Landtag
Enquetekommission; Mehr Homeoffice und mobiles Arbeiten

Arbeiten zuhause im Homeoffice ist für viele in der Corona-Krise zum Dauerzustand geworden. Ist mobiles Arbeiten das Modell für die Zukunft? Experten sind da vorsichtig.

Dienstag, 06.10.2020, 13:07 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 13:22 Uhr

Düsseldorf (dpa/lnw) - Angesichts der Digitalisierung der Arbeitswelt hat eine fraktionsübergreifende Enquetekommission des NRW-Landtags die Stärkung von mobilem Arbeiten und Homeoffice empfohlen. Betriebsvereinbarungen zum mobilen Arbeiten sollten gefördert werden, heißt es im Abschlussbericht der Kommission. Wo möglich und gewünscht, sollte Arbeit im Homeoffice gestärkt werden. Denkbar sei zudem eine Pflicht für Arbeitgeber, die Ablehnung von Homeoffice begründen zu müssen. Auch sollten steuerliche Anreize für mobiles Arbeiten geschaffen werden.

Das Gremium hatte sich zwei Jahre mit der digitalen Transformation der Arbeitswelt in Nordrhein-Westfalen beschäftigt und mehr als 40 Experten gehört. Das Ergebnis sind rund 120 Empfehlungen für modernes Arbeiten.

Die Corona-Krise habe gezeigt, dass lange bestehende Vorbehalte etwa beim Thema Homeoffice in den Unternehmen schneller gefallen seien, «als wir uns vorstellen konnten», sagte der Kommissionsvorsitzende Dietmar Bell (SPD) am Dienstag in Düsseldorf.

In den Empfehlungen der Enquetekommission geht es nicht um einen Rechtsanspruch auf Homeoffice, wie ihn Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) plant. Heil will jedem Arbeitnehmer einen Anspruch auf 24 Tage Homeoffice im Jahr einräumen.

Ein solcher Rechtsanspruch wäre eine zu hohe Belastung für Firmen, sagte der CDU-Abgeordnete Marco Schmitz. Dann müsse der Arbeitsschutz zu den Beschäftigten nach Hause kommen, und es müssten eigene Arbeitstische und Computer gestellt werden.

Die Kommission empfiehlt neue Formen der Arbeit, mit denen Familie und Beruf besser vereinbart werden könnten. Das könnten etwa gemeinsame Co-Working-Räume in Kommunen für Beschäftigte verschiedener Unternehmen sein, die mit Kinderbetreuung verbunden werden könnten.

Die Kommission empfiehlt auch eine «Öffnungsklausel» für mehr selbstbestimmte Arbeitszeit. Dabei bringt sie eine Umstellung von der täglichen auf eine wöchentliche Arbeitszeit ins Spiel. Dies solle aber zunächst zusammen mit Sozialpartnern, etwa den Gewerkschaften, in «Experimentierräumen» geprüft werden.

Der FDP-Abgeordnete Jörn Freynick sagte, beim mobilen Arbeiten sollten mehr Hürden für die Arbeitgeber abgeschafft werden, etwa bei Arbeitszeiten. Die Gesetze müssten den Bedürfnissen der Menschen angepasst werden. Damit müsste aber verantwortungsvoll umgegangen werden.

Der Grünen-Abgeordnete Matthi Bolte-Richter verwies auf die ökologischen Effekte durch Arbeiten im Homeoffice. Durch den Wegfall von Pendelei werde Kohlendioxid (CO2) im Verkehr eingespart. Die Corona-Krise hat nach Worten des AfD-Abgeordneten Sven Tritschler aber auch gezeigt, dass das Arbeiten zuhause nicht die «Hochglanzwelt» sei. Viele Menschen seien froh, wieder ins Büro gehen zu können, weil sie so Beruf und Privates besser trennen könnten.

In NRW werden bis 2035 nach Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) etwa 570 000 Arbeitsplätze von der digitalen Transformation, also von Automatisierungsprozessen, betroffen sein, heißt es in dem Enquetebericht. Durch neue technische Entwicklungen würden Jobs wegfallen, aber auch neue geschaffen. Im Beschäftigungssaldo werde die Bilanz ungefähr ausgeglichen sein. Allerdings werde es eine Verschiebung von Arbeitsplätzen zwischen den Branchen geben - weg vom verarbeitenden Gewerbe hin zu Information und Kommunikation.

Zu den Stärken von NRW gehört laut Bericht der hohe Anteil an Beschäftigten in Zukunftsbranchen sowie der Abiturienten und Studierenden. Zu den Schwächen zählen demnach die noch ausbaufähige Beschäftigung in den MINT-Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die relativ geringe Produktivität im verarbeitenden Gewerbe und die hohe Arbeitslosigkeit.

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