Telekommunikation
Schiene und Autobahn: Verstärkter Mobilfunk-Ausbau

Wer kennt das nicht? Kaum sitzt man im Zug und ist aus dem Bahnhof rausgefahren, ist das Mobilfunknetz weg. Kein Empfang oder mobiles Arbeiten. Auch auf den stark befahrenen Autobahnen gibt es nervige Empfangsprobleme. Beim Mobilfunkausbau steht das Problem weit oben auf der Agenda.

Donnerstag, 03.09.2020, 15:18 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 15:32 Uhr
Andreas Pinkwart (FDP), Wirtschaftsminister von Nordrhein-Westfalen, spricht. Foto: Federico Gambarini

Düsseldorf (dpa/lnw) - Der Mobilfunkempfang an den Bahnstrecken und auf den Autobahnen in Nordrhein-Westfalen soll insbesondere für die Millionen Pendler in den kommenden Jahren deutlich besser werden. Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sieht einen besseren Empfang an den Bahnstrecken als einen weiteren Schwerpunkt des Ausbaus und als eine Chance, nach den Rückgängen in der Corona-Krise die Schienenwege wieder attraktiver für Fahrgäste zu machen. «Wir halten das auch für zentral, auch für die Attraktivität der Bahn», betonte Pinkwart am Donnerstag bei einer Zwischenbilanz zum Mobilfunkpakt.

In Kooperation mit der Deutschen Bahn und unterstützt durch die Politik gebe es jetzt die Chance, den Frequenzbereich 900 Megahertz auch entlang der Bahntrassen nutzen zu können und damit sehr viel näher an die Strecken heranzukommen, sagte der Deutschland-Chef von Vodafone, Hannes Ametsreiter. Statt 4 Kilometer Abstand zu den Bahnlinien seien jetzt 500 Meter möglich. «Wir haben eine Chance, hier sehr viel näher ranzukommen». Für NRW bedeute das mehr als 6000 deutlich besser versorgte Bahnkilometer.

Die Deutsche Telekom will Mobilfunk-Lücken an wichtigen Bahnstrecken und vielbefahrenen Autobahnen rasch schließen. «Das steht bei uns ganz oben auf der Prioritätenliste», sagte der Geschäftsführer Technik der Telekom Deutschland GmbH, Walter Goldenits. Das Unternehmen sei dabei auch auf der Suche nach weiteren Standorten. Dabei kämen unter anderem auch Liegenschaften des Landes in Frage. Außerdem würden vielerorts an den bestehenden Mobilfunkstationen die Kapazitäten erweitert, damit den Kunden mehr Bandbreite zur Verfügung stehe.

Der Mobilfunkausbau ist in NRW nach Angaben des Wirtschaftsministers deutlich vorangekommen. Mit einer Haushaltsversorgung je nach Netzbetreiber von 97,3 bis 99,4 Prozent und einer Flächenversorgung über alle Anbieter hinweg von 98,5 Prozent mit LTE-Mobilfunk stehe Nordrhein-Westfalen unter den Flächenländern an der Spitze. Seit der Unterzeichnung des Mobilfunkpaktes hätten die Netzbetreiber binnen zwei Jahren fast 12 000 Ausbaumaßnahmen umgesetzt. Während der starken Einschränkungen durch die Corona-Pandemie habe sich gezeigt, dass die Netze stabil arbeiteten und mobiles Arbeiten möglich sei.

NRW sei nicht nur bei der LTE-Versorgung unter den Flächenländern führend, sondern auch beim 5G-Ausbau, der nicht Teil des Mobilfunkpaktes NRW sei, so der Minister. Davon profitierten nicht nur Ballungsgebiete, sondern 5G komme auch im ländlichen Raum voran. «5G ist damit längst an der Milchkanne angekommen.» Die Deutsche Telekom will bei 5G den Versorgungsstand von derzeit mehr als 50 Prozent der Bevölkerung bis Jahresende auf über 90 Prozent steigern. Vodafone will die 5G-Versorgung von derzeit etwas über 20 Prozent ebenfalls schnell ausbauen. Telefonica Deutschland startet nach eigenen Angaben im vierten Quartal mit dem Mobilfunkstandard 5G.

Besonders für die Wirtschaft steht 5G im Fokus. «Die nahezu flächendeckende Versorgung mit LTE ist erfreulich, kann aber nur ein wichtiger Zwischenschritt für ein flächendeckendes 5G-Netz in Nordrhein-Westfalen sein», sagte der Hauptgeschäftsführer der Landesvereinigung der Unternehmensverbände, Johannes Pöttering, der dpa. Als Industriestandort sei NRW bei Themen wie Industrie 4.0, autonome Mobilität oder dem «Internet of things» auf die schnelle Übertragung großer Datenmengen zwingend angewiesen. Deshalb müsse jetzt der zügige und flächendeckende Ausbau des 5G-Netzes erfolgen.

Nach Ansicht des Handwerks hat die Corona-Krise den Bedarf im Mobilfunkbereich noch zugespitzt. «Beim Mobilfunk wäre es für das gerade im ländlichen Raum stark vertretene Handwerk natürlich hoch wünschenswert, die verbliebenen «Löcher» im ländlichen und grenznahen Raum zeitnah noch zu schließen», erklärte die Handwerkskammer Düsseldorf. Viele digitale Betriebsfunktionen wie Flottenmanagement oder die Datenübermittlung von Sensoren und Detektoren der Anlagenwartung über spezielle Netze verliefen funkgestützt.

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