Prozesse
Kölnerin Gönül Örs darf Türkei weiter nicht verlassen

Istanbul (dpa) - Die wegen Terrorvorwürfen in der Türkei angeklagte Kölnerin Gönül Örs darf das Land weiter nicht verlassen. Die Ausreisesperre und die polizeiliche Meldepflicht blieben bestehen, entschied das Gericht im Istanbuler Stadtteil Caglayan am Donnerstag. Die nächste Verhandlung wurde für den 21. Januar 2021 angesetzt. Dann werde eine Entscheidung fallen, sagte der Richter. Im Juni hatte das Gericht den Hausarrest gegen Örs aufgehoben, aber eine Ausreisesperre mit Meldepflicht verhängt.

Donnerstag, 01.10.2020, 09:42 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 09:52 Uhr
Gönül Örs steht im Gericht Caglayan. Foto: Linda Say

Gönül Örs ist die Tochter der ebenfalls unter Terrorvorwürfen angeklagten Sängerin Hozan Cane, die in der Nacht zum Donnerstag nach zwei Jahren aus einem Istanbuler Gefängnis entlassen wurde. Örs zeigte sich erleichtert über die Freilassung ihrer Mutter, aber enttäuscht über die Beibehaltung ihrer eigenen Ausreisesperre. «Ich bin also noch drei Monate da», sagte sie. Sie habe gehofft, dass die Entlassung der Mutter ein gutes Zeichen sei.

Örs wird der Anklageschrift zufolge Terrorpropaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK, Freiheitsberaubung unter Gewaltanwendung oder Täuschung und «Entführung oder Beschlagnahmung» von Beförderungsmitteln vorgeworfen. Hintergrund der Anklage war eine Protestaktion im Jahr 2012 auf einem Schiff in Köln. In Deutschland wurde nach Angaben der Anwältin eine Ermittlung gegen Örs in diesem Fall eingestellt. Die türkische Ermittlungsakte stütze sich demnach auf damalige Informationen eines BKA-Kontaktbeamten.

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