Schulen
GEW fordert CO2-Ampeln in Klassenräumen

Schulstart «im Regelbetrieb» mit Maskenpflicht im Unterricht - für die GEW ist das eine realitätsferne Vorstellung. Sie fordert pfiffigere Ideen im Corona-Schuljahr - und den Abschied von der Illusion, dass der ganze verpasste Stoff aufgeholt werden kann.

Freitag, 07.08.2020, 14:25 Uhr aktualisiert: 07.08.2020, 14:32 Uhr
Schüler sitzen in einem Klassenzimmer. Foto: Robert Michael

Düsseldorf (dpa/lnw) - CO2-Ampeln, die dicke Luft in Klassenzimmern anzeigen, könnten aus Sicht der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) den Start ins neue «Corona-Schuljahr» erleichtern. Wenige Tage vor Ferienende in Nordrhein-Westfalen forderte die GEW-Landesvorsitzende Maike Finnern kreativere Lösungen statt Maskenpflicht im Unterricht. Die sei aus pädagogischen und praktischen Gründen abzulehnen, bekräftigte sie am Freitag in Düsseldorf.

CO2-Ampeln zeigen in grün, gelb und rot an, wie dringend der Lüftungsbedarf ist. Zwar messen sie nicht die Konzentration virushaltiger Luftpartikel, der sogenannten Aerosole. Sie wären aber mindestens schon mal ein bereits am Markt erhältliches «gutes Hilfsmittel, wenn die Luft schlecht ist», sagte Finnern. Ungelöst bleibe dabei allerdings die Problematik, dass in vielen Klassenräumen die Fenster gar nicht geöffnet werden könnten.

Mit der Maskenpflicht, die an weiterführenden und berufsbildenden Schulen Nordrhein-Westfalens ab dem Schulstart am Mittwoch sogar im Unterricht gilt, sei NRW einen bundesweiten Sonderweg gegangen, der große Belastungen für die Schüler mit sich bringe, kritisierte die Gewerkschaftschefin. Hätte das Schulministerium stattdessen an Konzepten gearbeitet, die den Unterricht entzerrten und Abstand ermöglichten - statt bis zu 35 Schüler mit Maske in einen Klassenraum zu setzen - wäre diese extreme Maßnahme nicht nötig gewesen, sagte Finnern.

Es sei eine Illusion zu glauben, dass alle rund 2,5 Millionen Jungen und Mädchen an den 5500 Schulen in NRW ab Mittwoch wieder im Regelbetrieb unterrichtet werden könnten, stellte Finnern fest. Die Rückmeldungen, die die GEW aus den Schulen erreichten, deuteten darauf hin, dass viele nicht gut auf den Schulstart vorbereitet seien. Tausende seit Jahren unbesetzter Stellen fielen angesichts der gewachsenen Herausforderungen im Corona-Jahr noch stärker ins Gewicht. Zusätzlich stünden 20 bis 30 Prozent der Lehrkräfte wegen Erkrankungen oder Corona-Risiken nicht zur Verfügung.

Der Ausfall von Präsenzunterricht habe zudem die Bildungsbenachteiligung von Schülern aus sozial schwächeren Elternhäusern verschärft, berichtete Finnern. «Viele sind zuhause nicht erreicht worden.»

Zahlreiche Eltern hätten sich zwar zuhause professionell um die Unterrichtung ihrer Kinder gekümmert. Es habe aber auch Eltern gegeben, die schwer zu kontaktieren gewesen seien, Lernmaterial nicht abgeholt und Lehrkräfte, die es vorbeibringen wollten, sogar raus geschmissen hätten, sagte die GEW-Chefin.

Jetzt müsse daher ehrlich darüber gesprochen werden, dass es nicht möglich sein werde, den verpassten Stoff aus dem vergangenen Schulhalbjahr komplett aufzuholen. Da dürfe kein großer Druck aufgebaut werden. «Das wird nicht alles erreichbar sein.»

In den vergangenen Tagen hatten sich Eltern-, Lehrer- und Schülerverbände sehr kontrovers zum NRW-Sonderweg bei der Maskenpflicht und zum Schulstart geäußert. Die Landesschülervertretung steht auf dem Standpunkt: «Eine Maskenpflicht - so anstrengend das Tragen einer Maske für alle Beteiligten auch ist - ist aktuell leider dennoch unabdingbar, um nachhaltigen Unterricht zu sichern.» Wenn der Präsenz-Unterricht infolge von Corona-Infektionen wieder heruntergefahren werden müsste, wäre das zum Nachteil aller Schüler. Es müssten aber «Pausenzeiten von der Maske» geschaffen werden. Helfen könnten dabei Unterricht im Freien - auch außerhalb des Schulgeländes - sowie Distanzunterricht nachmittags, wenn die Schulgebäude am heißesten seien.

Die Landeselternschaft der Gymnasien in NRW lehnt die weitreichende Maskenpflicht hingegen ab. «Ob wohl irgendjemand im Ministerium schon mal während seines ganzen Arbeitstages pausenlos eine Maske getragen und währenddessen konzentriert Leistung erbracht hat?», fragte die Landesvorsitzende Jutta Löchner. Der Philologenverband der Gymnasiallehrer NRW pochte am Freitag derweil darauf, dass ein regulärer Präsenzunterricht an den Schulen hohe Priorität haben müsse.

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