Gesundheit
Köln hilft Tauben in der Corona-Krise

An Tauben in der Stadt scheiden sich die Geister. Kinder lieben sie, viele andere finden ihre Anwesenheit weniger erfreulich. Durch Corona hatten die gurrenden Tiere die Innenstädte bisweilen für sich allein - was in Sachen Futter zum Problem wurde. Köln hatte eine Lösung.

Mittwoch, 06.05.2020, 16:02 Uhr aktualisiert: 06.05.2020, 16:12 Uhr
Tauben trinken aus einer Wasserpfütze, in der sich Sonnenlicht spiegelt. Foto: Oliver Berg

Köln (dpa/lnw) - Ein halb angekautes Brötchen neben der Parkbank, ein paar Fritten, die beim gierigen Verschlingen zu Boden gefallen sind: Für Tauben sind deutsche Innenstädte eine reiche Nahrungsquelle. Rund um Imbissbuden, Restaurants und Cafés bleibt eben immer etwas Essbares liegen. Die Corona-Pandemie hat diese kulinarische Koexistenz allerdings auf eine harte Probe gestellt - die Menschen blieben zu Hause, die Geschäfte dicht, es lagen weniger Essensreste herum. Und den darbenden Tauben musste geholfen werden - so sah man es zumindest in Köln.

Wie nun bekannt geworden ist, hat die Stadt in den vergangenen Wochen ihr Fütterungsverbot für Tauben in Teilen aufgeweicht. Rund 25 Tierschützern wurde erlaubt, die Vögel an «Taubenhotspots» mit Essen zu versorgen, wie die Verwaltung am Mittwoch erklärte. Hintergrund: Die Sorge, die Tiere könnten in Zeiten von Kontaktbeschränkungen verhungern. Mehrere Medien hatten berichtet.

Normalerweise darf man auch in Köln keine Tauben füttern. Wer gegen das Verbot verstößt, muss mit bis zu 1000 Euro Strafe rechnen. Aber das Umweltamt folgte nach eigenen Angaben im März der Einschätzung von Tierschützern, nach der den Vögeln geholfen werden muss. Vermehrt seien damals schon «geschwächte und verhungernde Tauben» gefunden worden, heißt es in einer Stellungnahme. Ohne Sonderregel hätte die Stadt einen langsamen Tod der Tiere hingenommen. Das sei mit dem Tierschutz nicht vereinbar. Denn: Als «verwilderte Haustauben» gelte für die Vögel das Tierschutzgesetz.

Die Lösung: Helfer des Tierschutzvereins und der «Arbeitsgruppe gegen die Stadttaubenproblematik» wurden ermächtigt, die Tauben an bestimmten Plätzen mit Körnerfutter zu päppeln. Die Erlaubnis gilt für Orte, an denen ein «vermehrtes Aufkommen von Stadttauben» beobachtet worden sei. Gemeint ist etwa die Domplatte. Zudem schauen sich die Helfer an, wie es den Vögeln gesundheitlich geht.

Beim Tierschutzbund ist man erfreut. Stadttauben seien keine Wildtiere, sondern Nachfahren von Haustauben, die der Mensch über viele Generationen hinweg domestiziert habe, erklärte eine Sprecherin. Die Art sei daher genetisch an das Zusammenleben mit dem Menschen angepasst - und auch auf ihn angewiesen. «Das Problem ist also menschengemacht. Wir, die wir die Tiere zu dem gemacht haben, was sie sind, tragen eine besondere Verantwortung.»

Die Tierschützer hatten Ende März die Städte aufgefordert, den Tauben in der Corona-Krise zu helfen. Nach Angaben des Vereins gab es nicht nur aus Köln positive Rückmeldungen, sondern auch aus anderen Städten, etwa aus Berlin, Braunschweig und Mannheim.

In Köln werden die Vögel allerdings nicht mehr allzu lang auf ihre Futterhelfer bauen können. Die Sonderregelung ist an die Corona-Beschränkungen gebunden, die aktuell ja gelockert werden. Ein Stadtsprecher sagt: «In Kürze wird das Thema erledigt sein.»

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