Schulen
Englisch erst ab dritter Klasse: Mehr Personal für Schulen

Deutsch und Mathe first: Grundschüler in NRW sollen wieder besser Rechnen, Lesen und Schreiben lernen. Damit dafür mehr Zeit ist, fängt der Englisch-Unterricht künftig später an.

Dienstag, 11.08.2020, 17:20 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 17:33 Uhr

Düsseldorf (dpa/lnw) - Grundschüler in Nordrhein-Westfalen starten künftig erst in der dritten Klasse mit dem Englisch-Unterricht. Das ist einer der zentralen Bausteine des «Masterplans Grundschule», den Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) am Dienstag in Düsseldorf vorstellte. Die fast 2800 Grundschulen in NRW mit rund 650 000 Schülerinnen und Schülern sollen auch mehr Personal bekommen. Gebauer sprach von einem «Meilenstein». Die Einzelheiten des Plans:

ENGLISCH:Bisher lernten die Grundschüler schon im zweiten Halbjahr der ersten Klasse Englisch. Für Kinder, die im Schuljahr 2021/22 eingeschult werden, beginnt der Englisch-Unterricht erstmals ab Klasse drei. Um die Reduzierung der Stundenzahl für Englisch auszugleichen, werde das Stundenvolumen künftig ab der dritten Klasse erhöht.

LESEN UND SCHREIBEN:Mit dem späteren Start des Englisch-Unterrichts will die Landesregierung in der sogenannten Schuleingangsphase - den Klassen eins und zwei - die Kernkompetenzen in Lesen, Schreiben und Mathematik stärken. So wird ab dem Schuljahr 2021/22 eine bisherige Handreichung für einen systematischen Rechtschreibunterricht und einen verbindlichen Pflichtwortschatz mit allen Besonderheiten der deutschen Rechtschreibung fest im Lehrplan verankert. Mit der Handreichung hatte Gebauer bereits Anfang 2019 eine Abkehr vom umstrittenen Prinzip «Schreiben nach Gehör» eingeleitet.

MATHEMATIK UND INFORMATIK:In Mathe sollen ab 2021 Orientierungshilfen und Vorlagen für Förderpläne erarbeitet werden. Um die Fächer Deutsch und Mathematik zu stärken, sollen insgesamt 106 zusätzliche Stellen für Fachkoordinatoren an den Schulämtern eingerichtet werden. Diese sollen die Umsetzung der Lehrpläne vor Ort begleiten. Die Leistungen der Viertklässler in Mathe und Deutsch seien nicht nur in NRW, sondern in ganz Deutschland schlechter geworden, sagte Gebauer. Die Grundschüler sollen künftig auch Grundzüge der Informatik lernen. Im Sachunterricht etwa sollen die Kinder schon mal «spielerisch auch einen Roboter programmieren», sagte Gebauer.

EINSCHULUNG:Schulpflichtige Kinder können um ein Jahr vom Schulbesuch zurückgestellt werden, wenn erhebliche gesundheitliche Gründe vorliegen. Bei der Schuleingangsuntersuchung sollen auch eigene fachärztliche oder fachtherapeutische Gutachten der Eltern berücksichtigt werden. Außerdem soll künftig in besonders begründeten Fällen schon am Ende der ersten Klasse entschieden werden, ob ein Kind in der Klasse bleibt.

SCHULLEITUNGEN UND VERWALTUNG:Zur Unterstützung der Schulleitungen sollen künftig alle Grundschulen Stellvertreter-Stellen erhalten. Dazu gehören auch die kleinen Grundschulen mit weniger als 180 Schülern. Ab dem Schuljahr 2021/22 sollen rund 600 kleine Grundschulen jeweils eine Konrektoren-Stelle erhalten, sagte Gebauer. «Damit möchten wir auch die Leitungen an kleinen Grundschulen stärken.» Insgesamt sollen nach Angaben des Ministeriums rund 570 Konrektoren-Stellen zusätzlich geschaffen werden.

Die Schulverwaltungsassistenzen werden ausgeweitet und dafür ab dem kommenden Jahr 400 zusätzliche Stellen eingerichtet. Damit können dann 600 Assistenten in Vollzeit beschäftigt werden. Die Zahl der sogenannten Anrechnungsstunden für die Bearbeitung besonderer Aufgaben wird erhöht, so dass Grundschullehrer entlastet werden.

BEFÖRDERUNG:Erstmals werden auch Grundschullehrkräften Beförderungsstellen in Aussicht gestellt. Damit sollen auch Lehrer außerhalb des Schulleitungsamtes eine berufliche Perspektive bekommen. Für fünf Prozent der Planstellen - knapp 1300 - sollen diese Beförderungsmöglichkeiten geschaffen werden. Das bedeutet auch mehr Geld für diese Lehrer. Allerdings: Weiterhin gibt es keine Aussage zu der geforderten gleichen Bezahlung von Grundschul- und Gymnasiallehrern. Der Lehrerverband VBE erklärte, auch die künftigen Beförderungsstellen lösten das Problem des Lehrkräftemangels nicht.

Gebauer sagte, der eigentliche Grund für den Lehrermangel sei, dass es in der Vergangenheit zu wenig Studienplätze für das Grundschullehramt gegeben habe. Zwei von drei Bewerbern hätten abgewiesen werden müssen. Die CDU/FDP-Landesregierung habe seit Amtsantritt 700 zusätzliche Studienplätze geschaffen.

SOZIALPÄDAGOGISCHE FACHKRÄFTE:Diese Stellen an den Grundschulen wurden bisher laut Ministerium auf 1750 verdreifacht. Geplant ist ein Ausbau auf insgesamt 3000 Stellen bis zum Jahr 2025.

INKLUSION:Zur Stärkung des gemeinsamen Lernens in der Grundschule sollen alle mindestens zweizügigen Grundschulen Lehrkräfte für sonderpädagogische Förderung fest in ihrem Kollegium haben. Die Inklusionsstellen sollen in den kommenden Jahren um insgesamt 800 Stellen erhöht werden.

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