Corona-Schutz an Schulen
Maskenpflicht ersetzt Abstandsgebot: Bei groben Verstößen droht Schulverweis

Düsseldorf -

Wenn Schüler in NRW dauerhaft gegen die neue Maskenpflicht verstoßen, können sie auch von der Schule verwiesen werden. Darauf hat Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) in einem WDR2-Interview hingewiesen. 

Dienstag, 04.08.2020, 20:29 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 20:45 Uhr
Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) spricht. Foto: Fabian Strauch

In vielen Alltagsbereichen ist sie zur Gewohnheit geworden: Beim Einkaufen, in der Arztpraxis, beim Restaurantbesuch, im Museum, erst recht in Bussen und Bahnen gehören Atemschutzmasken längst zum eingeübten Verhalten.

Der Sinn der Pflicht: Die Mitmenschen nicht mit einem möglicherweise eingefangenen Coronavirus anstecken. Vor allem dann, wenn der Mindestabstand nicht gewahrt werden kann. Genau deshalb ist in NRW eine heftige Debatte über die von Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) verordnete Maskenpflicht an den Schulen entbrannt. Nur für Grundschüler gilt die Ausnahme, dass sie am Sitzplatz davon befreit sind.

Forderung nach Augenmaß

Als zum Schutz notwendig, aber „pädagogisch unsinnig“ kritisierte die Landesvorsitzende der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft, Maike Finnern, die Regelung: „Sie ist ein hilfloser Versuch der Landesregierung, den Regel­betrieb trotz Bedenken durchsetzen zu wollen.“ Weil das Abstandsgebot in der Schule nicht einzuhalten sei, müsste das Angebot eigentlich angepasst werden.

Die Maskenpflicht in NRW wertete der Bundesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung, Udo Beckmann, als „das klare Eingeständnis, dass bei der aktuellen Infektionslage nicht einfach auf Abstandsregeln verzichtet werden kann, ohne den Gesundheitsschutz zu gefährden“. Dennoch forderte er Augenmaß: Wenn NRW und Bayern die Maskenpflicht zum Schutz gegen die Corona-Pandemie einsetzten, sei dies nicht auf alle Länder zu übertragen. So zeige eine Studie in Sachsen, dass die Infektionsraten gering sind. Allerdings entstand die Studie vor der Urlaubssaison.

Land muss einspringen

In Niedersachsen können Schüler und Lehrkräfte dem Ferienende entspannter entgegensehen: Die Landes­regierung dort hält eine ­Maskenpflicht für überzogen. Die Schulen sollen in einem eingeschränkten Regelbetrieb mit festen Lerngruppen starten, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) erklärte. Bei einer verschärften Infektionslage sollen die Schulen in einen Schicht­betrieb wechseln.

Nordrhein-Westfalens Schulministerin Gebauer bekräftigte derweil die zunächst bis Monatsende verordnete Maskenpflicht. Wenn Schüler dagegen dauerhaft verstoßen, müssten sie mit einem vorüber­gehenden oder völligen Schulverweis rechnen, sagte sie dem WDR. Harsche Kritik an der Pflicht übte die Linke mit Blick auf den Alltag: Nach den Hygieneregeln müsse eine Maske gewechselt werden, wenn sie durchfeuchtet sei. Wenn Schüler dann zwei bis drei Masken am Tag bräuchten, über­fordere das Familien mit geringem Einkommen. Das Land müsse dann einspringen.

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