Schulen in NRW starten unter strengen Vorgaben
Maskenpflicht in der Klasse

Düsseldorf -

Jetzt kommt sie doch - die Maskenpflicht an den Schulen in NRW. Für ältere Jungen und Mädchen soll sie sogar im Unterricht gelten. Schulministerin Yvonne Gebauer reagiert damit auf steigende Infektionszahlen.

Dienstag, 04.08.2020, 05:30 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 09:37 Uhr
NRW-Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP). Foto: Fabian Strauch

Als erstes der großen Bundesländer versucht Nordrhein-Westfalen den Neustart des kompletten Schulsystems unter Corona. Während viele Hygiene-Vorgaben bereits seit Juni in Kraft sind, hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Montag mit der Maskenpflicht auf Pausenhöfen, in Schulfluren und Klassen-räumen strenge Regeln für den Schulalltag festgelegt. Bis Ende August will sie beobachten, wie Schüler und Lehrer damit klarkommen.

Schulstart: Für Erstklässler und die Schüler der Klasse 5 sind Einschulungsfeiern mit den Eltern erlaubt. Es gelten die Vorgaben der Corona-Schutzverordnung. Gebauer betonte, entscheidend seien die räumlichen Möglichkeiten an jeder Schule.

Frische Luft: Grundsätzlich müssen Klassenräume regelmäßig gründlich gelüftet werden. „Räume, in denen das nicht möglich ist, sind für den Unterricht nicht zugelassen“, heißt es im Konzept der Schulministerin.

Feste Plätze: In den Klassenräumen, ebenso in den Kursen sollen alle Schüler feste Sitzplätze einnehmen und in fixen Lerngruppen arbeiten. Die Lehrkräfte müssen das genauso dokumentieren wie die Anwesenheit. Nach vier Wochen werden diese Daten vernichtet.

Corona-Tests: Für sämtliche Beschäftigte an den Schulen, auch im Offenen Ganztag und anderen Bereichen, stellt das Land kostenlose Tests zur Verfügung. Ab nächstem Montag können sie sich alle 14 Tage testen lassen. Schüler sollen hingegen nur umfassend getestet werden, wenn Corona-Infektionen bekannt werden.

Corona-Alarm: Wenn an einer Schule Infektionen auftreten, übernimmt das Gesundheitsamt das Krisenmanagement. Es kann Tests für Gruppen oder für die ganze Schule anordnen. Gebauer betonte, es liege dann im Ermessen der Behörde, ob einzelne Schüler, ganze Klassen oder sogar eine Schule unter Quarantäne gestellt werden.

Unterricht: Der Normalfall wird wieder Präsenzunterricht. Ausdrücklich soll auch der Sportunterricht umfänglich starten — vorsichtig indes, weil Atemschutzmasken nicht getragen werden können. Im Musikunterricht bleibt Singen verboten.

Lernen auf Distanz: Nur wenn das Infektionsgeschehen erfordert, dass Schüler zuhause bleiben, wechseln die Schulen zum Lernen auf Distanz. Das soll möglichst digital erfolgen. Künftig werden die Leistungen im Distanzunterricht bewertet.

Lernstoff: Den im letzten Halbjahr verpassten Stoff können Schüler auch in den Herbstferien nachholen. Entsprechende Angebote würden vorbereitet, wenn die Lehrkräfte ein Bild vom aktuellen Stand haben.

Klassenfahrten: Bis Ende der Herbstferien bleiben Fahrten ins Ausland verboten. Im Inland sind sie möglich. Gebauer mahnte, die Schulen müssten mögliche Stornokosten niedrig halten. „Das Land wird die nicht mehr übernehmen.“

Ansteckungsgefahr: Damit Schüler morgens nicht dicht gedrängt in Bussen und Bahnen stehen, sollen Schulen zwischen 7.30 und 8.30 Uhr flexibler in den Unterricht starten.

Echo: Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft lobte die Maskenpflicht als notwendige Maßnahme. Ebenso sah es der Verband Bildung und Erziehung, obwohl das im Alltag schwer vorstellbar sei. Die SPD begrüßte die Regel, will aber Schüler breit testen lassen

Kommentar

Die Gefahr ist zurück

Mit der Leichtigkeit und Un­bekümmertheit der Sommerferien ist es vorbei — und zwar jäh: Schülerinnen und Schüler sind mindestens für die ersten zweieinhalb Wochen des neuen Lernalltags verpflichtet, eine Atemschutzmaske zu tragen. Corona war nie weg, aber die Risiken sind zurück. So sieht es praktisch aus, mit dem Virus leben zu lernen. Wenn es im Unterricht keine Möglichkeit gibt, Abstand zu halten, führt kein Weg an der Maskenpflicht vorbei.

Es wird insbesondere für die Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 eine echte Herausforderung, mitten im Hochsommer so viel Disziplin zu wahren. Das wird körperlich sehr anstrengend sein. Zudem verschwindet gerade für Kinder und Jugendliche eine wichtige Orientierung: Sie können die Mimik der anderen nicht einordnen. Das schafft eher Unsicherheit als Sicherheit. Lehrkräfte und Eltern werden also viel Motivationsarbeit leisten müssen.

Ministerin Gebauer hat mit neun Tagen Vorlauf strenge Vorgaben für das neue Schuljahr vorgelegt. Damit ist auch klar, dass jede Familie es jetzt selbst in der Hand hat, ob eine Lockerung möglich wird.

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