Kriminalität
Jugendkriminalität geht zurück: Jeder fünfte Täter unter 21

Tatort Schule oder Internet: Hier sind oft Kinder oder Jugendliche die Verdächtigen. Insgesamt ist die Zahl der mutmaßlichen Täter unter 21 Jahren im Vergleich zum Vorjahr gesunken.

Sonntag, 04.10.2020, 11:05 Uhr aktualisiert: 04.10.2020, 11:12 Uhr
Der Schriftzug «Polizei» ist vor einem Polizeirevier zu sehen. Foto: Boris Roessler

Düsseldorf (dpa/lnw) - In NRW war im vergangenen Jahr mit 21,1 Prozent der Tatverdächtigen etwa jeder fünfte ein Kind, Jugendlicher oder Heranwachsender. Die Zahl der Verdächtigen unter 21 Jahren ging im Vergleich zu 2018 um 0,7 Prozent zurück. Allerdings nahm die Zahl jungen Verdächtigen zum Beispiel im Bereich von Kinder- und Jugendpornografie zu. Dies geht aus dem neuen Lagebild Jugendkriminalität des nordrhein-westfälischen Landeskriminalamts (LKA) hervor.

«Jugendkriminalität fand zum größten Teil in Form von Diebstählen, einfacher und gefährlicher Körperverletzung, Straftaten nach dem Betäubungsmittelgesetz, Sachbeschädigungen, Erschleichen von Leistungen sowie Raub statt», konstatieren die Ermittler. Die Zahl der Verdächtigen unter 21 Jahren sei in fast allen «jugendtypischen Deliktsbereichen» gesunken - nur bei den Raubdelikten und bei den Körperverletzungen habe es Steigerungen gegeben.

Betrachtet man die Tatverdächtigen eines einzelnen Bereichs, sind bei Vergehen oder Verbrechen mit jugendpornografischen Schriften 61,6 Prozent unter 21 Jahren alt. Bei Kinderpornografie sind es 44,4 Prozent. Der Hintergrund: Viele junge Menschen teilen entsprechende Bilder oder Videos laut LKA zum Beispiele via Internet, WhatsApp oder Snapchat, weil sie sich gar nichts dabei denken - oder es vielleicht sogar lustig finden. Über die Konsequenzen seien sich die Täter vielfach nicht im Klaren.

Bei den festgestellten Fällen von Verbreitung, Erwerb oder Besitz kinderpornografischer Schriften via Internet nahm die Zahl der Verdächtigen unter 21 in 2019 im Vergleich zum Vorjahr um 138,5 Prozent zu. Die Gesamtzahl der Straftaten «mit dem Tatmittel Internet» stieg bei Kindern und Jugendlichen um 12,7 Prozent. Besonders stark stieg dabei auch die Rubrik «Gewaltdarstellung» an (plus 71,1 Prozent).

Neben dem Internet ist auch die Schule ein häufiger Tatort. Knapp 21 000 Taten zählten die Ermittler 2019. 44,4 Prozent davon wurden aufgeklärt. Am häufigsten ging es um Körperverletzung, oft um Diebstahl, Raub oder Drogen. Von den knapp 10 000 Tatverdächtigen, die man ermitteln konnte, waren etwa ein Drittel Kinder unter 14 Jahren.

Die Anzahl der Opfer unter 21 Jahren insgesamt sank um 17,1 Prozent auf 56 520. Auch die festgestellte Anzahl der Opfer von sexuellem Missbrauch von Kindern sank um 1,2 Prozent.

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