Urteile
Ehefrau erwürgt, Leiche vergraben: Lebenslange Haft

Ein Mann meldet seine Ehefrau als vermisst. Später kommt heraus: Er hat sie erwürgt und die Leiche vergraben. Jetzt ist er verurteilt worden.

Montag, 05.10.2020, 16:35 Uhr aktualisiert: 05.10.2020, 16:42 Uhr
Das Amts- und Landgericht in Duisburg. Foto: Roland Weihrauch

Duisburg (dpa/lnw) - Der kleine Junge war sechs, als seine Mutter ermordet wurde - vom eigenen Vater. Nach dem gewaltsamen Tod einer jungen Frau aus Duisburg ist ihr Ehemann am Montag zu lebenslanger Haft wegen Mordes verurteilt worden. Der Angeklagte hatte gestanden, die 26-Jährige am 7. September 2019 in der gemeinsamen Wohnung erwürgt und die Leiche anschließend in einem Waldstück vergraben zu haben. Dort war sie rund drei Monate später gefunden worden.

Auslöser der Tat waren nach Überzeugung der Duisburger Kammer die Trennungsabsichten der Frau. Richter Joachim Schwartz bezeichnete die Tat als eine «Demonstration uneingeschränkten Besitzdenkens».

Es war der Abend des 7. September 2019, als der Angeklagte seine Hände um den Hals seiner drei Jahre jüngeren Ehefrau legte und so lange zudrückte, bis sie tot war. Das hatte der Deutsche mit türkischen Wurzeln im Prozess selbst zugegeben. Der sechsjährige gemeinsame Sohn des Paares war zur Tatzeit mit in der Wohnung, hat aber offenbar nichts mitbekommen.

«Für ihn ist der schlimmste Albtraum Realität geworden», sagte Anwalt Stefan Störmer, der den Jungen vor Gericht vertrat. «Die Mutter ist getötet worden, der Vater ist der Mörder.»

Der Angeklagte hatte im Prozess von einem Trennungsstreit gesprochen, bei dem er wüst beleidigt worden sei. Seine Frau sei von einem Ausflug nach Hause gekommen und habe gleich wieder weggewollt. Da habe er gedacht, dass es einen anderen Mann in ihrem Leben geben müsse. Irgendwann sei die Situation dann eskaliert.

«Ich möchte mich bei der Familie und bei meinem Sohn entschuldigen - es tut mir sehr leid», sagte der 29-jährige kurz vor der Urteilsverkündung.

Drei Monate lang hatte er die Legende des verlassenen Ehemannes aufrecht gehalten. Er hatte seine Frau als vermisst gemeldet, als sie noch in einem Koffer in seinem Auto lag. Damit war er sogar tagelang mit seinem Sohn durch die Gegend gefahren - zu gemeinsamen Ausflügen.

Anschließend hatte er extra eine Garage angemietet, um den Koffer dort zu deponieren. Als auch das wegen des Verwesungsgeruchs nicht mehr ging, hatte er die Leiche in einem Waldstück bei Duisburg vergraben, wo sie rund drei Monate später gefunden wurde. Der Angeklagte hatte die Ermittler schließlich selbst dorthin geführt.

Seine Motive für den tödlichen Würgeangriff hatte er bei der Polizei später so geschildert: «Ich habe sie sehr geliebt. Ich wollte sie nur für mich haben. Ich wollte sie mit niemandem teilen.» Er habe ihren Hals eigentlich wieder loslassen wollen, aber es nicht gekonnt. Weil er gedacht habe, sie gehe zu jemand anderem.

Die Verteidigung hatte auf Totschlag plädiert und eine milde Strafe gefordert. Von einem uneingeschränkten Besitzdenken könne keine Rede sein. Dieser Ansicht waren die Richter jedoch nicht gefolgt. Sie bezeichneten die Tat eindeutig als Mord. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

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