Kriminalität
Ermittlungen zu Kita-Mord: Erzieherin in Kitas gescheitert

Vier Kitas, vier desaströse Bewertungen für die mordverdächtige Erzieherin: emotionslos, nicht vertrauenswürdig, keine Kompetenz. Ein herzkrankes Kind hat gerade noch überlebt.

Montag, 08.06.2020, 16:41 Uhr aktualisiert: 08.06.2020, 16:52 Uhr
Peter Biesenbach (CDU), Justizminister von Nordrhein-Westfalen. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die Erzieherin, die in Viersen ein Kita-Kind ermordet haben soll, ist nach einem Bericht des NRW-Justizministeriums in allen vier Kita-Einrichtungen gescheitert. Bei ihrem Anerkennungsjahr in einer Krefelder Kita durfte sie demnach bis zum Schluss nicht allein mit den Kindern sein, da man ihr nicht das Vertrauen entgegengebracht habe, heißt es in einem Bericht von NRW-Justizminister Peter Biesenbach (CDU) an den Rechtsausschuss. Das Papier liegt der Deutschen Presse-Agentur vor. Insgesamt sei die 25-Jährige völlig ungeeignet gewesen.

Der Arbeitsvertrag in der anschließenden Kita in Kempen wurde demnach wegen «fehlender fachlicher Kompetenz und Engagement» von der Einrichtung nicht verlängert. Auch der Arbeitsvertrag der Frau in Tönisvorst wurde nach der Probezeit gekündigt - unter anderem wegen fehlender Zeugnisse und wegen großer Probleme mit der Wahrheit verbunden mit häufigen Fehlzeiten, hieß es im Bericht.

An ihrer letzten Arbeitsstelle in Viersen war sie mit einer Kündigung einem vorzeitigen Ende ihres Arbeitsverhältnisses zuvorgekommen. Die Beschuldigte habe sich den Kindern gegenüber emotions- und teilnahmslos, teilweise distanziert verhalten. Ihren Kollegen gegenüber sei sie dagegen sehr forsch und bestimmend aufgetreten.

Die 25-jährige Erzieherin soll das dreijährige Kita-Kind Greta in Viersen heimtückisch ermordet haben. Nach bisherigen Ermittlungen sei davon auszugehen, dass die Erzieherin das schlafende Kind stranguliert habe, die Atemwege verschlossen oder den Brustkorb komprimiert habe, um das Kind zu ersticken, heißt es in dem Bericht. Das Kind sei am 4. Mai an einem so genannten hypoxischen Hirnschaden gestorben. Bei ihren Ermittlungen waren die Behörden in allen Kitas auf Vorfälle mit Kindern gestoßen.

Betroffen war laut dem Bericht dabei auch ein herzkrankes Kind der Kita in Tönisvorst. In der Kita «An der Biberburg» sei bekannt gewesen, dass das Mädchen unter einem angeborenen Herzfehler leide, heißt es in einem Bericht. In Tötungsabsicht habe die Beschuldigte dem Kind an der Wickelstation so lange auf den Brustkorb gedrückt, bis es ohnmächtig wurde und blau anlief. Die Erzieherin rief die Kollegen, die und der Notarzt retteten das Kind.

Die Beschuldigte selbst habe «teilnahmslos und nahezu entspannt» im Raum gestanden, wie die ermittelnde Staatsanwaltschaft Mönchengladbach in dem Bericht schreibt. Das Kind wurde gerettet. In rechtlicher Hinsicht sei von einem freiwilligen Rücktritt vom Versuch der Tötung auszugehen. Ermittelt werde in dem Fall wegen Misshandlung von Schutzbefohlenen. Die Erzieherin bestreite die Tatvorwürfe, ohne in ihrer Vernehmung als Beschuldigte Angaben gemacht zu haben.

Im Raum stehen weitere Fälle des Misshandlungsverdachts. Das herzkranke Mädchen habe seinen Eltern einen blauen Fleck am Rücken gezeigt mit der Bemerkung, dass die Erzieherin sie die Treppe hinunter gestoßen habe. Ein Vater eines Kita-Kindes in Kempen gab laut Bericht an, sein Kind sei mit Kratzwunden und Hämatomen an Rücken und Oberarm nach Hause gekommen. Diese Verletzungen könnten nur von der Erzieherin kommen. Eine Mutter eines Kita-Kindes gab an, ihre Tochter habe einmal unerklärliche Kratzwunden gehabt.

Nachrichten-Ticker