Agrar
Weniger Schlachtungen: Ärzte warnen vor überfüllten Ställen

Berlin (dpa) - Tierärzte warnen angesichts geschlossener Schlachthöfe und verringerter Schlachtkapazitäten in der Corona-Krise vor überfüllten Ställen und längeren Transporten für die Tiere. Durch den Wegfall von mehreren zehntausend Schlachtungen pro Tag ergäben sich «große Tierschutzprobleme», teilte die Bundestierärztekammer am Montag mit. Enger besetzte und überfüllte Ställe könnten besonders bei sommerlichen Temperaturen zu Kreislaufbelastung für Tiere führen. «Es ist nicht auszuschließen, dass dadurch vermehrt Tiere verenden», warnten die Experten. Die Transportwege zu anderen Schlachtstätten würden «deutlich länger».

Montag, 06.07.2020, 15:00 Uhr aktualisiert: 06.07.2020, 15:12 Uhr
Julia Klöckner, Bundesministerin für Landwirtschaft, spricht im Deutschen Bundestag. Foto: Christophe Gateau

«Fehlende Schlachtkapazitäten durch andere Standorte zu kompensieren, ist nur schwer möglich: Die notwendigen Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln haben bereits deutliche Kapazitätseinbußen zur Folge», teilte die Bundestierärztekammer mit. Aufgrund der branchenweiten Tests und zahlreicher offener Testergebnisse stünden weniger Mitarbeiter zur Verfügung. Es sei zu erwarten, dass sich die Lage weiter zuspitze. Die Bundesregierung müsse umgehend einen Krisengipfel einberufen, um mit Tierärzten, Landwirten, Schlachthofbetreibern und Behörden Lösungen zu finden.

Eine Sprecherin der für Tierwohl zuständigen Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) bestätigte, dass es ein «Riesenproblem für Landwirte» gebe aufgrund der geringeren Schlachtkapazitäten. Es werde an einer Lösung gearbeitet, Konkretes dazu gebe es aber noch nicht.

Nachdem sich Corona-Infektionen in mehreren Schlachthöfen gehäuft hatten, sind Betriebe teils geschlossen. In anderen sollen die Mitarbeiter nun häufig auf das Virus getestet werden.

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