Insgesamt 22 Verdächtige
Franzose im Missbrauchsfall von Münster festgenommen

Münster -

Im Missbrauchsfall Münster hat die Polizei im Saarland einen weiteren Tatverdächtigen identifiziert. Nach Angaben der Polizei in Köln wurde der 62-jährige Franzose am Mittwoch in Saarbrücken nach einem Haftbefehl des Amtsgerichts Köln festgenommen. 

Donnerstag, 06.08.2020, 13:31 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 17:45 Uhr
Handschellen sind an einem Gürtel eines Beamten befestigt. Foto: Frank Molter

Bei einer Hausdurchsuchung des Beschuldigten in Frankreich durch die französische Polizei stellten die Ermittler Datenmaterial sicher. Außerdem fand die Polizei eine geladene Schusswaffe und eine Drogenplantage.

Der Mann soll im Dezember 2018 in Pulheim nordwestlich von Köln ein Kind sexuell missbraucht haben. Das Kind, nach Informationen unserer Zeitung der 10-Jährige Sohn der Lebensgefährtin des Hauptbeschuldigten, soll ihm durch eben jenen im Missbrauchsfall Münster bei einem Treffen zugeführt worden sein.

Vorbestrafter Hauptverdächtiger

Der Fall des schweren sexuellen Missbrauchs mehrerer Kinder in Münster war Anfang Juni bekannt geworden. Der 27 Jahre alte Hauptverdächtige war wegen Kinderpornografiebesitzes zweifach vorbestraft. Insgesamt gibt es in dem Komplex nun 22 Verdächtige, von denen elf in Haft sind.

Der Hauptverdächtige soll sich am zehnjährigen Sohn seiner Lebensgefährtin vergangen und den Jungen an andere Männer vermittelt haben. In die Ermittlungen zu Münster ist auch die Ermittlungskommission Berg bei der Kölner Polizei im Zusammenhang mit dem Missbrauchsfall Bergisch-Gladbach eingebunden. Überschneidungen bei den derzeit ausgewerteten Daten gibt es bislang laut Mitteilung aber nicht.

Im Zuge verdeckt geführter Ermittlungen hatte die Kölner Polizei den Beschuldigten im Stadtgebiet von Saarbrücken lokalisiert, wo bereits vorab
informierte Ermittler des Saarlandes den Zugriff vorbereitet hatten. Bei der anschließenden Durchsuchung des Hauses des Beschuldigten in Frankreich durch die französische Polizei im Beisein deutscher Ermittler wurde umfangreiches Datenmaterial aufgefunden und sichergestellt.

Darüber hinaus beschlagnahmten dieBeamten eine scharfe großkalibrige Schusswaffe und entdeckten im Keller desHauses eine Cannabisplantage. Der Beschuldigte soll zeitnah nach Köln überstellt werden, heißt es von der Polizei.
Das Verfahren hat die eingerichtete Task Force zur Bekämpfung von Kindesmissbrauch und Kinderpornographie in digitalen Medien vor
kurzem von der Staatsanwaltschaft Münster zuständigkeitshalber übernommen, nachdem es der Polizei gelungen war, den Beschuldigten zu identifizieren.

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