Kindergärten
Stamp will Alltagshelfer zu Kita-Personal ausbilden lassen

Der Personalmangel in den NRW-Kitas ist groß. Nun hat Familienminister Stamp eine neue Idee, Betreuer zu finden. Die für Corona-Schutzmaßnahmen eingestellten Kita-Helfer sollen weiterqualifiziert werden.

Dienstag, 08.09.2020, 17:46 Uhr aktualisiert: 08.09.2020, 17:52 Uhr
Der nordrhein-westfälische Familienminister Joachim Stamp (FDP). Foto: Roland Weihrauch

Düsseldorf (dpa/lnw) - Die nordrhein-westfälische Landesregierung will die zur Entlastung der Kitas in der Corona-Krise eingestellten Alltagshelfer dauerhaft für die Kinderbetreuung gewinnen. Das «Kita-Helfer»-Programm werde über den 31. Dezember hinaus im kommenden Jahr fortgesetzt, sagte Familienminister Joachim Stamp (FDP) am Dienstag in Düsseldorf. Mit den Trägern der Einrichtungen sollten außerdem Konzepte zur Weiterqualifizierung der Helfer entwickelt werden. Auch auf diesem Wege sollten dauerhaft «mehr geeignete Kräfte für den Einsatz in der frühkindlichen Bildung» ausgebildet werden.

Die schwarz-gelbe Landesregierung hat den Kita-Trägern bisher rund 95 Millionen Euro für «Kita-Helfer» zur Verfügung gestellt. Sie sollen das pädagogische Fachpersonal bei alltäglichen Hygienemaßnahmen entlasten - etwa der Reinigung von Spielzeug, regelmäßigem Lüften und Desinfizieren. Das Programm ist laut Stamp auf etwa 10 000 Mitarbeiter angelegt. In NRW gibt es rund 10 500 Kindertageseinrichtungen.

Formale Voraussetzungen zur beruflichen Qualifizierung der Kita-Helfer gebe es nicht, sagte Stamp. Aber nach den Kindesmissbrauchsfällen von Lügde und Bergisch Gladbach lege das Land großen Wert auf erweiterte polizeiliche Führungszeugnisse. Es dürfe «an dieser Stelle keine Tür für einen bestimmten Kreis geöffnet» werden. Bewerbungen der Kita-Helfer liefen über die Träger.

Der seit Mitte August wieder eingeführte Regelbetrieb in den NRW-Kitas hat nach Worten Stamps nicht zu vermehrten Corona-Infektionen geführt. «Keine Kita, keine Schule ist zu einem Hotspot geworden.» Er bekräftigte sein Versprechen, dass es mit ihm keine landesweite Schließung von Kitas wie im Frühling mehr geben werde. Stamp empfahl auch den Gesundheitsämtern, bei regionalen Corona-Ausbrüchen nicht zuerst Kitas zu schließen.

Die Landesjugendämter hätten im August 47 Infektionen bei rund 730 000 Kindern gemeldet, sagte Stamp. Unter 153 000 Kita-Beschäftigten habe es 97 Corona-Fälle gegeben. Nur vereinzelt seien Kitas im August geschlossen worden. 98,5 Prozent der Einrichtungen seien «uneingeschränkt geöffnet» und 97 Prozent der Mitarbeiter an Bord gewesen.

Mehr als 39 000 Corona-Tests wurden nach Angaben des Ministeriums bei Kita-Mitarbeitern genommen. Ob die kostenlosen Tests bei Kita-Personal auch nach den Herbstferien fortgeführt werden, sei noch nicht entschieden, sagte Stamp. Er sei skeptisch und halte anlassbezogene Tests für besser. Die «größte Sicherheit» sei es, in den Einrichtungen bei Corona-Verdachtsfällen vor Ort umfassend zu testen.

Beim Ausbau der Kita-Plätze in NRW kam es nach Angaben Stamps in der Corona-Krise zwar «an der ein oder anderen Stelle Verzögerungen», er sei aber «nicht wirklich ins Stocken gekommen». Das Land stehe zu seiner Garantie, dass jeder Platz, der vor Ort gebraucht werde, auch bewilligt werde.

Stamp forderte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD) «ultimativ» auf, die Mittel aus dem «Gute-Kita-Gesetz» zu entfristen. In drei Konferenzen habe Giffey den Landesfachministern zugesagt, dass die Frage bereits mit dem Bundesfinanzministerium geklärt sei. Doch es gebe immer noch keinen Beschluss des schwarz-roten Koalitionsausschusses oder des Bundeskabinetts.

Rund 5,5 Milliarden Euro stellt der Bund den Ländern über das sogenannte Gute-Kita-Gesetz für Qualitätsverbesserungen und weniger Gebühren zur Verfügung. Das Gesetz ist bis 2022 befristet. Allein NRW erhält rund 1,2 Milliarden Euro für bessere frühkindliche Bildung und ein zweites beitragsfreies Kindergartenjahr.

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