Corona-Krise
Zwei Drittel der Gastwirte sehen Existenz bedroht

Neuss -

Trotz der Lockerungen ächzt das Gastgewerbe in Nordrhein-Westfalen unter den Folgen der Corona-Krise. So setzte das Gastgewerbe im Juli gerade einmal die Hälfte des Vorjahresmonats um. 66,2 Prozent der Betriebe kämpfen laut einer Umfrage ums Überleben.

Dienstag, 11.08.2020, 14:15 Uhr aktualisiert: 11.08.2020, 14:38 Uhr
66 Prozent der Gastwirte in NRW sehen laut einer Dehoga-Umfrage eine akute Existenzgefährdung. Foto: dpa

Auch im sechsten Monat der Corona-Krise stehen Gastronomen und Hoteliers in Nordrhein-Westfalen vor gewaltigen Herausforderungen. 66,2 Prozent kämpfen nach eigenen Angaben aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Pandemie um das betriebliche Überleben. Das ist das Ergebnis einer Umfrage des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, an der sich deutschlandweit 7200 gastgewerbliche Unternehmer, davon 876 aus Nordrhein-Westfalen, beteiligten.

Welche Kunden dem Gastgewerbe fehlen

Die Umsatzeinbußen der NRW-Betriebe beliefen sich seit dem 1. März demnach auf durchschnittlich 62 Prozent. Trotz der Lockerungen habe der Umsatzrückgang im Juli im Vergleich zum Juli 2019 bei fast 50 Prozent gelegen, wie der Verband am Dienstag mitteilte. „Das Bedrohungsszenario für unsere Betriebe ist real: Der Geschäftsreiseverkehr kommt nicht in die Gänge, Großveranstaltungen wie Messen, Sportveranstaltungen oder Konzerte finden weiterhin nicht oder nur sehr eingeschränkt statt, Clubs und Diskotheken bleiben geschlossen, die Corona-Regelungen führen zu vermindertem Platzangebot und erhöhten Kosten, viele Gäste sind immer noch verunsichert“, resümiert Bernd Niemeier, Präsident des Dehoga Nordrhein-Westfalen.

Äußerst problematisch bleibe für die Branche, dass die Aussichten ebenfalls düster sind. Gastronomen und Hoteliers erwarten in diesem Jahr einen Umsatzrückgang von 54 Prozent. „Solange der Geschäftsreiseverkehr, der für uns als starkem Wirtschaftsstandort elementar ist, nicht anspringt, bleibt die Situation sehr angespannt. Die Buchungsrückgänge für August bis Oktober liegen zum Beispiel wegen der ausfallenden Messen jenseits der 50 Prozent, was Hotellerie, Gastronomie und Caterer gleichermaßen hart trifft. Momentan sehen wir eher ein zaghaftes Herantasten als eine beherzte Belebung dieses Segments“, beschreibt Bernd Niemeier die Situation im Geschäftsreiseverkehr.

Entlassungen

Auch wenn die Belastungen durch die Corona-Krise außerordentlich sind, hätten „nur“ 34,1 Prozent der Gastronomen und Hoteliers Mitarbeiter entlassen müssen, teilt Dehoga NRW mit. Fast 72 Prozent planten keine weiteren Entlassungen. Ebenfalls positiv bewertet der Verband, dass mehr als 85 Prozent die Ausbildungsverträge nicht gelöst hätten. „Wir wissen in der Branche, dass unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unser wichtigstes Gut sind und unsere Azubis die Zukunft bedeuten. Das ist der Grund, warum unsere Unternehmer alles versuchen, Beschäftigte und Azubis zu halten“, so Dehoga-NRW-Präsident Niemeier.

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Alle wollen draußen sitzen

Mit Sorge schaut vor allen Dingen die Gastronomie auf die anstehenden ungemütlicheren Jahreszeiten: „Viele unserer Gäste haben in den letzten Wochen und Monaten gerne von unseren außengastronomischen Angeboten Gebrauch gemacht. Wir hoffen, dass die Skepsis gegenüber innengastronomischen Angeboten abnimmt, wenn das Wetter schlechter wird. Unsere Betriebe sind aber gut aufgestellt. Das Einhalten von Abstands- und Hygiene- sowie Belüftungsregeln wird uns helfen, die Verunsicherung zu nehmen“, ist Niemeier trotz der Sorgen vorsichtig optimistisch. Ebenfalls schwer einzuschätzen bleibe das Weihnachtsgeschäft oder die Auswirkungen des Virus auf die „fünfte Jahreszeit“.

Weitere Ergebnisse der Umfrage: Zum jetzigen Zeitpunkt hielten rund 69 Prozent die staatlichen Hilfen für nicht ausreichend. Die Diskussionen um Rückzahlungsmodalitäten der NRW-Soforthilfe hätten zudem verunsichert. „Wir haben auf die Probleme der Soforthilfe hingewiesen und setzen darauf, dass der Staat seine Hilfen und deren Modalitäten der Praxis anpasst und für weitere Unterstützungsmaßnahmen offenbleibt, wenn die notwendig werden. Und natürlich hoffen wir auf weitere vertretbare Lockerungen für unsere Betriebe. Aber das ist das Wichtigste: Es darf zu keinem zweiten Lockdown kommen“, so Niemeier abschließend.

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