersonen aus Infektionsschutzgründen aus dem Kreißsaal verbannt werden dürfen. Zeitweise hatte es solche Regelungen etwa in Bonn oder Hamm gegeben. «Das hat viele werdende Mütter enorm belastet», sagte Blomeier. Als Reaktion sei deswegen auch das Interesse an Hausgeburten spürbar anstiegen.

«Ein solcher Schritt muss aber wohlüberlegt sein», warnte Blomeier. «Sich für eine Hausgeburt zu entscheiden, nur weil es das kleinere Übel wäre, weil im Krankenhaus die Begleitperson nicht dabei sein kann, ist der falsche Antrieb.» Viele ihrer Kolleginnen könnten den Anfragen ohnehin nicht so einfach nachkommen: «Wer jahrzehntelang keine Hausgeburt begleitet hat, ist weder ausgestattet noch vorbereitet, das aus dem Stand anzubieten», sagte Blomeier. Daten, ob die Situation verunsicherter werdender Eltern tatsächlich zu einem Anstieg der Geburten in den eigenen vier Wänden geführt haben, liegen nicht vor.

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