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Braubranche:Stärkere Zusammenarbeit bei Mehrweg-Glasflaschen

In der Welt der Bierflaschen gibt es immer mehr Vielfalt. Gerade für kleine Brauereien und die Umwelt ist das keine gute Nachricht. Auch von finanziellen Aspekten rund um das Leergut geht Handlungsdruck aus. Nun gibt es Bewegung bei den Brauern.

Mittwoch, 09.09.2020, 16:25 Uhr aktualisiert: 09.09.2020, 16:32 Uhr
Gewaschene Bierflaschen laufen durch die Produktion einer Brauerei. Foto: Rainer Jensen

München/Düsseldorf (dpa) - Nach dem Trend zu immer mehr individuellen Bierflaschen mit dem Namenszug einer Marke will die deutsche Braubranche beim Mehrwegsystem wieder stärker zusammenarbeiten. Innerhalb von nur wenigen Wochen gaben mehrere Brauereien und regionale Branchenverbände die Gründung von zwei neuen Allianzen für Mehrweg-Glasflaschen bekannt, die als umweltfreundlich gelten. Damit sollen letztlich auch wieder mehr neue Bierflaschen in den Umlauf kommen. Für den Verbraucher soll sich nichts ändern. In Deutschland gibt es nach Verbandsangaben rund 3 Milliarden Bier-Pfandflaschen.

Die regionalen Brauereiverbände der beiden Bundesländer mit der größten Bierproduktion, Bayern und Nordrhein-Westfalen, gaben zusammen mit der Sozietät Norddeutscher Brauereiverbände und sechs Brauereien am Mittwoch die Gründung einer Genossenschaft bekannt. Als Vorbild dient die Mineralwasser-Branche mit standardisierten Mehrwegflaschen. Das bestehende Flaschenpool-System in der Brauwirtschaft ist den Initiatoren der MPB Mehrwegpool der Brauwirtschaft eG zufolge durch mehrere Faktoren gefährdet, wie sie am Mittwoch mitteilten.

Das bisherige Mehrwegsystem in der Brauwirtschaft wird demnach nicht ausreichend gepflegt. Eine Brauerei bekommt statt der neuen Flaschen mit dem Leergut alte und schon stark abgenutzte Flaschen zurück. Dies schade der Biermarke. Künftig sollen eine kleine Kennzeichnung der Flaschen knapp oberhalb des Bodens und klare Regeln zum Austausch alter Flaschen gegen neue durch die Brauereien Besserung bringen. Sie sollen in das bestehende Mehrwegsystem fließen. Sehr weit verbreitet ist die sogenannte NRW-Flasche 0,5 Liter im 20er-Bierkasten.

Der anderen Mitte August bekanntgegebenen Initiative der Brauriesen Bitburger, Krombacher, Radeberger Gruppe und Warsteiner geht es zunächst um einen neuen Flaschenpool für die 0,33 Liter fassende Mehrweg-Glasflasche Longneck. Sie betonten ebenfalls, dass dieser Flaschenpool für alle Produzenten offen sein werde. Wichtigste Aufgabe der Gesellschaft für Mehrwegmanagement GmbH & Co. KG (GeMeMa) werde es sein, die hohen Qualitätsstandards des Pools sicherzustellen. Später sei eine Ausweitung des Poolgedankens auf weitere Mehrweg-Gebinde durchaus denkbar, betonten die Initiatoren.

«Wir haben inzwischen Aufwendungen für das Sortieren, die sind unfassbar», sagte der Aufsichtsratschef der MPB, Michael Hollmann, der Deutschen Presse-Agentur. Mit der neuen Genossenschaft solle es wieder mehr einheitliche Flaschen in einer hohen Qualität und geringere Sortierungskosten beim Leergut für die Brauereien geben. Dies sei auch ökologisch interessant, da lange Rücktransportwege zu einer bestimmten Brauerei vermieden würden. Die hohe Mehrwegquote der deutschen Braubranche von mehr als 80 Prozent gelte es zu erhalten.

Die Motivation der Initiativen ist nach Ansicht von Branchenkenner Niklas Other die gleiche: Der wachsenden Komplexität des Mehrwegsystems Einhalt zu gebieten. Letztlich werde es so sein, dass diese Pools miteinander auskommen müssten. Im Sinne der Branche und dem Erhalt der Vielfalt seien sie begrüßenswert. «Das Leergut ist ein existenzielles Thema und ein existenzieller Rohstoff für die Branche, was immer knapp wird. Gut sortiertes Leergut ist mittlerweile ein Machtmittel. Wer gut sortiertes Leergut hat, hat einfach einen Vorteil», sagte Other, der Herausgeber des Magazins «Inside» ist.

Außer den eigentlichen Problemen im bisherigen Mehrwegsystem mit immer mehr Individualflaschen, neuen Flaschenformen und hohem Sortieraufwand spielten nach Verbandsangaben für Brauereien auch finanzielle Aspekte eine Rolle für Neuaufstellungen. Nach neuer Rechtssprechung müssten künftig möglicherweise Rückstellungen für Bierpfand aufgelöst und versteuert werden, weil die Flaschen im alten System nach Ansicht von Finanzbehörden keinem Eigentümer zugeordnet werden könnten, wie der Bayerische Brauerbund betonte.

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